„Er war untröstlich“ – Vincent van der Voort erlebte van Gerwens Aus bei den World Series Finals aus nächster Nähe
PDC
Michael van Gerwen hat bei den World Series of Darts Finals in Amsterdam eine besonders bittere Niederlage kassiert. Der Niederländer schien gegen Daryl Gurney auf dem Weg in die zweite Runde, ließ in der entscheidenden Phase jedoch mehrere Chancen liegen und verlor am Ende mit 5:6. Vincent van der Voort sah trotz des Ausscheidens genügend positive Ansätze bei seinem guten Freund.
In der Podcast-Sendung Darts Draait Door analysierten van der Voort und Damian Vlottes ausführlich, was schiefgelaufen war. Im Mittelpunkt standen vor allem die verpassten Chancen von van Gerwen, der das Match an mehreren Stellen hätte an sich reißen können.
Van der Voort erkennt Nervosität bei Van Gerwen
Gurney erwischte zunächst einen Traumstart. „Er fing großartig an, oder? Die ersten drei Legs“, konstatierte van der Voort. Der Nordire eröffnete unter anderem mit einer 180 und einer 140 und checkte 141 Punkte. Wenig später folgte sogar ein 170er-Finish.

Van Gerwen kämpfte sich noch einmal in das Match zurück: Am Ende blieb seine Aufholjagd erfolglos.
Dennoch schaffte es van Gerwen, die Partie zu wenden. „Er drehte es schön um und dann vergisst er, sich zu belohnen“, so van der Voort. „Da siehst du: Das ist doch eine Vertrauensfrage. Das hat damit zu tun, dass er im Moment nicht so richtig drin ist. Nur kannst du natürlich trotzdem mit sechs Darts 40 ausmachen.“
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Van Gerwen kam im Verlauf des Matches immer besser ins Spiel. Er gewann fünf Legs in Folge, die Scores stiegen, und auch seine Körpersprache gefiel van der Voort. „Er hat wirklich gut geworfen. Er stand gut am Board und der Kopf war mental stark. Da denkst du: Jetzt hast du ihn.“
Gerade deshalb traf die Niederlage hart. Van Gerwen bekam beim Stand von 6:4 eine große Möglichkeit, das Match zuzumachen. Gurney lag deutlich zurück auf 171 und MvG wählte eine Route, bei der er 131 spielte und Tops stehen ließ.
Normalerweise präferiert der Niederländer die Doppel-16. Van der Voort vermutete, dass die Anspannung dabei eine Rolle spielte. „Dann denke ich, dass er vielleicht ein bisschen Angst vor der Triple-19 hatte. Aber das wissen wir natürlich nie.“
Zugleich ordnet er ein: „Man muss sehen: Er steckt jetzt anders drin als damals. Da ist im Moment einfach sehr viel Druck drauf. Er arbeitet daran, das zu drehen, und er tut gerade wirklich alles dafür. Nur willst du dann sofort Ergebnisse sehen. Das klappt dann nicht.“
"Mighty Mike" erklärte van der Voort zudem, dass seine Entscheidung, Tops stehen zu lassen, bewusst war. „Er sagte zu mir auch: ‚Tops lief das ganze Match prima.‘ Was auch stimmt. Dann denkst du: Die habe ich noch nicht verfehlt, also ist es vielleicht auch eine gute Wahl.“
Nervenschwäche im Decider?
Insgesamt sechsmal bekam der Niederländer die Möglichkeit, das Match zu beenden. Aber weder die 40 Punkte (Out, Single 20, Out) noch die daraus resultierenden 20 Punkte konnten gecheckt werden. Vor allem der letzte Matchdart auf der Doppel-5 traf überraschend mittig im Single-Segment ein. Gurney nutzte die Einladung und manövrierte sich bei 56 Punkten Rest mit dem letzten Dart in der Doppel-9 ins entscheidende Leg.
Im Decider hatte dann der Nordire Anwurf. Obwohl Gurney mit dem Ex-Spitznamen "Superchin" kein Triple in seiner ersten Aufnahme warf, schaffte es sein Kontrahent nicht, dem etwas entgegenzusetzen. Nur in einer Aufnahme des Legs gelang es MvG, zwei Triple-Segmente zu treffen. Kurioserweise kam dazu noch ein Rechenfehler: Bei 262 Punkten, irritierte van Gerwen mit einem Wurf von 93 Punkten. Eine Aufnahme, die ihm mit 169 eine sogenannte Bogey-Zahl Rest ließ. Ein Finish, wofür man mehr als drei Darts benötigt, um es auf Doppel zu beenden. Diese drei Darts fehlten ihm am Ende: Gurney verpasste zwar einen Matchdart, kam danach aber noch einmal dran und sorgte mit seinem vierten Matchdart für die Entscheidung.

Van Gerwen unterlag bei den World Series Finals zum ersten Mal in Runde 1.
Insgesamt spielte van Gerwen im Decider einen Average von 86,40 Punkten. Es passt zu seinen Leistungen in diesem Jahr: Van Gerwen, der einst der beste Decider-Spieler der Welt war, unterlag in diesem Jahr in 23 Entscheidungslegs bisher 13 Mal. Alleine in den letzten drei Decidern, die er spielte, lag sein Average im Durchschnitt bei 80,71 Punkten.
Van der Voort versteht van Gerwens Frust
Dass van Gerwen nach dem Match kaum ansprechbar war, überraschte van der Voort nicht. Er sprach kurz nach der Partie mit dem Geschlagenen. „Natürlich ist er darüber völlig todunglücklich. Er war untröstlich. Darüber musst du auch todunglücklich sein. Wenn nicht, ist das nicht gut. Er versucht, es zu drehen, und ich habe wirklich volles Vertrauen, dass es gelingt. Nur geht es nie schnell genug. Das ist das Elend.“
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Der Ex-Profi sieht aus nächster Nähe, wie viel Arbeit die aktuelle Nummer 7 der Welt derzeit investiert, um sein Niveau wieder zu steigern. Einen Tag vor dem Match standen die beiden noch gemeinsam am Board. Dabei wurden erneut einige Details im Wurf betrachtet.
„Wir haben gestern bei uns im Dartladen kurz mit ihm trainiert und wieder ein paar kleine Anpassungen an seinem Wurf versucht. Da flog es schön und stand gut im Board. Es stand wirklich gut. Das habe ich in diesem Match auch phasenweise gesehen.“
Van der Voort weiß, dass man Ähnliches rund um van Gerwen bereits häufiger gehört hat. Dennoch ist er überzeugt, dass der dreifache Weltmeister seine Form wiederfindet. „Ich verstehe, dass viele Leute wieder denken werden: Das habe ich schon hundertmal gehört. Weiß ich alles. Aber das ist okay. Ich denke, er wird es drehen. Nur ist die Frage, wann.“
Dafür sah er gegen Gurney genügend Hinweise. Van Gerwen brachte seinen Average im Match wieder in Richtung 100 und zeigte nach der starken Anfangsphase seines Gegners, dass er weiterhin das Niveau hat, um Partien gegen Topspieler zu kontrollieren.
„Das bedeutet, dass es einfach drin ist. Dass es wieder nach oben geht“, so van der Voort. „Und dann willst du dich belohnen. Dann willst du in der nächsten Runde versuchen, noch ein bisschen besser zu sein und früher ins Match zu kommen. Es ist einfach pures Arbeiten am Niveau.“
Für van Gerwen geht es in Amsterdam nicht weiter. Genau das machte die Niederlage laut van der Voort besonders bitter. Ein Sieg hätte ihm erneut ein Match gegeben, um weiter an Form und Vertrauen zu arbeiten. „Wenn Michael um die 100 im Average wirft, macht er es jedem schwer und schlägt fast jeden.“
Jetzt bleibt nur, die Enttäuschung zu verarbeiten und weiterzuarbeiten. „Das auf die Kinnlade nehmen, zu Hause weiter trainieren und aufbauen. Und versuchen, es irgendwo zu drehen.“

Julian GrilleRedakteur
Julian Grille ist Redakteur bei Dartsnews.de und beschäftigt sich seit 2019 intensiv mit dem professionellen Dartsport. Für Dartsnews.de berichtet er über aktuelle Entwicklungen, Turniere und weitere Ereignisse aus der Welt der PDC und des internationalen Dartsports.
Erste journalistische Erfahrung im Darts sammelte Julian bereits 2023 bei einem Darts-Magazin. Darüber hinaus produziert er regelmäßig eigene Inhalte rund um den Sport und veröffentlicht diese unter dem Namen @Darty_8 auf Social Media. Dadurch verfolgt er das Geschehen im professionellen Darts nicht nur redaktionell, sondern setzt sich auch abseits seiner Arbeit kontinuierlich mit dem Sport auseinander.
Parallel zu seiner redaktionellen Tätigkeit studiert Julian Sportjournalismus in Potsdam. Dabei verbindet er seine journalistische Ausbildung mit seiner langjährigen Begeisterung und seinem Fachwissen für den Dartsport.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026











