„Er sagt damit im Grunde einfach, dass die ProTours keinerlei Priorität haben“ – Luke Littler beschert der PDC mit bemerkenswerten Aussagen ein kleines Problem
Die Leistungen von Luke Littler überraschen auch Ex-Topdarter Vincent van der Voort weiterhin. In der Podcast Darts Draait Door reagierte Van der Voort auf die auffälligen Aussagen des amtierenden Weltmeisters, der kürzlich erklärte, erst dann wieder Players Championship-Turniere spielen zu wollen, wenn er später in diesem Monat das World Matchplay gewinnt.
Laut Van der Voort sagt diese Aussage vor allem viel über das enorme Selbstvertrauen aus, mit dem Littler derzeit auf dem Circuit unterwegs ist. „Naja, er sagt: Wenn ich die Matchplay gewinne, spiele ich die ProTour. Denn er will dann alle TV-Turniere in einem Jahr gewinnen.“
Der ehemalige Weltranglisten-24. versteht die Denkweise des neunzehnjährigen Engländers, weist aber auch auf die Herausforderung hin, die damit einhergeht. Littler hat in diesem Jahr noch kein einziges Players Championship gespielt und müsste sich über nur eine Handvoll Floor-Turniere dennoch für die Players Championship Finals qualifizieren.
„Ich finde es schon stark, dass er so denkt. Aber er spielt damit wirklich. Es gibt nicht mehr so viele ProTours. Es ist gut möglich, dass er zwei gewinnen muss, um sich zu qualifizieren.“
Genau das macht es laut Van der Voort interessant. Sollte Littler das World Matchplay gewinnen, entstünde sofort eine neue Geschichte Richtung Saisonende. „Dann wird es spannend, ob ihm das gelingt. Aber es wäre natürlich schon etwas, wenn er alle TV-Turniere in einem Jahr gewinnt.“
Moderator Damian Vlottes merkte an, dass Littler die Players Championship Finals selbst kaum wichtig zu sein scheinen. Van der Voort kann das nachvollziehen. „Er signalisiert im Grunde, dass die ProTours null Priorität haben. Das wird nächstes Jahr wahrscheinlich wieder so sein. Also steht die PDC erneut vor einem kleinen Problem.“
Dennoch überwiegt vor allem Bewunderung. „Man hofft fast, dass er die Matchplay gewinnt. Dann kann man schauen, ob das auch noch klappt.“
Allein Littlers Denkweise sagt laut Van der Voort alles über seinen aktuellen Status. „Dass das im Juni schon dein Gedanke ist… Das ist doch stark? Wenn er die Matchplay gewinnt, spiele ich eben ein paar dieser Floor-Turniere und qualifiziere mich auch wieder. Daran siehst du, wie groß sein Selbstvertrauen ist und wie er an alles herangeht.“
‚Er ist derzeit nicht zu stoppen‘
Dieses Selbstvertrauen ist laut Van der Voort nicht unberechtigt. Littler ist seit Monaten auf den großen Ranglistenturnieren nahezu unantastbar. Auf die Frage, wer Littler zuletzt auf einer Ranglistenbühne schlagen konnte, musste Van der Voort nicht lange überlegen. „Ich weiß, dass Niels Zonneveld ihn auf der Euro Tour besiegt hat.“
Als anschließend angemerkt wurde, dass das bereits Monate zurückliegt, konnte Van der Voort nur feststellen, wie beeindruckend Littlers Serie inzwischen ist.
„Ja, dann ist Niels Zonneveld der Letzte, der ihn auf einer Ranglistenbühne geschlagen hat. Das war im Februar oder so. Davor war es meiner Meinung nach James Wade bei der EM im Oktober. Nein, auf den Mann ist im Moment kein Maß.“
Genau deshalb blickt Van der Voort mit großem Interesse auf die kommenden Monate. „Für alle ist es eine schöne Herausforderung, zu schauen, ob sie an ihn herankommen oder ihn schlagen können.“
In derselben Podcast-Folge ging es auch um den Unterschied in der Vorbereitung zwischen den aktuellen Spielern und der Generation von Van der Voort. So zog Gian van Veen in New York ausgiebig durch die Stadt, während Van der Voort dafür in seiner Karriere meist wenig Zeit aufwendete. „Ich ging ins Hotel, dann zum Austragungsort und wenn ich ausgeschieden war, zurück ins Hotel und anschließend zum Flugzeug.“
Dennoch bewahrt er schöne Erinnerungen an seine ersten Besuche in den Vereinigten Staaten. Besonders sein erstes Mal in Las Vegas hinterließ Eindruck. „Das erste Mal in Las Vegas ist einfach schön. Da schaust du dir doch allerlei Dinge an.“
Auch das riesige Casino des Mohegan Sun in Connecticut ist ihm noch lebhaft im Gedächtnis. „Das fand ich so beeindruckend. Nur diese Geräusche von Spielautomaten und Pokertischen. Du dachtest echt: Wow, was geht hier alles ab?“
Van der Voort griff anschließend auch eine bekannte Anekdote über Ex-Weltmeister Adrian Lewis, besser bekannt als ‚Jackpot‘, auf. Seiner Aussage nach entstand dieser Spitzname, nachdem Lewis im Alter von zwanzig Jahren in Las Vegas einen riesigen Jackpot gewann, das Preisgeld aber nicht ausgezahlt bekam, weil er noch keine 21 war.
„Ich denke, er war neunzehn oder zwanzig. Er gewinnt den Jackpot, meiner Meinung nach etwa 75.000 Dollar. Dann kommt er zu diesem Automaten und sie sagen einfach: Du bekommst es nicht.“
Van der Voort musste Jahre später noch immer darüber lachen. „Das ist natürlich großartig. Wenn du zwanzig bist, fast 100.000 Dollar gewinnst und sie dir das Geld einfach nicht geben.“
Er selbst hatte wenig mit Glücksspiel am Hut, auch wenn Lewis ihn bei gemeinsamen Trips nach Las Vegas regelmäßig dazu überreden wollte. „Er wollte, dass ich mich hinsetze, aber ich halte davon gar nichts. Zehn Minuten später sagte ich schon wieder: Auf Wiedersehen.“
Oliver Ried ist seit Ende 2024 Redakteur bei Dartsnews.de. Er berichtet dort über den professionellen Dartsport und erstellt regelmäßig Liveblogs zu den wichtigsten Turnieren und Ereignissen, darunter die PDC World Darts Championship, die Premier League Darts und das World Matchplay. Ergänzend veröffentlicht er Berichte, Einordnungen und Hintergrundtexte zum Geschehen auf der PDC-Tour. Seit Anfang 2025 schreibt er zudem für Radsportaktuell.de über den professionellen Radsport.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er selbst aktiver Dartspieler und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.