„Es fühlt sich wie eine Wiedergutmachung an“ – Luke Humphries spricht nach historischem Triumph beim US Darts Masters über mentale Befreiung

PDC
durch Nic Gayer
Samstag, 27 Juni 2026 um 10:00
Luke Humphries (2)
Luke Humphries hat beim US Darts Masters Geschichte geschrieben. Der Engländer verteidigte als erster Spieler überhaupt erfolgreich seinen Titel und setzte sich in einem hochklassigen Finale im ausverkauften Madison Square Garden mit 8:7 gegen seinen großen Rivalen Luke Littler durch.
Mit seinem dritten Titel auf der World Series of Darts verschaffte sich der Weltranglistenzweite zugleich einen wichtigen mentalen Schub für das bevorstehende World Matchplay. Vor mehr als 5.000 Zuschauern – einem neuen Besucherrekord für ein Darts-Event in den Vereinigten Staaten – lieferten sich die beiden besten Spieler der Welt erneut ein Duell auf höchstem Niveau.

Humphries spricht von wichtiger mentaler Befreiung

Lange Zeit schien Humphries einem souveränen Sieg entgegenzusteuern. Er zog auf 4:1 davon und vergab anschließend zwei Darts auf eine mögliche 5:1-Führung. Genau dieser Moment brachte das Finale noch einmal völlig ins Wanken.
Luke Humphries posiert mit dem Pokal.
Luke Humphries verteidigte beim US Darts Masters als erster Spieler überhaupt erfolgreich seinen Titel und blickt mit neuem Selbstvertrauen auf das World Matchplay.
Littler nutzte die Gelegenheit, gewann vier Legs in Serie und drehte die Partie. Doch im entscheidenden Moment bewies Humphries einmal mehr seine Klasse. Mit einem brillanten 11-Darter im Entscheidungsleg sicherte er sich doch noch den Titel.
„Großartig? Nein, mehr als großartig. Es ist unglaublich“, sagte Humphries nach dem Finale.
„Das ist ein Turnier, das ich irgendwann einfach einmal gewinnen wollte. An so einem ikonischen Ort zu spielen, ist schon besonders, aber es dann zwei Jahre in Folge zu gewinnen, ist wirklich fantastisch.“
Der Titel bedeutet dem Engländer besonders viel, nachdem er in dieser Saison bereits ein großes Endspiel im Entscheidungsleg gegen Littler verloren hatte.
„Es fühlt sich ein bisschen wie eine Wiedergutmachung an, nachdem es mir nicht gelungen ist, die Premier League zweimal hintereinander zu gewinnen“, erklärte Humphries.
„Das war eigentlich mein großer Traum, genauso wie einen WM-Titel oder das World Matchplay hintereinander zu gewinnen. Das hat nicht geklappt, aber das hier kommt dem für mich am nächsten.“
Trotz der Freude richtet Humphries den Blick bereits auf die großen Ranglistenturniere. „Es fehlt natürlich weiter ein Ranking-Major. Ich habe das Gefühl, dass ich dafür wieder bereit bin. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung und hoffentlich kann ich später in diesem Jahr wieder Rankingtitel gewinnen.“

Zweifel während des Finals

Dass die Partie zwischenzeitlich zu kippen drohte, hatte Humphries auf der Bühne selbst gespürt.
„Bei 5:1, mit anschließend eigenem Anwurf nach der Pause, hatte ich das Gefühl, dass seine Moral vielleicht gebrochen wäre. Aber bei 4:2 bleibt Hoffnung.“
Als anschließend weitere Doppel knapp ihr Ziel verfehlten, kamen die Zweifel zurück.
„Die Doppel-8 zum 5:4 lag sprichwörtlich am Draht. Da fängst du an zu denken: Wird das wieder so ein Match, in dem das Glück nicht auf meiner Seite ist?“
Auch über das gesamte Wochenende hinweg hatte ihn dieses Gefühl begleitet.
„So viele Darts landeten genau in der Ecke der Triple-3. Da denkst du irgendwann, dass es vielleicht einfach nicht dein Wochenende ist. Am Ende zeigte sich zum Glück doch das Gegenteil.“

Endlich wieder ein Entscheidungsleg gegen Littler gewonnen

Mindestens genauso wichtig wie der Titel war für Humphries die Tatsache, endlich wieder ein Entscheidungsleg gegen Luke Littler für sich entschieden zu haben.
„Das war für mich persönlich sogar noch wichtiger.“
„Ich verlor die Masters in einem Entscheidungsleg, die Premier League in einem Entscheidungsleg und auch in Kopenhagen ging es schief. Dann denkst du zwangsläufig, dass du so ein Match vielleicht einfach nicht über die Ziellinie bekommst.“
Mit dem Erfolg beim US Darts Masters sei dieses Kapitel nun abgeschlossen.
„Vielleicht brauchte ich genau so einen Sieg, um wieder zu glauben, dass es nichts ist, was immer gegen mich läuft. Ich habe in diesen früheren Entscheidungslegs überhaupt nicht schlecht gespielt, aber es fiel jedes Mal knapp auf die falsche Seite.“
Dass Littler erneut auf höchstem Niveau gespielt habe, mache den Erfolg umso wertvoller.
„Er beweist jedes Mal wieder, wie gut er ist. Deshalb bin ich auch stolz, dass ich auf seine 180 sofort antworten und das Match schnell zumachen konnte.“

Humphries genießt die Rivalität mit Littler

Mit dem nächsten Endspiel zwischen Humphries und Littler erhielt eine der größten Rivalitäten im modernen Darts ein weiteres Kapitel. Für Humphries lebt dieser Konkurrenzkampf vor allem davon, dass beide Spieler regelmäßig gegeneinander gewinnen.
„Hätte ich dieses Finale verloren, wäre es wieder ein verlorenes Entscheidungsleg gegen Luke gewesen. Dann machst du dir darüber zwangsläufig Gedanken.“
„Jetzt nehme ich dieses Gefühl weg. Beim nächsten Mal, wenn wir uns in einem Finale begegnen, gehe ich mit mehr Vertrauen auf die Bühne.“
Gerade diese Ausgeglichenheit sei ein Gewinn für den Dartsport.
„Eine Rivalität ist erst dann wirklich reizvoll, wenn nicht immer derselbe Spieler gewinnt. Ich habe ihn jetzt wieder ein paar Mal geschlagen und er hat mich auch oft genug bezwungen. Das ist gut für den Sport.“

Humphries sieht großes Potenzial für Darts in den USA

Neben seinem Titel zeigte sich Humphries auch von der Atmosphäre im Madison Square Garden beeindruckt. Mehr als 5.000 Zuschauer sorgten beim US Darts Masters für einen neuen Besucherrekord bei einem Darts-Event in den Vereinigten Staaten.
„Es waren natürlich viele englische Unterstützer wegen der Fußball-WM da, aber wenn man diese Arena so mühelos ausverkauft, sagt das alles darüber, wo unser Sport inzwischen steht.“
Nach Ansicht des Engländers hätte die Nachfrage sogar noch deutlich größer sein können.
„Ich habe wieder unglaublich viele Nachrichten auf Instagram bekommen von Leuten, die noch Karten suchten. Leider kann man nicht jedem helfen.“
Deshalb hält Humphries größere Hallen in Zukunft durchaus für realistisch.
„Vielleicht ist es in Zukunft an der Zeit, in eine größere Arena umzuziehen. Natürlich müssten dafür viel mehr Tickets verkauft werden, aber es würde zeigen, wie groß Darts inzwischen geworden ist.“
Auch den neuen TV-Vertrag mit ESPN sieht der Weltranglistenzweite als große Chance für die Entwicklung des Sports in Nordamerika.
„Dies ist das Land, in dem wir Darts wirklich weiter wachsen lassen wollen. Softtip ist hier schon groß, Steeltip noch nicht wirklich. Mit ESPN können wir den Sport auf ein ganz neues Niveau heben. Hoffentlich haben in den vergangenen zwei Tagen viele Amerikaner zugeschaut und tun das auch für den Rest des Jahres.“

Humphries fühlt sich bereit für das World Matchplay

Nach einer wechselhaften ersten Saisonhälfte blickt Humphries optimistisch auf die kommenden Monate.
„Der Jahresbeginn war ziemlich wechselhaft. Es gab genug Leute, die dachten, dass ich im restlichen Saisonverlauf nicht mehr viel zeigen würde.“
Doch gerade schwierige Phasen hätten ihn in seiner Karriere immer wieder stärker gemacht.
„Das habe ich eigentlich immer getan. In schwierigen Momenten komme ich meist stärker zurück.“
Seit dem verlorenen Premier-League-Finale spüre er, dass seine Formkurve wieder nach oben zeige.
„Seit diesem Finale habe ich wieder eine gute Serie. Hoffentlich nehme ich diese Form nun mit in Richtung World Matchplay.“
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