Joe Cullen beendete seine Kampagne bei der
Poland Darts Open 2026 am Samstagabend zwar mit einer
Niederlage im Entscheidungsleg gegen Michael Smith, doch seinen markantesten Auftritt des Wochenendes lieferte er unmittelbar nach seinem Auftaktsieg am Abend zuvor.
Nach seinem 6:2-Erfolg über
Krzysztof Kciuk am Freitagabend zog Cullen eine schonungslose und aufschlussreiche Bilanz zum derzeitigen Stand seiner Karriere.
Eingeständnis von Selbstzufriedenheit
Cullen räumte ein, dass ihm die Saison 2025 nach einem verheißungsvollen Start entglitten ist. „Ich habe dieses Jahr angefangen, Einsatz zu zeigen. Letztes Jahr war ich nicht gut genug. Es gab Phasen, in denen der alte Joe durchkam. Am Ende bekommst du in diesem Sport das raus, was du reinsteckst. Dieses Jahr habe ich mir gedacht: Leg Arbeit rein“,
sagte Cullen gegenüber Oche180.
„Das habe ich zu Beginn auch letztes Jahr getan“, erinnert er sich. „Aber ich kam gleich ins Finale des ersten Pro-Tour-Events und habe dann eins gewonnen. Da dachte ich: ‚Ach, jetzt kann ich mich ein bisschen zurücklehnen.‘“
Diese Entscheidung, so gibt er zu, kostete ihn Schwung und Konstanz. Das Können war da, die Intensität nicht. „Dieses Jahr dachte ich mir: Ehrlich gesagt habe ich die Nase voll davon, wo ich stehe. Ich bin besser als viele Spieler über mir. Aber die Rangliste sagt etwas anderes, also kann nur ich das korrigieren. Ich habe die Arbeit reingesteckt und fühle mich im Moment sehr wohl.“
Starke Antwort in Krakau
Der 6:2-Sieg gegen Kciuk zeigte Anzeichen dieser erneuten Konsequenz. Cullen spielte 99,85 im Schnitt, warf vier 180er und verwertete 50 Prozent seiner Doppelversuche. Ein 88er-Finish zum Break drehte das Match, gefolgt von einem 86er-Finish, das seine Führung erhöhte. Ein 100er-Finish brachte ihn mit 5:2 in Front, bevor er auf der Doppel-16 den Sieg besiegelte.
Er hob zudem eine mentale Veränderung im Vergleich zur Vorsaison hervor. „Ich glaube, letztes Jahr wäre ich vor einer parteiischen Kulisse im Heimatland des Gegners eingebrochen. Ich hatte das Gefühl, ich hätte es nicht verdient. Ich wusste, dass er stark rauskommen würde, aber ich dachte mir, am Ende wird sich die Qualität durchsetzen, wenn ich es zulasse.“
Enge Kiste gegen Smith
Dieser Glaube wurde gegen Smith erneut geprüft, als Cullen den Ex-Weltmeister in ein Entscheidungsleg zwang und dort knapp unterlag. Die Niederlage bedeutet, dass seine Polen-Reise früher endet als erhofft, doch der Tenor seiner Aussagen deutet auf einen größeren Neustart hin.