Für
Noa-Lynn van Leuven endete die
Darts WM 2026 im Alexandra Palace früher als erhofft. Ihre 0:3-Niederlage gegen Ex-Weltmeister
Peter Wright spiegelte eine Saison wider, in der vieles nicht zusammenlief. Enttäuschung war spürbar, doch van Leuven bewahrte Realismus – und zeigte dabei jene Ehrlichkeit, die sie im Circuit beliebt macht. Die Niederländerin stand zum zweiten Mal in Folge auf der größten Bühne des Sports, hatte jedoch Mühe, an ihre Form aus dem Vorjahr anzuknüpfen.
„Es war einfach nicht mein Match“, sagte van Leuven
offen nach dem Spiel. „Letztes Jahr war ich viel schärfer, viel fokussierter. Da habe ich deutlich besser gespielt als jetzt. Dieses Jahr war einfach nicht meins.“ Ihre Worte klangen nüchtern, ohne Ausrede – nur mit dem Versuch, Leistung im richtigen Kontext einzuordnen. Denn der Auftritt in „Ally Pally“ war weniger Momentaufnahme als vielmehr das Resultat einer zähen Saison mit zu wenig Spielpraxis.
Erwartungen und Realität
„Ich habe dieses Jahr nur sechs Turniere der Women’s Series gespielt“, erklärte van Leuven. „Dazu ein paar WDF-Turniere – und das war’s. Dann weißt du, dass es schwierig wird, hier in Bestform zu sein.“ Dass sie sich trotz der geringen Matchhärte erneut qualifizierte, war für sie selbst ein kleiner Erfolg. „Ich bin froh, wieder hier zu sein, aber absolut nicht zufrieden damit, wie ich gespielt habe.“
Noa-Lynn van Leuven verlor mit 0:3 gegen Peter Wright
Dabei war die Ausgangslage positiv. Van Leuven startete mit einem guten Gefühl in die Partie gegen Wright, was die Enttäuschung umso größer machte. „Vorab fühlte ich mich eigentlich ziemlich gut. Ich hatte das Gefühl, dass ich viel besser spielen könnte, als ich letztlich gezeigt habe.“ Besonders auf den Doppelfeldern ließ sie zu viele Chancen liegen. „Wenn ich die treffe, sieht das Match vielleicht ganz anders aus.“
Trotz Frust zeigte sie Haltung. Ein Auftritt im Alexandra Palace bleibt außergewöhnlich, unabhängig vom Resultat. „Es ist wieder eine Erfahrung mehr auf dieser großen Bühne. Das war mein zweites Mal hier. Und hoffentlich stehe ich nächstes Jahr einfach wieder hier.“ Diese Gelassenheit zeigt, dass van Leuven gelernt hat, Rückschläge zu akzeptieren, ohne den Blick nach vorn zu verlieren. „Ich bin wirklich froh, wieder hier stehen zu dürfen. Nur hätte ich so gern mein eigenes Spiel auf die Bühne gebracht. Und das habe ich heute nicht.“
Ruhe nach einem turbulenten Jahr
Anders als im Vorjahr stand van Leuven diesmal weniger im medialen Rampenlicht. Ihre erste WM-Teilnahme hatte viele Schlagzeilen ausgelöst – nicht alle angenehm. 2026 reiste sie mit mehr Ruhe an, fern von Nebengeräuschen. „Es war eigentlich sehr angenehm, hier einfach ich selbst sein zu können“, sagte sie. „Einfach auf die Bühne gehen und Darts spielen. Denn das ist am Ende alles, was wir wollen.“
Das mentale Gleichgewicht abseits der Bühne tat ihr gut, auch wenn sich das sportlich nicht im Ergebnis widerspiegelte. „Es hilft enorm, wenn man nicht ständig mit allem Drumherum beschäftigt ist. Das war dieses Jahr definitiv besser.“ Die Ruhe bedeutete aber kein Stillstand. Sie nutzte die Saison, um an sich zu arbeiten – auch wenn wenige Turniere kaum Gelegenheit boten, den Rhythmus zu finden.
Dennoch empfand sie Stolz, erneut auf der größten Bühne zu stehen. „Hier wieder zu sein, in ‚Ally Pally‘ – allein das ist besonders. Die Atmosphäre, das Gefühl, wieder dabei zu sein – das gibt Energie und Motivation.“ Worte, die zeigen, dass van Leuven bei aller sportlichen Enttäuschung die emotionale Bedeutung des Moments begreift: Es geht nicht nur ums Gewinnen, sondern ums Dabeisein in einer Welt, die ihr viel bedeutet.
Frauen im Fokus: Bewunderung für Beau Greaves
Als Vertreterin der Women’s Series wurde van Leuven auch auf ihre Kolleginnen angesprochen, allen voran auf Beau Greaves, die mit großen Erwartungen ins Turnier gestartet war. Ihre Antwort fiel respektvoll aus. „Ich hoffe wirklich, dass Beau es großartig macht. Sie ist eine fantastische Spielerin – aber auch einfach ein sehr schöner Mensch. Sie verdient es, hier zu glänzen.“
Die wachsende Präsenz von Spielerinnen wie Greaves und van Leuven unterstreicht den Fortschritt im Frauendart, auch wenn der Leistungsabstand zur Weltspitze der Männer noch groß bleibt. Van Leuven begegnet dieser Realität ohne Illusion – aber mit Zuversicht. „Solche Matches helfen. Man lernt hier so viel, auch wenn es nicht läuft.“ Ihr Statement zeigt, dass Entwicklung im Dartsport geduld braucht – und dass Erfahrung oft wertvoller ist als ein Sieg.
Mehr als ein sportlicher Auftritt
Van Leuven versteht ihre Teilnahme nicht nur als sportlichen Meilenstein, sondern auch als Zeichen. Als trans Frau steht sie sichtbar für die Vielfalt im modernen Darts. Diese Rolle trägt sie mit Selbstverständlichkeit, ohne sie überzubetonen. „Wie ich immer sage: Sei einfach du selbst. Mach, was dir Spaß macht und liebe das Spiel.“ Keine Phrasen, keine Kampfrhetorik – nur Authentizität.
Gerade diese Normalität macht sie für viele zu einem Vorbild. Sie will nicht auf ein Etikett reduziert werden, sondern schlicht als Dartspielerin wahrgenommen werden – eine, die verliert, lernt und weitermacht. „Wir wollen alle einfach darten. Das ist der Kern.“
Van Leuven steht damit für eine Haltung, die über den Sport hinausreicht: Persönlichkeit vor Pathos, Arbeit vor Worten. Ein Ansatz, der nicht laut klingt, aber tief wirkt – besonders in einem Sport, der oft von großen Gesten lebt.
Blick nach vorn mit klarer Haltung
Am Ende überwogen Realismus und Entschlossenheit. „Wenn du so wenige Matches spielst, kannst du hier nicht erwarten, dass alles von selbst läuft“, sagte sie. Ihr Fazit war ehrlich, ihr Blick klar: mehr Spiele, mehr Rhythmus, mehr Vertrauen ins eigene Spiel.
Der Ehrgeiz bleibt ungebrochen. „Ich hoffe, nächstes Jahr wieder hier zu stehen. Und dann hoffe ich, zeigen zu können, was ich wirklich kann.“ Diese letzte Aussage fasst
Noa-Lynn van Leuven treffend zusammen – als Sportlerin, die weiß, dass Erfolg keine Selbstverständlichkeit ist, sondern das Ergebnis von Geduld und Arbeit.
Und vielleicht war genau das ihr wichtigstes Statement in diesem Jahr: Niederlagen definieren nicht, wer man ist – sie zeigen, was in einem steckt.