Michael van Gerwen hat bei den
Belgian Darts Open in Wieze erneut seine große Stärke demonstriert: seine Comeback-Qualitäten. In einer Partie mit minimalen Margen und hohem Druck setzte der dreifache Weltmeister im entscheidenden Moment die richtigen Akzente. Mit Erfahrung und mentaler Stärke drehte er das Match zu seinen Gunsten und unterstrich einmal mehr seine Klasse.
Nach seinem 6:4-Erfolg gegen
Mickey Mansell in der zweiten Runde sprach van Gerwen offen über den Schlüsselmoment der Partie. In einer kritischen Phase wehrte er eine mögliche Breakchance ab – eine Szene, die sich im Nachhinein als entscheidend erwies.
Entscheidender Wendepunkt
„Genau das habe ich gebraucht“, erklärte van Gerwen rückblickend im Bühnen-Interview. „Wenn ich da mein Leg verloren hätte, hätte Mickey die Chance gehabt, es im Decider zuzumachen.“
Michael van Gerwen trifft in der dritten Runde der Belgian Darts Open auf Daryl Gurney
Diese Aussage verdeutlicht die extrem kleinen Margen auf diesem Niveau. Ein schwacher Moment kann ein Spiel sofort kippen lassen. Trotzdem blieb van Gerwen unter Druck bemerkenswert ruhig. „Aber andererseits: Es ändert nicht alles“, relativierte er. „Ich habe solche Situationen schon dutzende, vielleicht sogar hunderte Male erlebt. Ich weiß, was in solchen Momenten zu tun ist.“
Diese Routine zahlte sich erneut aus. Während weniger erfahrene Spieler in solchen Situationen häufig nachlassen, blieb van Gerwen konsequent bei seinem Spiel und traf in den entscheidenden Momenten die richtigen Entscheidungen.
Wechselhaft, aber wirkungsvoll
Trotz des Sieges zeigte sich van Gerwen mit seiner Leistung nicht vollständig zufrieden. Der Niederländer machte deutlich, dass ihm noch die notwendige Konstanz fehlt. „Phasenweise habe ich gut gespielt“, analysierte er. „Manchmal sogar sehr gut. Aber es muss konstanter werden. Daran muss ich arbeiten.“
Diese Selbstkritik passt zu einem Spieler, der trotz seiner beeindruckenden Titelsammlung weiterhin nach Verbesserungen sucht. Van Gerwen weiß, dass er für einen möglichen Turniersieg ein stabileres Niveau erreichen muss. „Wenn ich diese Konstanz finde, weiß ich, dass ich bei diesem Turnier großen Schaden anrichten kann“, sagte er entschlossen.
Neben seinem eigenen Spiel hob van Gerwen auch die Rolle des Publikums in Wieze hervor. In Belgien fühlt er sich sichtbar wohl. „Mit diesem Publikum im Rücken ist es fantastisch“, erklärte er. „Die Unterstützung ist großartig, das hilft wirklich.“
Familie nah: zusätzliche Motivation
Ein besonderer Moment abseits der Bühne war die Anwesenheit seiner Tochter, die ihn in Wieze unterstützte. Für van Gerwen, der wegen des dichten Turnierkalenders häufig unterwegs ist, hat das große Bedeutung. „Gestern Nachmittag sagte sie zu mir: ‚Papa, ich will auch mit zum Darts‘“, berichtete er. „Also haben wir das möglich gemacht.“
Die gemeinsame Zeit verlieh dem Abend zusätzliche Bedeutung. „Es ist immer schön, sie dabeizuhaben. Sie ist mein kleines Mädchen, das macht es besonders.“
Trotz dieses emotionalen Moments blieb van Gerwen klar auf seine sportliche Aufgabe fokussiert. „Es ist großartig, aber am Ende muss ich dafür sorgen, dass ich bei diesem Turnier gut spiele.“
Gleichzeitig ist ihm bewusst, wie anspruchsvoll der weitere Turnierverlauf wird. Das Teilnehmerfeld der
Belgian Darts Open ist stark besetzt. „Es ist ein schwieriges Turnier“, sagte er. „Es sind noch viele gute Spieler dabei. Es ist noch ein langer Weg.“
Blick auf morgen
Nach dem Erfolg richtet van Gerwen den Fokus bereits auf die nächste Runde. Die Grundlage ist gelegt, doch er weiß, dass sein Niveau weiter steigen muss, um ernsthaft um den Titel mitzuspielen. Seine Botschaft ist eindeutig: Die Form ist vorhanden, die Konstanz muss folgen. Gelingt ihm das, gehört er erneut zu den Topfavoriten.
Im Achtelfinale trifft van Gerwen am Sonntagnachmittag auf
Daryl Gurney, der sich in der zweiten Runde mit 6:3 gegen Damon Heta durchsetzen konnte.