Deutschland ist hervorragend in den
World Cup of Darts gestartet.
Martin Schindler und
Ricardo Pietreczko setzten sich in der Gruppenphase überzeugend gegen die Philippinen durch und zeigten mit einem 4:0-Sieg sofort, dass erneut mit ihnen zu rechnen ist.
Nach dem Match gaben die beiden Deutschen entspannt und zufrieden Interviews. Für Pietreczko fühlte sich der Erfolg besonders wie eine wichtige Bestätigung an, nach einer schwierigen Phase, in der Form und Selbstvertrauen gelitten hatten.
„Ich bin zufrieden mit diesem Sieg“,
sagte Schindler anschließend. „Wir waren beide in den wichtigen Momenten stark. Ich habe versucht, mein bestes Spiel zu zeigen, und ich glaube, ich habe Ricardo immer auf gut machbare Finishes gestellt. Die hat er dann alle ausgemacht. Aus meiner Sicht war das einfach ein sehr gutes Spiel.“
Auch Pietreczko genoss den Auftritt des deutschen Duos sichtlich. „Für mich gilt dasselbe“, lächelte er. „Ich werfe meine 100, du deine 180. Es fühlt sich nach guter Harmonie auf der Bühne an.“
Schwere Monate für Pietreczko
Für Pietreczko bedeutete der Auftritt in Frankfurt mehr als nur einen Sieg. Der Deutsche erlebte in den vergangenen sechs bis sieben Wochen eine schwierige Phase, in der die Ergebnisse ausblieben und sein Spiel nicht das gewohnte Niveau erreichte.
Dennoch glaubte er weiter an einen erfolgreichen
World Cup. „Es war sehr schwer“, gab Pietreczko offen zu. „Aber ich habe Martin immer gesagt, dass ich für den World Cup fit sein werde. Ich bin hier, um mein eigenes Spiel zu spielen.“
Der 30-jährige Deutsche erklärte, dass er in dieser schwierigen Phase viel Unterstützung von seinem Mentalcoach erhalten habe. „Ich habe hart mit meinem Mentalcoach gearbeitet. Ich möchte Johannes danken. Er hat dafür gesorgt, dass ich mich nicht verliere und es hier wieder auf der Bühne zeigen kann.“
Trotz der enttäuschenden Zeit hat Pietreczko nie daran gedacht, für das Nationenturnier zurückzuziehen. „Nein, ich habe nie daran gedacht, den World Cup nicht zu spielen“, betonte er. „Jedes Mal, wenn ich Martin gesehen habe, sagte ich, dass ich fit genug bin, um hier zu stehen. Heute habe ich gezeigt, warum.“
Die ersten Anzeichen der Trendwende zeigten sich bereits bei einer jüngsten Euro Tour, wo Pietreczko unter anderem Mike De Decker und Danny Noppert bezwang. Diese Resultate kamen zum idealen Zeitpunkt, kurz vor dem World Cup.
„Es hat mir ein gutes Gefühl gegeben, vor dem World Cup zwei Matches auf der Euro Tour zu gewinnen“, berichtete er. „Das war sehr wichtig für mich.“
Pietreczko experimentierte zuletzt mit Anpassungen in seinem Spiel, scheint nun aber wieder zu dem Ansatz zurückgekehrt zu sein, mit dem er zuvor erfolgreich war. „Mit meinem neuen Stil konnte ich Matches gewinnen, aber jetzt bin ich wieder zu meinem alten Stil zurückgekehrt.“
Schindler als Kapitän
Schindler gilt seit einigen Jahren als Aushängeschild des deutschen Darts und übernimmt im Team folgerichtig eine führende Rolle. Dennoch sieht er sich nicht als jemanden, der seinem Partner ständig Anweisungen erteilt.
Auf die Frage, ob er sich mehr denn je als Captain versteht, um Pietreczko zu unterstützen, reagierte er mit einem Lächeln. „Ich versuche immer, der Captain zu sein. Captain Jack Sparrow“, witzelte Schindler.
Anschließend erklärte er, wie er seine Rolle im Team sieht. „Wir sind natürlich nur zwei Spieler. Ich versuche immer derjenige zu sein, der sagt: Mach einfach das, womit du dich wohlfühlst. Ich gebe mein Bestes und du gibst dein Bestes. Das ist alles, was ich vermitteln will.“
Laut Schindler basiert Erfolg im Doppelturnier vor allem auf gegenseitigem Vertrauen. „Das habe ich zu Ricardo gesagt, aber auch zu Gabriel Clemens und Max Hopp, als ich zuvor mit ihnen spielte. Konzentriere dich nur auf dein eigenes Spiel. Ich spiele mein Match, du spielst dein Match, und am Ende addieren wir alles.“
Das Vertrauen innerhalb des deutschen Teams ist seiner Meinung nach eine der wichtigsten Waffen. „Ich vertraue ihm und er vertraut mir. Darum geht es am Ende.“
Pietreczko und Schindler notierten in ihrem ersten Gruppenspiel einen gemeinsamen Average von 101,90.
Keine Angst vor England
Im vergangenen Jahr sorgte Deutschland für eine der größten Überraschungen des Turniers, als das englische Superduo Luke Humphries und Luke Littler ausgeschaltet wurde. Daher bekam Schindler in der Pressekonferenz direkt die Frage, ob er sich ein erneutes Duell mit England wünsche.
Seine Antwort war eindeutig. „Warum nicht?“, sagte er. „Wenn wir England zugelost bekommen, versuchen wir, sie zu schlagen. Treffen wir erst im Finale aufeinander, versuchen wir, sie wieder zu schlagen.“
Schindler rechnet allerdings damit, dass vor allem Littler aus der Niederlage des Vorjahres gelernt hat. „Ich bin sicher, dass Luke Littler besser vorbereitet sein wird als im letzten Jahr. Luke Humphries wirkte damals eigentlich schon gut vorbereitet.“
Zugleich betonte der Deutsche, dass der World Cup ein ganz anderes Turnier ist als die Einzel-Events, bei denen Humphries und Littler normalerweise dominieren. „Für sie ist das manchmal sicher auch eine knifflige Situation. Sie sind die Nummer eins und zwei der Welt. Sie kämpfen ständig um Titel, spielen in der Premier League und gewinnen große Turniere.“
Schindler hat großen Respekt vor dem Niveau der englischen Spitzenleute, sieht aber zugleich Chancen, sobald es ums Doppel geht. „Im Vergleich zu ihnen wirkt es fast wie ein Hobby“, sagte er lachend. „Natürlich verdienen wir damit auch unser Geld, aber die Jungs spielen Woche für Woche auf einem unglaublich hohen und konstanten Niveau.“
Doch laut ihm muss das wenig bedeuten, sobald der World Cup beginnt. „Dafür bekommen sie meinen vollen Respekt. Aber hier beim World Cup ist es etwas völlig anderes.“