Gary Anderson teilt nach Psychospielchen gegen Adam Hunt aus: „Er meinte: ‚Wann hast du zuletzt so gespielt?‘“
PDCGary Anderson hat nach einem hitzigen Erstrunden-Duell mit Adam Hunt bei der Darts WM 2026 spannende Aussagen über sein Aufeinandertreffen mit „The Hunter“ getätigt. Nach dem hart erkämpften Einzug in Runde zwei im Alexandra Palace stellte der zweifache Weltmeister klar, worum es ihm geht: um nichts anderes als Darts.
In einem dramatischen Match, das mehrfach kippte, forderte Hunt den Routinier bis an die Grenze. Der Engländer spielte auf der großen Bühne stark auf und zeigte viele Emotionen. Anderson jedoch ließ seine enorme Erfahrung sprechen, legte im vierten Satz einen 108er-Average auf und brachte die Partie letztlich souverän über die Ziellinie.
Psychospielchen? Anderson bleibt gelassen
Im Anschluss äußerte sich Anderson, unter anderem gegenüber Dartsnews (YouTube), zu Bemerkungen von Hunt während der ersten Unterbrechung: „In der ersten Pause steckte er den Kopf rein und meinte: ‚Wann hast du das letzte Mal so gespielt?‘“, berichtete Anderson. „Ich sagte: ‚So spiele ich ständig, Junge.‘ So einfach. Frechdachs … Man redet über Mind Games, aber ich habe wahrscheinlich mehr über Darts vergessen, als er je wissen wird. Ich spiele schon sehr lange Darts. Ich lege immer noch 110-plus Averages hin, also kann ich das Spiel immer noch so spielen, wie es gespielt werden sollte.“

Beim Walk-on hatte Anderson noch ein Grinsen im Gesicht
Ob Hunts Worte bewusst darauf abzielten, ihn aus dem Rhythmus zu bringen, ließ Anderson offen. „Keine Ahnung. Das müsst ihr entscheiden“, sagte er. „Ich weiß, was ich denke, aber ich kann es nicht sagen, weil ich jedes Mal Ärger bekomme, wenn ich es sage.“
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Für den Schotten bleibt sein Ansatz unabhängig von Bühne oder Gegner unverändert. „Ich will einfach nur Darts spielen. Das ist keine Raketenwissenschaft“, erklärte Anderson. „Du wirfst deine Darts und gehst dem Jungen aus dem Weg, damit er werfen kann. Das war’s. Es ist das einfachste Spiel der Welt. Ende.“
„Wenn du Spieler siehst, die zum Board gehen und zehn Minuten brauchen, um ihre Darts herauszuziehen – ist das Darts? Darum schaue ich es mir nicht an. Komm, weiter geht’s.“
Ein Match mit Wendungen
Geradlinig verlief das Duell allerdings nicht. Anderson startete furios, musste aber anerkennen, dass Hunt zurück ins Match fand. „Ich bin großartig in den ersten Satz gestartet und dann bin ich einfach völlig zu Brei geworden“, sagte er. „Ich kam auf 2:2 zurück und fing an, mir Zeit zu nehmen und wirklich darauf zu achten, worauf ich werfe, und das hat irgendwie funktioniert. Also ja, ich bin über die Ziellinie.“
Gerade diese Fähigkeit, sich unter Druck neu zu justieren, machte den Unterschied – vor allem im vierten Satz. „Es ging nicht viel durch meinen Kopf“, erklärte Anderson. „Wenn du denkst, verlierst du. Das ist das Geheimnis eines Dartspielers. In jeder Sportart gilt: Wenn du anfängst, zu viel zu denken, ist das nicht gut für dich, also versuchst du, nicht zu denken.“
Die Emotionen kochten dabei immer wieder hoch. Frust und Jubel wechselten sich sichtbar ab. „Da waren ein paar Legs, die ich weggeworfen habe“, gab Anderson zu. „Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn dir jemand ein Leg klaut und groß aufdreht. Da denkst du: ‚Na gut, das wird nicht gut ausgehen.‘
„Aber ich habe mich im letzten Satz reingebissen, mir Zeit genommen, mein Tempo etwas gedrosselt, und es hat funktioniert.“
Ally Pally, Historie und der Blick nach vorn
Trotz aller Anspannung betonte Anderson seine besondere Beziehung zum Alexandra Palace. Mit dem Erfolg hat er dort nun 16 seiner 17 Auftaktmatches gewonnen und zweimal die Sid Waddell Trophy geholt. „Darum geht’s“, sagte er. „Jetzt sind es jedes Jahr wieder über 120 Spieler. Früher mussten sich die Jungs ihren Platz erkämpfen. Ich will einfach weitermachen, damit ich nächstes Jahr auf die neue Bühne darf, wenn sie rechtzeitig fertig wird. Das ist eine Menge Arbeit.“
Auf die Frage nach einem möglichen dritten WM-Titel reagierte Anderson mit gewohnt trockenem Humor. „Ich träume nicht. Ich bin zu alt dafür“, witzelte er. „Wenn ich träume, wache ich vielleicht nicht auf. Wir machen weiter. Es gibt jetzt so viele bessere Spieler als vor zehn Jahren. Früher hattest du vielleicht 20 oder 24, die es gewinnen konnten. Jetzt hast du 128, die es gewinnen können. Das siehst du jede Nacht.“
Wie eng das Niveau inzwischen ist, belegte Anderson mit Blick auf andere Partien. „Ich habe Boris (Krcmar) heute Abend gesehen – er hatte das Spiel komplett im Griff und hat es weggeworfen“, sagte er. „Er wird sich maßlos ärgern. Er hatte es in der Tasche und wusste es.“ Genau das mache Darts aus. Es könne laufen – oder komplett kippen. „Am Ende des Tages brauchst du ein bisschen Glück.“
Den Kampf liebt Anderson weiterhin, auch wenn er seinen Preis fordert. „Oh, natürlich, ja“, sagte er. „Mit Herzinfarkt-Risiko! Ich habe jede Minute geliebt. Ich war wütend auf mich. Im ersten Satz liefen die Darts gut – sie liefen gut bei den Exhibitions in Schottland – und dann im zweiten und dritten Satz waren sie überall, wo sie nicht hingehören.
„Aber ich blieb dran, kam auf 2:2 zurück, nahm mir Zeit und ging dahin, wo ich hin sollte.“
Die Vorbereitung auf Runde zwei bleibt dennoch bodenständig. „Ich gehe morgen wieder arbeiten“, verriet Anderson. „Rachel geht so gegen sechs in der Früh. Ich bin so gegen halb acht, acht Uhr drin, bis sechs Uhr. Ich liebe es.“
Diese Haltung spiegelt sich auch in seinem Material wider, nachdem er zuletzt am Setup geschraubt hat. „Ich habe keine anderen Darts dabei, also das ist, was ich mitgebracht habe, und das ist, was ich habe“, sagte er. „Ich bin mit dem Setup zufrieden. Wenn es schiefgeht, ist das nicht die Schuld der Darts – das ist meine Schuld. Ich werfe sie nicht richtig. So einfach ist das.“
Scutt oder Whitlock
Eine kuriose Verletzung hatte im Vorjahr seine WM-Vorbereitung beeinträchtigt. Entsprechend bestätigte Anderson, dass die Motorsäge bis Januar sicher verstaut bleibt. „Der Körper ist immer noch lädiert“, gab er zu. „Aber ich habe nach diesem Turnier eine Menge Motorsägen-Arbeit zu erledigen. Wir warten bis zum Ende.“
In Runde zwei könnte es nun entweder gegen Connor Scutt oder Langzeitrivale Simon Whitlock gehen. „Ich kenne Simon seit Ewigkeiten“, sagte Anderson. „Connor, von dem bin ich ein großer Fan. Ich verstehe mich gut mit Connor. Toller Junge. Er ist ein Arbeiter und steckt die Zeit am Board rein.“
Ob seine Leistung ein Signal an das restliche Feld sendet, beantwortete Anderson so ehrlich wie konsequent. „Ich habe immer gesagt, ich spiele lieber gut“, sagte er abschließend. „Wenn ich verliere, ist mir das egal. Ich mag es nicht, mich irgendwie durchzuwurschteln. Ich spiele lieber gut und verliere, dann weiß ich, ich habe gut gespielt und der Junge war besser als ich.“
„Es gibt in diesem Turnier mehr Spiele denn je und weniger Zeit dazwischen. Ist die Million Pfund es wert? Nein – denn dann kommt der Steuerfahnder und steckt es dahin, wo die Sonne nicht scheint.“
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Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026









