„Ich komme nachts um 3 Uhr nach Hause und nur Stunden später steht er schon wieder vor meiner Tür, um zu trainieren“ – Kim Huybrechts blüht unter den Fittichen von Erik Clarys
Mit einem überzeugenden 6:1 gegen Luke Woodhouse und dem ersten Average über 100 bei dem German Darts Grand Prix 2026 hat sich Kim Huybrechts eindrucksvoll in Szene gesetzt.
Der 40-jährige Belgier qualifizierte sich souverän für den Finaltag des German Darts Grand Prix und untermauerte damit seine starke Form der vergangenen Wochen. Nach einer Phase, in der er vor allem um Stabilität und den Erhalt seiner Position in der Weltrangliste kämpfen musste, scheint Huybrechts wieder an das Niveau heranzukommen, mit dem er zuvor auf der internationalen Bühne beeindruckte.
„Ja, ich bin natürlich sehr glücklich“, reagierte Huybrechts im Anschluss. „Luke Woodhouse ist ein Spieler, der an die Top 20 heranreicht. Ich bin derzeit noch weit davon entfernt, also jemanden dieses Kalibers so zu schlagen, bedeutet mir viel.“
Starke Serie findet Fortsetzung
Die Leistung von Huybrechts steht nicht für sich. Die vergangenen Wochen zeigen eine klare Aufwärtstendenz. So erreichte er kürzlich beim European Tour Event in Wieze das Achtelfinale und qualifizierte sich zudem zweimal für die Europaturniere in Graz und Sindelfingen. Auch auf den Floor-Turnieren – traditionell ein Gradmesser für Form und Konstanz – präsentierte er sich solide. „Das stimmt, was du sagst“, bestätigt Huybrechts. „Ich stand in Wieze auch schon im Finaltag. Jetzt wieder. Zweimal hintereinander so weit zu kommen, bedeutet mir wirklich viel.“
Es sind Signale dafür, dass der erfahrene Belgier wieder Anschluss an das höhere Niveau findet. Wo die Ergebnisse zuvor schwankten, scheint nun Kontinuität vorhanden zu sein – ein essenzielles Element, um wieder dauerhaft in der Darts-Spitze mitzuhalten.
Ein wichtiger Faktor hinter diesem Aufschwung ist die Zusammenarbeit mit Erik Clarys. Huybrechts macht keinen Hehl daraus, wie viel Arbeit in den vergangenen Monaten geleistet wurde. „Ich habe in letzter Zeit sehr viel mit ihm gearbeitet“, erzählt er. „Sogar nach Turnieren. Zum Beispiel in Wieze: Ich spiele dort am Sonntag, und am Montag schickt er mir sofort eine Nachricht, dass er für eine Trainingssession von zwei bis drei Stunden vorbeikommt. Da denke ich echt: wow.“
Diese Intensität ging mitunter weit. „Letzte Woche qualifiziere ich mich für Graz und Sindelfingen. Ich komme nachts um drei Uhr nach Hause, und um zehn Uhr morgens schreibt er schon wieder, dass er zum Training vorbeikommt. Da denke ich: Gib mir kurz Ruhe, Mann“, lacht Huybrechts. „Aber jetzt sieht man, dass es Früchte trägt.“
Die Einheiten mit Clarys sind alles andere als unverbindlich. Der Fokus liegt klar auf der Verbesserung spezifischer Elemente seines Spiels – insbesondere seiner Finishes. „Wir arbeiten sehr viel am Auschecken“, erklärt Huybrechts. „Er sagte, das sei in den vergangenen Jahren eine meiner größten Schwächen gewesen. Daran haben wir wirklich hart gearbeitet, und das beginnt jetzt zu wirken.“
Es ist ein entscheidender Aspekt im modernen Darts, wo Partien oft durch kleine Margen entschieden werden. Ein paar verpasste Doppel können den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage bedeuten, gerade auf höchstem Niveau.
Clarys selbst bleibt laut Huybrechts bescheiden in Bezug auf seine Rolle. „Er sagt immer: ‚Ich kann dich nicht besser machen, aber ich kann dir deine Schwächen aufzeigen.‘ Und genau das haben wir getan. In den letzten sechs Monaten haben wir wirklich auf diese Schwachstellen fokussiert, und das beginnt jetzt zu funktionieren.“
Kim Huybrechts trifft in der dritten Runde auf Jonny Clayton
Von Druck zu Perspektive
Zu Saisonbeginn stand Huybrechts noch unter erheblichem Druck. Seine Position in der Weltrangliste war angespannt und der Erhalt seiner Tour Card hatte oberste Priorität. „Das Ziel zu Beginn der Saison war simpel: meine PDC Tour Card behalten“, sagt Huybrechts. „Aber man sieht, wie schnell es sich im Darts ändern kann.“
Diese Veränderung scheint sich nun positiv zu vollziehen. Durch seine jüngsten Ergebnisse ist er plötzlich wieder in die Nähe der Qualifikation für das World Matchplay gerückt, eines der prestigeträchtigsten Turniere im Kalender. „Ich liege jetzt bei etwa 750 Pfund von der Qualifikation entfernt“, erklärt er. „Das ist nah dran. Es war kein Ziel zu Saisonbeginn, also werde ich nicht enttäuscht sein, wenn ich es nicht schaffe. Aber wenn man so nah dran ist, muss man es doch ein bisschen als Ziel sehen.“
Die große Frage ist, ob Huybrechts tatsächlich zu dem Niveau zurückkehren kann, auf dem er jahrelang ein fester Bestandteil der Weltspitze war. Seine aktuelle Form deutet jedenfalls darauf hin, dass er auf dem richtigen Weg ist.
Mit verbessertem Scoring, schärferen Finishes und neuem Selbstvertrauen scheint er wieder ein Spieler zu sein, mit dem zu rechnen ist. Die Kombination aus Erfahrung und neuer Energie könnte sich für seine Konkurrenten als gefährliche Mischung erweisen.
Der überzeugende Sieg über Woodhouse und der Einzug in den Finaltag sind in dieser Hinsicht mehr als bloße Ergebnisse. Sie senden ein Signal: Kim Huybrechts ist noch lange nicht abgeschrieben. „Das Wichtigste ist, dass ich eine solide Saison spiele“, schließt er. „Und ich denke, ich bin auf einem guten Weg.“