Kim Huybrechts erlebte am Samstag bei den
Belgian Darts Open in Wieze einen Abend, den er so schnell nicht vergessen wird. Der erfahrene Belgier kämpfte sich nach einem hart erarbeiteten Sieg unter die letzten Sechzehn, musste dabei einen Rückstand drehen und bis an seine Grenzen gehen. Wer jedoch glaubte, Huybrechts sei nach all den Jahren immun gegen Nervosität, wurde eines Besseren belehrt.
Im Gegenteil: Die Emotionen waren deutlich spürbar – und genau das machte seine Leistung noch bemerkenswerter. Nach seinem 6:4-Erfolg gegen
Josh Rock in der zweiten Runde erklärte Huybrechts offen, wie ihm die Wende im Match gelang. „Wie ich das gemacht habe? Dank des belgischen Publikums“, sagte er mit breitem Grinsen im Bühnen-Interview. „Ihr solltet jetzt meinen Puls fühlen. Ich glaube, ich bekomme gleich einen Herzinfarkt.“
Heimspiel als Kraftquelle
Diese Worte beschreiben die Intensität des Moments treffend. Das Match verlangte ihm mental und körperlich alles ab. Gerade in den schwierigen Phasen fand er jedoch die Energie, um zurückzuschlagen – und die kam vor allem von den Rängen.
Kim Huybrechts trifft in der dritten Runde der Belgian Darts Open auf den Engländer Chris Dobey
Während Auftritte vor eigenem Publikum für manche Spieler zusätzlichen Druck bedeuten, zieht Huybrechts daraus sichtbar Stärke. In Wieze, wo ihn die Fans geschlossen unterstützen, läuft er zur Höchstform auf. „Wenn du so eine Unterstützung bekommst, ist es einfach fantastisch, hier zu spielen“, sagte er. „Das ist dein Heimatland, das sind deine Leute … und glaubt mir: Die sind verrückt. Aber genau das macht es so schön. Ich liebe das.“
Doch nicht nur das Publikum trägt ihn durch solche Abende. Huybrechts gehört seit Jahren zur erweiterten Spitze der Tour und weiß genau, wie er mit Drucksituationen umgehen muss. „Ich denke, es ist vor allem Erfahrung“, erklärte er. „Hier stehen viele gute Spieler auf der Bühne. Nimm jemanden wie François Schweyen – lokal wissen wir, wie gut er ist. Aber wenn du hier auf dieser Bühne stehst, kommt enorm viel Druck dazu.“
Nach eigenen Worten liegt genau hier der Unterschied zwischen Talent und Erfahrung. „Ich spiele jetzt seit etwa sechzehn Jahren auf der PDC Tour. Da lernst du, mit diesen Momenten umzugehen, auch wenn dein Herz immer noch rast.“
Nervenkitzel bleibt, trotz Routine
Bemerkenswert war sein offenes Eingeständnis, dass Nervosität selbst mit großer Erfahrung nie vollständig verschwindet. „Selbst jetzt spürte ich meinen Puls im ganzen Körper“, sagte er. „Es gibt Wörter, die ich hier nicht wiederholen werde, aber glaubt mir … es war spannend. Es fühlte sich an, als hätte ich einen Herzinfarkt.“
Diese Offenheit zeigt, dass Spitzensport auch für Routiniers nie zur Routine wird. Jedes Match bringt neue Erwartungen, neuen Druck und neue Herausforderungen mit sich.
Der Abend in Wieze unterstrich vor allem die besondere Verbindung zwischen Huybrechts und dem belgischen Publikum. Während andere Spieler unter der Erwartungshaltung leiden könnten, nutzt er die Energie der Fans gezielt als Antrieb. Die Zuschauer wirkten wie ein zusätzlicher Faktor im Match – einer, der ihm in entscheidenden Momenten genau den nötigen Impuls gab. Auch Huybrechts selbst machte deutlich, wie wichtig diese Unterstützung für ihn war. Ohne sie hätte die Partie einen anderen Verlauf nehmen können.
Blick auf den Finaltag
Mit seinem Einzug unter die letzten Sechzehn richtet Huybrechts den Fokus nun auf den Finaltag. Die Gegner werden stärker, der Druck steigt – doch dieser Sieg dürfte sein Selbstvertrauen weiter gestärkt haben.
Im Achtelfinale trifft Huybrechts am Sonntagnachmittag auf den an Nummer zehn gesetzten
Chris Dobey, der sich in der zweiten Runde mit 6:3 gegen Dave Chisnall durchsetzen konnte.