Warum Luke Littler lieber Achterbahn fährt als in Neuseeland Darts zu spielen – van der Voort sieht ein PDC-Problem

PDC
durch Nic Gayer
Mittwoch, 12 August 2026 um 14:30
Luke Littler
Die World Series of Darts macht in diesem Monat Station in Neuseeland und Australien – doch längst nicht alle Topstars verspüren den Reiz, die lange Reise ans andere Ende der Welt anzutreten. Luke Littler, Luke Humphries und Michael van Gerwen verzichten auf den Trip Down Under. Für Vincent van der Voort ist das keineswegs nur eine Momentaufnahme. Der ehemalige Profi beobachtet, dass das Interesse der Weltspitze an diesen Turnieren in den vergangenen Jahren deutlich nachgelassen hat.
Im Podcast „Darts Draait Door“ blickte van der Voort auf die beiden anstehenden World-Series-Turniere voraus. Gian van Veen, Gerwyn Price, Stephen Bunting, James Wade, Jonny Clayton, Josh Rock, Ross Smith und Damon Heta bilden das Teilnehmerfeld der PDC. Ins Auge stechen jedoch vor allem die Namen, die fehlen: Littler, Humphries und van Gerwen.

„Früher war man beleidigt, wenn man nicht dabei war“

Van der Voort erinnert sich noch gut an Zeiten, in denen die Spieler geradezu darauf brannten, nach Australien und Neuseeland reisen zu dürfen. Damals umfasste der Trip sogar noch drei Turniere.
Peter Wright posiert bei einem der Hobbiton-Häuschen.
Peter Wright nutzte eine World-Series-Reise für einen besonderen Ausflug und besuchte einen Drehort von „Der Herr der Ringe“.
„Man merkt ganz allgemein, dass die Lust auf diese Reise viel geringer geworden ist als vor ein paar Jahren. Vor zehn Jahren waren alle richtig schwer verärgert, wenn sie nicht hin durften.“
Die Tour durch Ozeanien sei damals nicht nur als sportliche Verpflichtung, sondern auch als außergewöhnliches Erlebnis betrachtet worden, erklärt van der Voort. Die Spieler verbanden die Turniere mit Ausflügen und bekamen die Gelegenheit, einen Teil der Welt kennenzulernen, den sie andernfalls wohl nicht so schnell zu Gesicht bekommen hätten.
„Es gab drei Turniere und dazu eine schöne Reise. Ich weiß noch, Michael hat dann auch ein bisschen Sightseeing gemacht und sich die tollsten Sachen angeschaut. Da war man wirklich beleidigt, wenn man nicht dabei war. Und jetzt ist es ein einziges Ziehen und Zerren an den Jungs, um zu fragen, ob jemand dabei sein will.“

Van der Voort sieht wenig Entwicklung außerhalb Europas

Das schwindende Interesse lässt van der Voort auch grundsätzlich über das Konzept hinter der World Series nachdenken. Die Turnierserie wurde einst ins Leben gerufen, um den Dartsport international stärker zu verankern. Aus Sicht des Niederländers stellt sich allerdings die Frage, wie viel Fortschritt in dieser Hinsicht tatsächlich erzielt wurde.
„In dieser Hinsicht ist die World Series natürlich … Ich weiß auch nicht so recht, was ich von der World Series halten soll. Wofür sie ins Leben gerufen wurde. Ich dachte immer, dass sie dort etwas aufbauen und dann schauen, ob man auch Ranglistenturniere dorthin bringen kann, um alles stärker über die ganze Welt zu strecken. Aber eigentlich hat sich im Vergleich zu vor zehn Jahren nichts verändert. Eher ist es weniger geworden.“
Van der Voort verweist darauf, dass sich die PDC Tour nach wie vor stark auf Europa konzentriert. Zwar existieren internationale Circuits, doch insbesondere aus Ozeanien und Nordamerika sieht er kaum neue Spieler, denen der Durchbruch in Richtung Weltspitze gelingt.
„Am Ende ist es natürlich rein Europa. Denn außerhalb Europas hast du überhaupt nichts. Asien auch nicht. Sie kriegen es nicht wirklich hin. Vielleicht auch noch zu früh.“
Auch die Namen der Spieler, die bei der World Series in Ozeanien gegen die Stars der PDC antreten, verändern sich nach Einschätzung van der Voorts kaum. Akteure wie Haupai Puha gehören bereits seit Jahren zu den bekannten Gesichtern.
„Die hast du wahrscheinlich vor fünf, sechs Jahren auch schon auf der Liste gesehen. Und dasselbe gilt für Amerika. Da kommt ebenfalls nichts nach. Kein neuer Nachwuchs, auch keine Jugendtalente.“

Corey Cadby als Beispiel

Gerade deshalb führt van der Voort Corey Cadby als Beispiel dafür an, was die World Series seiner Ansicht nach eigentlich hervorbringen sollte. Der Australier galt vor einigen Jahren als eines der größten Talente außerhalb Europas und konnte sich bereits in jungen Jahren unmittelbar mit der etablierten Weltspitze messen.
„Das möchtest du natürlich gerne sehen. Deshalb war Corey Cadby eine großartige Geschichte. Ein junger Kerl. Und auf einmal macht er es den Allergrößten der Welt richtig schwer und schlägt sie auch. Das ist natürlich ein bisschen das, wofür es gedacht ist. Aber jetzt bleibt das alles ein wenig stecken. Und es passiert eigentlich nicht so viel.“
Corey Cadby in Aktion.
Corey Cadby galt einst als eines der größten Darts-Talente außerhalb Europas – für Vincent van der Voort ein Paradebeispiel dafür, was die World Series hervorbringen sollte.
Dass auf dem Trip Down Under inzwischen nur noch zwei World-Series-Turniere ausgetragen werden, wertet van der Voort ebenfalls als Warnsignal.
„Das zeigt also auch, dass die Nachfrage zurückgeht. Denn sonst könnte man locker drei machen. So großartig die PDC das natürlich auch alles aufgezogen hat und so viel Geld man auch verdienen kann, es gelingt eben nicht, es über die ganze Welt zu spannen.“

Besondere Chance für van Veen

Für Gian van Veen stellt sich die Situation hingegen anders dar. Der Niederländer feiert sein Debüt bei der World Series Down Under und geht zugleich als höchstplatzierter Spieler des Teilnehmerfeldes an den Start. Van der Voort sieht für van Veen deshalb vor allem die besonderen Seiten einer solchen Reise.
„Klar ist das großartig. Und für ihn natürlich auch eine Reise, die er nie vergessen wird. Man kommt an Orte, an die man normalerweise nicht so schnell gelangt.“
Dennoch bleibt der Verzicht von Littler, Humphries und van Gerwen ein heikles Thema für die Organisatoren. Van der Voort weiß, dass die PDC regelmäßig versucht, ihre Topspieler doch noch umzustimmen, wenn deren Begeisterung für eine Teilnahme überschaubar ist.
„Ich weiß auch, dass die PDC häufig zum Hörer greift und diese Spieler anruft. ‚Kann ich dich nicht doch überreden, hinzufliegen?‘ Michael hat mit seinen Kindern und der Scheidung im vergangenen Jahr einen triftigen Grund, nicht zu fahren. Aber auch davor ist er längst nicht mehr immer hingeflogen. Also muss man es ihnen auf irgendeine Weise schmackhaft machen, dass sie dorthin gehen.“
Dabei muss Geld nach Einschätzung van der Voorts nicht einmal der entscheidende Faktor sein. Die Topspieler verbringen während einer Saison ohnehin enorme Zeit auf Reisen und setzen in ihrer Freizeit deshalb andere Prioritäten. Littler entschied sich beispielsweise für einen Urlaub in den Vereinigten Staaten.
„Sie reisen natürlich so viel, auch Littler und Humphries. Littler reist jetzt in die USA, um Achterbahn zu fahren. Das ist also auch nicht gerade um die Ecke. Aber das findet er vielleicht schön. Das meine ich ja. Dann gefällt ihm das hier eben nicht so. Ich glaube nicht, dass das eine Geldfrage ist. Er hat einfach keine Lust.“
Bis zu einem gewissen Grad kann van der Voort Littlers Entscheidung nachvollziehen. Der junge Engländer hat in dieser Saison bereits zahlreiche Erfolge gefeiert und entscheidet sich nun für Erholung statt einer weiteren ausgedehnten Darts-Reise.
„Ich kann mir auch vorstellen, dass er Freizeitparks schöner findet. Das kann ich mir schon eher vorstellen.“
Mit einem Augenzwinkern formuliert van der Voort schließlich noch einen Wunsch für Littlers Urlaub. Mit Blick auf den vollgepackten Turnierkalender im Herbst hofft er vor allem darauf, dass die Nummer eins der Welt ihre Darts vorerst im Koffer lässt.
„Hoffen wir, dass er dort einfach keine Pfeile anfasst. Und dass sein Niveau etwas niedriger ist, wenn er zurückkommt. Damit wir einen schönen, spannenden Herbst bekommen.“
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