„Es wird immer besonderer“ – Niels Zonneveld bleibt der einzige Spieler, der Luke Littler 2026 bei einem Ranglistenturnier besiegt hat

PDC
Freitag, 14 August 2026 um 17:00
Niels Zonneveld (2)
Anschließend bestrafte Bunting die Fehlwürfe eiskalt mit einem 118-Checkout. „Und dann kriegst du diese 118 auch noch um die Ohren. Die war schon ziemlich hart.“
Dass Niels Zonneveld bislang der einzige Spieler ist, der Luke Littler in diesem Jahr bei einem Rankingturnier bezwingen konnte, wird mit jedem weiteren Erfolg des amtierenden Weltmeisters bemerkenswerter. Schließlich setzt Littler seine beeindruckende Siegesserie nahezu ungebremst fort.
„Natürlich wird es im Moment immer außergewöhnlicher“, räumt Zonneveld ein. „Er gewinnt einfach immer weiter. Dass ich dann in diesem Jahr der Einzige bin, ist schon schön. Aber letztlich habe ich davon natürlich auch nicht besonders viel, abgesehen von diesem einen Sieg. Diese ganze Statistik bedeutet mir ansonsten nicht so viel.“
Entsprechend macht der Niederländer auch kein großes Aufheben um diese besondere Bilanz. „Eigentlich ist mir das nicht so wichtig. Ich finde es natürlich cool, dass ich gegen ihn gewonnen habe. Aber gegen das, was er momentan zeigt, hätte ich wohl auch nichts ausrichten können. Wenn man sieht, wie er beim World Matchplay gespielt hat … Gegen so etwas kann man meiner Meinung nach fast nicht gewinnen.“

Der Weg ins Viertelfinale war frei

Die Niederlage war umso bitterer, weil Zonneveld wusste, wer in der nächsten Runde warten würde. Josh Rock hatte zuvor sein Auftaktmatch gewonnen, und Zonneveld sah Chancen gegen den Nordiren.
„Für uns war natürlich klar, dass du in der zweiten Runde Josh Rock bekommst, weil der vor mir gespielt hat. Unabhängig davon, wer das Match gewinnt, dachte ich: Da liegen einfach Möglichkeiten. Natürlich musst du gut sein, aber das musst du bei jedem beim Matchplay.“
Deshalb überwiegt vor allem das Gefühl, eine riesige Gelegenheit liegengelassen zu haben. „Ich bin vor allem sehr enttäuscht, denn ich hatte Bunting einfach. Ich hatte ihn einfach. Das Comeback war da und du musst nur Tops ausmachen. Das mache ich nicht. So gibst du dir selbst einfach massiv zu wenig.“
Selbst die Tatsache, dass Zonneveld während der Partie zwei Zehn-Darter spielte, spendete im Anschluss kaum Trost. „In dem Moment ist mir das völlig egal. Jetzt denke ich: Ja, ist ganz nett, dass du das mal gemacht hast. Aber ich hätte lieber einfach das Match gewonnen, und dann meinetwegen mit 21-Dartern dazwischen.“
„Im Moment wechseln wir uns nachts noch ab. Wir haben ungefähr vereinbart, dass meine Freundin in den beiden Nächten übernimmt, bevor ich zu einem Turnier abreisen muss. Und wenn bei ihr einmal etwas ansteht, übernehme ich die Nächte. Wenn ich zu Hause bin, ist das für mich auch kein großes Problem.“
Die Erfahrungen als frischgebackener Vater kann Zonneveld zudem mit einem guten Freund teilen. Auch Kevin van der Voort, der Sohn von Vincent van der Voort, ist vor Kurzem Vater geworden. Zwischen den beiden Kindern liegen lediglich wenige Wochen.
„Das ist schon schön. So können wir uns ein bisschen austauschen und gemeinsam überlegen, wie wir mit bestimmten Dingen umgehen. Ich glaube, zwischen den beiden liegen vier Wochen, also wirklich fast nichts. Das ist super. Und vor allem bin ich froh, dass bei beiden alles gut läuft.“

Emotionen nach der Niederlage gegen Bunting

Auch Kevin van der Voort war bei Zonnevelds Debüt beim World Matchplay vor Ort. Nach dessen schmerzhafter Niederlage gegen Stephen Bunting kochten die Emotionen bei beiden entsprechend hoch.
„Das passiert ihm schon öfter, wenn er mich zu Turnieren begleitet“, erzählt Zonneveld. „Ich kann das aber auch wertschätzen, denn es zeigt natürlich, wie sehr er mit mir mitfiebert und wie sehr er mir den Erfolg gönnt. Nicht, dass ich jemals daran gezweifelt hätte, aber in solchen Momenten sieht man das eben noch einmal deutlich.“
Unmittelbar nach einer solchen Niederlage kann Zonneveld allerdings gut darauf verzichten, wenn ihm jemand detailliert erklärt, wo die Partie verloren ging. „In diesem Moment möchte ich eigentlich nicht hören: Hier und da ist es schiefgegangen und dort hast du deine Chancen liegen lassen. Das will man direkt danach einfach nicht hören.“
Statt einer ausführlichen Analyse müssen die Enttäuschung und der Frust zunächst einmal raus. „Manchmal sitzen wir dann schon zusammen und fluchen ein bisschen“, sagt Zonneveld lachend. „Aber natürlich nur, wenn wir unter uns sind, zu zweit. Nicht mitten im Publikum.“

„Dieses Match hätte ich einfach gewinnen müssen“

Die Niederlage gegen Stephen Bunting beschäftigt Zonneveld noch immer. Der Niederländer kämpfte sich mit einem beeindruckenden Comeback zurück in die Partie, konnte den Sack am Ende jedoch nicht zumachen.
„Natürlich blicke ich darauf nicht positiv zurück. Überhaupt nicht. Ich finde, dass ich dieses Match einfach hätte gewinnen müssen. Das habe ich direkt nach der Partie gesagt und daran hat sich bis heute nichts geändert.“
Vor allem in der Anfangsphase ließ Zonneveld nach eigener Einschätzung zu viele Möglichkeiten auf den Doppelfeldern ungenutzt. „Zu Beginn habe ich viel zu viele Chancen auf die Doppel liegen lassen. Vor allem die Situationen, in denen ich drei Darts auf ein Doppel hatte. Normalerweise ist das bei mir ziemlich zuverlässig, gerade auf der Bühne. Aber diesmal wollten die Darts einfach nicht rein.“
So konnte sich Bunting zwischenzeitlich auf 8:5 absetzen. Dennoch verlor Zonneveld den Glauben an ein Comeback zu keinem Zeitpunkt. „Dann ging bei mir plötzlich so etwas wie der Turbo an. Keine Ahnung, woher das kam. Ich hatte während des gesamten Matches, selbst beim Stand von 5:8, immer noch das Gefühl: Ich kann ihn wirklich noch schlagen. Wenn ich meine Chancen nutze und beim Scoring einigermaßen konstant bleibe, ist das absolut noch möglich.“
Dieses Gefühl sollte ihn nicht täuschen. Zonneveld kämpfte sich eindrucksvoll zurück und übernahm schließlich sogar die Führung. „Ich bin tatsächlich noch in Führung gegangen. Eigentlich hatte ich ihn da schon.“
Beim Stand von 10:9 bekam der Niederländer schließlich drei Darts auf Tops, um die Partie für sich zu entscheiden. Bunting hatte zuvor bei 258 Rest zwar keinen maximalen Druck aufgebaut, mit einer 140 aber dennoch eine starke Aufnahme folgen lassen.
„Das ist natürlich schon ein bisschen ärgerlich. Wenn er die Darts zunächst verfehlt, hofft man insgeheim, dass danach vielleicht auch nur eine 45 oder so kommt“, erklärt Zonneveld. „Aber letztlich muss ich es danach natürlich selbst ausmachen. Und das habe ich nicht getan.“
Bunting bestrafte die vergebenen Matchdarts anschließend eiskalt und checkte 118 Punkte aus. „Und dann bekommst du auch noch diese 118 um die Ohren. Das war schon ziemlich hart.“

Der Weg ins Viertelfinale schien offen

Die Niederlage war für Zonneveld umso bitterer, weil bereits feststand, auf welchen Gegner er in der nächsten Runde treffen würde. Josh Rock hatte zuvor sein Auftaktmatch gewonnen – und gegen den Nordiren rechnete sich Zonneveld durchaus Chancen aus.
„Für uns war natürlich schon klar, dass es in der zweiten Runde gegen Josh Rock gehen würde, weil er vor mir gespielt hatte. Unabhängig davon, wer unser Match gewinnen würde, dachte ich: Da gibt es definitiv Möglichkeiten. Natürlich muss man dafür gut spielen, aber das muss man beim World Matchplay gegen jeden Gegner.“
Umso größer ist bei Zonneveld das Gefühl, eine enorme Chance ungenutzt gelassen zu haben. „Ich bin vor allem unglaublich enttäuscht, weil ich Bunting einfach hatte. Ich hatte ihn wirklich. Das Comeback war geschafft und dann musst du eigentlich nur noch Tops ausmachen. Das habe ich nicht getan. Damit habe ich mich selbst um sehr viel gebracht.“
Nicht einmal die Tatsache, dass Zonneveld während der Partie gleich zwei Zehn-Darter spielte, konnte unmittelbar nach der Niederlage für Trost sorgen. „In diesem Moment interessiert mich das überhaupt nicht. Jetzt denke ich: Ja, es ist natürlich schön, dass man so etwas einmal geschafft hat. Aber ich hätte viel lieber das Match gewonnen – meinetwegen auch mit ein paar 21-Dartern dazwischen.“
Niels Zonneveld jubelt und ballt die Faust
Zonneveld erreichte 2026 bereits zweimal ein Halbfinale auf der European Tour.

Top 32 als Hauptziel

Zonneveld versucht die Enttäuschung inzwischen abzuschütteln. Im weiteren Verlauf der Saison bieten sich genügend Möglichkeiten, auf der PDC Order of Merit weiter nach oben zu klettern. Sein wichtigstes Ziel ist klar. „Eigentlich ist das Hauptziel einfach, nach der WM in den Top 32 zu stehen. Ich denke, das ist auch ein realistisches Ziel.“
Vor allem beim World Grand Prix und der EM hofft Zonneveld, wichtige Schritte zu machen. „Ich will natürlich beim Grand Prix und bei der EM einfach mindestens eine Runde gewinnen. Das sind eigentlich die Turniere, bei denen ich nichts zu verteidigen habe und wo das Geld zu verdienen ist. Und auf diese Weise kann ich natürlich auch auf der Rangliste klettern.“
Ein erstes Viertelfinale bei einem großen TV-Turnier käme dabei äußerst gelegen. Zonneveld hält das definitiv für machbar. „Das wäre schön. Darauf gehe ich natürlich. Im Prinzip sind es zwei Siege, also ist es nicht unmöglich oder so. Das hast du jetzt beim Matchplay auch gesehen. Wenn Tops einmal fällt und du danach ein gutes Match gegen Rock spielst, dann kann das schnell gehen. Warum also nicht bei der EM oder beim Grand Prix?“
Mit zusätzlich noch anstehenden Players Championships und Euro Tours gibt es ausreichend Chancen, Preisgeld für die Rangliste zu sammeln. Der Auftrag für Zonneveld ist daher klar: die verpasste Möglichkeit in Blackpool abhaken und in den kommenden Monaten den nächsten Schritt machen. Ein Platz in den Top 32 nach der WM soll am Ende die Belohnung sein.
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