„Wir hätten die EU einfach nicht verlassen sollen“ – Chris Dobey kritisiert Reiseprobleme nach Sieg über Dave Chisnall

PDC
durch Nic Gayer
Sonntag, 22 März 2026 um 10:00
Chris Dobey (2)
Chris Dobey hat sich bei den Belgian Darts Open 2026 zwar für die nächste Runde qualifiziert, überzeugend verlief sein Auftritt jedoch nicht. Nach dem Match äußerte sich der Engländer auffallend kritisch – sowohl zu seiner eigenen Leistung als auch zu den Rahmenbedingungen rund um das Turnier. „Hollywood“ erklärte, dass seine Vorbereitung alles andere als optimal gewesen sei.
Was zunächst wie eine nüchterne Analyse nach seinem 6:3-Erfolg gegen Dave Chisnall in der zweiten Runde begann, entwickelte sich schnell zu einer grundsätzlichen Kritik an den Herausforderungen des modernen Touralltags im Dartsport.

„Nicht die beste Version von uns beiden“

Dobey wusste genau, dass er gegen einen erfahrenen und gefährlichen Gegner antreten musste – auch wenn Chisnall aktuell nicht seine absolute Topform zeigt. „Es ist immer gut, Dave zu schlagen“, sagte Dobey gegenüber Tungsten Tales. „Er ist ein fantastischer Spieler. Und bei unseren letzten Duellen hat er es mir wirklich schwer gemacht.“
Chris Dobey trifft im Achtelfinale auf Lokalmatador Kim Huybrechts
Chris Dobey trifft im Achtelfinale auf Lokalmatador Kim Huybrechts
Gleichzeitig bewertete er das Niveau der Partie realistisch. „Das war nicht die beste Version von ‚Chizzy‘ und ganz sicher auch nicht von mir. Aber ein Sieg gegen Dave Chisnall ist und bleibt ein großer Sieg.“

European Tour: Frust abseits der Bühne

Im weiteren Verlauf des Interviews rückte schnell ein anderes Thema in den Mittelpunkt: die Reiseprobleme vieler britischer Spieler auf der European Tour. Wie zuvor bereits Nathan Aspinall und Jonny Clayton machte auch Dobey deutlich, wie sehr ihn die Situation belastet. „Man möchte hierherkommen und sich gut vorbereiten“, erklärte er. „Aber unter diesen Umständen ist das schwer.“
Als Hauptursache sieht Dobey die Folgen des Brexits. „Wir hätten die EU einfach nicht verlassen sollen, das ist das größte Problem“, sagte er offen. „Für die meisten britischen Spieler ist es einfach unangenehm.“

Stundenlanges Warten am Flughafen

Dobey schilderte konkret, welche Schwierigkeiten die Spieler aktuell erleben. „Wir mussten mehr als zweieinhalb Stunden warten, bis unsere Pässe kontrolliert waren. Und vor ein paar Wochen in Polen war es exakt dasselbe.“
Diese Verzögerungen beeinträchtigen nicht nur die unmittelbare Vorbereitung, sondern auch den gesamten Turnierablauf. „Gestern sind wir gegen halb zwei gelandet“, berichtete er. „Und wir kamen erst nach 17:00 Uhr aus dem Flughafen. Damit ist der Tag im Grunde gelaufen.“
Gerade das, was für viele Spieler eigentlich den Reiz der European Tour ausmacht – neue Städte erleben und Turnierreisen genießen – fällt dadurch häufig weg. „Normalerweise genießt man das“, sagte Dobey. „Man reist, man sieht etwas von der Stadt. Aber jetzt … gestern gab es Essen und sofort ins Bett. Wir konnten gar nichts machen.“

Zweifel an künftiger Teilnahme

Unter diesen Umständen stellt sich für Dobey zwangsläufig die Frage nach seiner weiteren Saisonplanung. „Es könnte sein“, erklärte er mit Blick auf mögliche Turnierabsagen. „Aber die Saison ist noch jung, also will man so viel wie möglich spielen.“
Gleichzeitig äußerte er Zweifel mit Blick auf ein anstehendes Turnier in München über das Osterwochenende. „Wenn es dort genauso ist, muss ich wirklich überlegen, ob ich fahre. Aber eigentlich will man sie alle spielen.“
Trotz aller Kritik unterstrich Dobey die sportliche Bedeutung der European Tour für seine Karriere. „Hier gibt es viel Preisgeld für die Rangliste“, sagte er. „Diese Turniere willst du nicht verpassen. Es ist wichtig, hier weit zu kommen.“
Dieses Spannungsfeld zwischen sportlichen Ambitionen und organisatorischen Schwierigkeiten beschreibt seine Situation treffend. Dobey hofft deshalb auf Verbesserungen in Zukunft. „Hoffentlich ändert sich etwas, damit wir diese Turniere wieder richtig genießen können.“

European Tour bleibt eine Herausforderung

Auffällig bleibt außerdem, dass die European Tour traditionell nicht zu Dobeys erfolgreichsten Jagdgründen zählt. Trotz großer Erfolge bei TV-Turnieren – darunter sein Triumph beim PDC Masters sowie starke Leistungen bei der PDC Darts WM – wartet er auf den großen Durchbruch auf europäischer Bühne. „Früher musste ich mich immer für diese Turniere qualifizieren“, erklärte er. „Das ist nicht einfach, du spielst sofort schwere Partien.“
Inzwischen gehört Dobey zu den gesetzten Spielern und startet dadurch unter besseren Voraussetzungen. „Ich will einfach dort bleiben, wo ich jetzt stehe. Und je öfter du die späten Runden erreichst, desto näher kommst du an einen Titel.“
In der nächsten Runde trifft Dobey auf Kim Huybrechts, der sich mit Unterstützung des Heimpublikums ins Achtelfinale spielte. Dobey blickt dieser Aufgabe entschlossen entgegen. „Ich bin auf jeden Fall bereit“, sagte er. „Kim ist ein fantastischer Spieler und hat natürlich die Fans hinter sich.“
Der Engländer weiß, dass ein Duell mit einem Lokalmatador zusätzliche Intensität mit sich bringt. „Das gibt ihnen genau den kleinen Extra-Schub, aber mich motiviert das erst recht.“
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