„Ich kann mir überhaupt nichts vorwerfen“: Niko Springer zieht nach starkem Matchplay-Debüt ein positives Fazit

PDC
durch Nic Gayer
Sonntag, 19 Juli 2026 um 10:30
Niko Springer in Aktion.
Niko Springer hat bei seinem Debüt auf der legendären Bühne des World Matchplay mit einer starken Leistung überzeugt. Am Eröffnungsabend des prestigeträchtigen Major-Turniers in den ikonischen Winter Gardens von Blackpool forderte der „Meenzer Bub“ ausgerechnet Titelverteidiger Luke Littler über weite Strecken auf Augenhöhe. Am Ende musste sich der Deutsche zwar mit 6:10 geschlagen geben, hinterließ bei seinem ersten Auftritt im Empress Ballroom jedoch einen ausgezeichneten Eindruck.
Dabei machte Springer dem Weltmeister das Leben lange Zeit alles andere als leicht. Nach einer frühen 0:2-Hypothek kämpfte sich der Deutsche eindrucksvoll zurück. Mit einem 73er-Checkout gelang ihm zunächst das erste Matchplay-Leg seiner Karriere inklusive Break, ehe er mit einem Hold und einem weiteren Break nach 18 Darts die Partie drehte und sogar mit einer 3:2-Führung in die erste Pause ging. Auch nachdem Littler anschließend drei Legs in Serie gewann, ließ sich Springer nicht abschütteln. Dank sehenswerter Checkouts über 114 und 100 Punkte stellte der 26-Jährige zur zweiten Unterbrechung wieder auf 5:5.

Littler dreht auf – Springer bleibt trotzdem zufrieden

Nach der zweiten Unterbrechung passierte jedoch das, was immer passiert, wenn Luke Littler auf einer Major-Bühne steht: Der 19-Jährige zündete den Turbo. Und wie. Mit drei 11-Dartern innerhalb von vier Legs schaltete der Engländer noch einmal mehrere Gänge hoch, zog auf 9:6 davon und machte seinen 10:6-Erfolg schließlich mit einem 45er-Checkout perfekt. Während der Titelverteidiger mit einem überragenden Average von 109,53 Punkten in das Turnier startete, konnte Springer trotz der Niederlage mit sechs Leggewinnen und einem Average von 97,65 Punkten auf ein mehr als gelungenes Matchplay-Debüt zurückblicken.
Niko Springer in Aktion.
Niko Springer lieferte bei seinem Debüt beim World Matchplay gegen Titelverteidiger Luke Littler eine starke Leistung ab.
Genau das tat der Deutsche auch im anschließenden Interview bei DAZN. Große Vorwürfe machte er sich trotz der Niederlage nicht.
„Ich würde behaupten, dass ich gar nicht so schlecht ins Match gekommen bin. Ich habe versucht, das Spiel möglichst lange auf Augenhöhe zu halten, und ich finde, das ist mir auch gelungen“, erklärte Springer. „Plötzlich stand es 5:5 und da wusste ich natürlich: Jetzt ist alles drin. Das wird Luke wahrscheinlich genauso gesehen haben – und dann hat er eben noch einmal eine Schippe draufgelegt.“
Mit einem Blick auf die Statistiken fühlte sich Springer in seiner Einschätzung bestätigt. „Ich kann mir überhaupt nichts vorwerfen. Klar, besser geht immer. Aber ich bin trotzdem zufrieden damit, wie ich mich präsentiert habe. So habe ich es von mir erwartet.“

„Wenn er einmal loslegt, was soll man da machen?“

Den furiosen Endspurt Littlers nahm Springer während der Partie übrigens gar nicht in seiner ganzen Wucht wahr. Statt auf den Gegner zu schauen, konzentrierte er sich bewusst auf sein eigenes Spiel.
„Mir kam das ehrlich gesagt gar nicht so vor, als wären das so viele 11-Darter hintereinander oder so viele 180er gewesen“, sagte er. „Ich versuche während des Spiels schon, bei mir zu bleiben. Natürlich habe ich gemerkt, dass sein Scoring extrem gut war. Aber es bringt mir nichts, mich darauf zu fokussieren.“
Rückblickend räumte Springer allerdings ein, dass sein eigenes Scoring nach dem 5:5 etwas nachgelassen habe. „Ich würde schon sagen, dass ich danach ein bisschen abgebaut habe. Gleichzeitig hat Luke eben noch einmal eine Schippe draufgelegt. Vielleicht wäre sonst sogar noch etwas mehr drin gewesen. Ich habe versucht, immer Druck zu machen. Aber wenn er einmal loslegt – was soll man da groß machen?“
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Debüt auf der Blackpool-Bühne gelungen

Besonders zufrieden zeigte sich Springer mit der Art und Weise, wie er seine erste Matchplay-Teilnahme mental gemeistert hatte. Bei seinen beiden WM-Auftritten in den vergangenen Jahren war ihm das nach eigener Einschätzung noch nicht gelungen.
„Ob das ein Plan war, weiß ich gar nicht“, sagte er mit Blick auf die Marschroute, möglichst ohne großen Druck in die Partie zu gehen. „Wenn man sich die Weltmeisterschaften der vergangenen beiden Jahre anschaut, dann ist dieser Plan dort jedenfalls nicht aufgegangen.“
In Blackpool sei ihm das dagegen deutlich besser gelungen. „Die Halle und die Atmosphäre haben mich irgendwie noch ein bisschen mehr gecatcht. Umso schöner war es, dass es gerade hier funktioniert hat – ausgerechnet gegen den besten Spieler der Welt. Ich habe einfach versucht, den Moment zu genießen.“
Ganz ohne Nervosität verlief der Abend allerdings nicht. „Vor dem Spiel war ich schon deutlich angespannter als vor jedem anderen Match. Das war nicht mit einem European-Tour-Turnier zu vergleichen.“

Lob für Littler und schnelle Heimreise

Nach dem Match tauschten sich Springer und Littler noch kurz auf der Bühne aus. Besondere Worte habe es dabei allerdings nicht gebraucht.
„Ich habe ihm eigentlich das gesagt, was ich jedem Gegner sage, gegen den ich verliere. Ich habe ihm alles Gute gewünscht und hoffe, dass er so weiterspielt. Wenn er dieses Niveau hält, dann hat er es absolut verdient, das Ding zu gewinnen.“
Für Springer endet das Abenteuer World Matchplay damit zwar bereits nach der ersten Runde, lange in Blackpool bleiben wird er dennoch nicht. „Ich denke, dass ich morgen nach Hause fliege. Der Flug ist zwar noch nicht gebucht, aber das wird wahrscheinlich folgen. Ich freue mich jetzt erst einmal darauf, ungefähr eine Woche zu Hause zu sein. Danach geht es auf der Pro Tour weiter – und darauf freue ich mich ebenfalls.“
Auch wenn das Ergebnis am Ende nicht für die große Überraschung reichte, dürfte Springer aus Blackpool vor allem eines mitnehmen: die Gewissheit, auf einer der größten Bühnen des Dartsports mehr als konkurrenzfähig zu sein.
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