Auf der Suche nach besseren Ergebnissen hat
Daryl Gurney eine auffällige Veränderung vorgenommen. Seit einigen Wochen steht der Nordire wieder mit Brille am Oche – ganze 21 Jahre, nachdem er zuletzt mit Sehhilfe gespielt hatte. Damals fand dieses Kapitel auf kuriose Weise ein abruptes Ende: Gurneys Brille wurde während eines Turniers gestohlen.
„Superchin“ erlebt bislang eine schwierige Saison. Der 40-Jährige verpasste erstmals seit 2015 das
World Matchplay und konnte sich auch nicht für den
World Grand Prix qualifizieren. Auf der ProTour blieben größere Erfolgserlebnisse ebenfalls weitgehend aus. So wartet der zweifache Major-Sieger mittlerweile seit zwei Jahren auf den Einzug in ein Halbfinale bei einem Players-Championship-Turnier.
Gestohlene Brille beendet Gurneys erstes Experiment
Bei dem Versuch, sein Niveau wieder anzuheben, besann sich Gurney auf etwas zurück, das er bereits als Teenager ausprobiert hatte. Sein rechtes Auge war schon immer kurzsichtig – und da der Nordire Rechtshänder ist, handelt es sich gleichzeitig um sein dominantes Auge. „Ich war immer kurzsichtig“, erzählt Gurney im Gespräch mit
Winmau. „Als ich neunzehn war, spielte ich mit Brille. Das habe ich wahrscheinlich ungefähr ein Jahr gemacht.“
Daryl Gurney steht nach 21 Jahren wieder mit Brille am Oche. Der Nordire hofft, mit der Sehhilfe zurück zu besseren Ergebnissen zu finden.
Dann nahm die Geschichte bei einem Turnier eine unerwartete Wendung. „Ich wurde in der späten Phase ausgeschaltet, ich glaube im Halbfinale. Ich legte meine Brille hin, ging auf die Toilette und als ich zurückkam, war sie weg. Sie war gestohlen worden.“
Heute kann Gurney darüber lachen, dass es anschließend mehr als zwei Jahrzehnte dauerte, ehe er sich wieder mit Brille an das Oche stellte. „Sagen wir mal, ich bin langsam, denn es hat 21 Jahre gedauert, bis ich sie wieder aufgesetzt habe.“
„Die Triples sind jetzt glasklar“
Der Unterschied ist für „Superchin“ nach eigener Aussage deutlich spürbar. Während er zuvor Schwierigkeiten hatte, bestimmte Bereiche des Boards scharf zu erkennen, kann er diese mit der Brille nun problemlos sehen.
„Ich kann das Board sehen, nur es zu treffen ist jetzt das Problem“, scherzt Gurney. „Ich war immer kurzsichtig auf dem rechten Auge. Da ich Rechtshänder bin, ist das mein dominantes Auge. Die Triples sind jetzt glasklar. Ich kann sie wirklich sehen. Es sind nicht mehr nur krakelige Linien. Jetzt muss ich nur noch trainieren, um das zu treffen, was nicht mehr krakelig ist.“
Erst seit rund drei Wochen trainiert Gurney wieder mit Brille. Entsprechend befindet er sich noch mitten in der Eingewöhnungsphase. Seine ersten Eindrücke fallen allerdings positiv aus. „Ich habe das Gefühl, dass es mich besser gemacht hat. Ich trainiere jetzt erst seit etwa drei Wochen damit.“
Den ersten ernsthaften Test absolvierte der Nordire beim Qualifikationsturnier für die
World Series of Darts Finals. „Ich kam dort an, gab dem eine gute Chance und gewann ein paar Matches. Das fühlte sich gut an. Du stellst den Fuß an das Oche und merkst, dass etwas nicht stimmt. Dann wird dir klar, dass es an meiner Brille liegt, und du setzt sie wieder auf.“
Ob die Sehhilfe dauerhaft zu Gurneys Ausrüstung gehören wird, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen. Für den Fall, dass das Experiment nicht den erhofften Effekt bringt, hat „Superchin“ allerdings bereits eine denkbar einfache Lösung parat. „Hoffentlich ist es eine Verbesserung. Wenn nicht, wandert sie in den Mülleimer.“
Unerwartete Chance auf großer Bühne in Amsterdam
Bereits in dieser Woche bekommt Gurney die Gelegenheit, seine Umstellung auf einer großen Bühne weiter auf die Probe zu stellen. Gemeinsam mit Maik Kuivenhoven erhielt der Nordire
kurzfristig eine Einladung für die World Series of Darts Finals in Amsterdam. Möglich wurde das, nachdem die beiden Filipinos Lourence Ilagan und Alexis Toylo aufgrund von Visaproblemen ihre Teilnahme absagen mussten.
Auf Gurney wartet dabei direkt ein hochkarätiges Duell. In der ersten Runde trifft er auf Titelverteidiger
Michael van Gerwen. Der frühere Sieger des World Grand Prix und der Players Championship Finals musste nicht lange überlegen, als ihn die kurzfristige Einladung erreichte.
„Natürlich habe ich Ja gesagt. Es ist eine Chance, wieder im Fernsehen zu spielen, erst recht auf so einer großen Bühne. Ich freue mich darauf und bin der PDC dankbar für die Einladung. Jedes Match, das ich in letzter Zeit mit Brille spiele, ist wieder eine neue Erfahrung.“
Garantieren möchte Gurney allerdings noch nicht, dass er während des gesamten Turniers tatsächlich mit Brille am Oche stehen wird. Sollte er sich damit nicht wohlfühlen, könnte er im Laufe des Wochenendes durchaus wieder darauf verzichten. „Werde ich sie nächste Woche tragen? Ich weiß es nicht. Neun von zehn Mal wahrscheinlich schon. Wenn es nicht gut läuft, habe ich das Gefühl, dass mein Sehvermögen eigentlich gar nicht so schlecht ist. Am Oche geht es, aber wenn ich einen Schritt zurück mache, wird alles verschwommen.“
Vor dem Duell mit van Gerwen verspürt Gurney ohnehin kaum Druck. Seine unerwartete Teilnahme in Amsterdam betrachtet er vor allem als zusätzliche Chance, die er unbedingt nutzen möchte. „Es ist eine freie Chance und ich freue mich darauf. Zu allem, was im Fernsehen ist, sage ich Ja. Ich spiele gegen einen der besten Dartspieler, die je gelebt haben, und ich spiele gerne gegen Michael.“