Dabei sah es im Endspiel lange nicht nach einem Erfolg für den Waliser aus. Clayton geriet mit 2:5 in Rückstand, während van Gerwen mit starkem Scoring und sicheren Checkouts dominierte. In dieser Phase schien die Partie praktisch entschieden – auch aus Claytons Sicht.
„Ich dachte nicht, dass ich dieses Match noch gewinnen würde“
„Ehrlich gesagt war es Erleichterung“, sagte Clayton nach seinem Sieg gegenüber Online Darts. „Bei 2:5 dachte ich nicht, dass ich dieses Match noch gewinnen würde. Michael spielte gut, er setzte starke Scores und traf seine Doppel. Ich dachte: Das ist das Ende meines Abends.“
Jonny Clayton hat die Tabellenführung in der Premier League Darts zurückerobert
Doch das Spiel kippte komplett. Van Gerwen ließ in entscheidenden Momenten Chancen liegen – und Clayton nutzte seine Gelegenheit. Vor allem seine starken Finishes über das Bullseye hielten ihn im Match. „Das Bull war heute Abend mein bester Freund“, sagte er mit einem Lächeln. „Es hat mich im Match gehalten.“
Leg für Leg arbeitete sich Clayton zurück in die Partie. Mit jedem gewonnenen Durchgang wuchs das Vertrauen – und genau das wurde schließlich zum entscheidenden Faktor. „Du musst daran glauben, dass du gewinnen kannst. Wenn du das nicht tust, hat es keinen Sinn, auf dieser Bühne zu stehen. Du nimmst es Leg für Leg, und plötzlich fällt alles auf deine Seite.“
Schwierige Wochen liegen hinter ihm
Der Erfolg in Brighton kam für Clayton zu einem wichtigen Zeitpunkt. In den Wochen zuvor hatte er keine Punkte geholt und musste mit ansehen, wie Luke Littler die Tabellenführung übernahm.
Dennoch betont der Waliser, dass echte Zweifel nie die Kontrolle übernommen hätten. „Ich glaube nicht so sehr an Zweifel“, erklärte er. „Ich hatte einen starken Start in die Saison, also wusste ich, dass es immer noch in mir steckt. Aber es tut schon weh, wenn du zwei Wochen in Folge keine Punkte holst.“
Besonders eine Niederlage gegen Josh Rock beschäftigte ihn. „Er hat mich komplett vom Board gespielt“, räumte Clayton ein. „Letzte Woche habe ich eigentlich ziemlich gut gespielt, aber du stehst trotzdem mit leeren Händen da. Dann verpasst du vier Punkte und das schmerzt.“
Sein Ziel sei deshalb von Anfang an klar gewesen: Punkte sammeln. „Von Anfang an sagte ich: Gib mir zwei Punkte, alles darüber ist Bonus. Heute Abend hole ich fünf, also bin ich natürlich sehr glücklich.“
Zurück an der Spitze
Mit seinem Triumph in Brighton übernimmt Clayton wieder die Tabellenführung in der Premier League Darts und zieht unter anderem an Littler vorbei. Trotzdem bewertet er seine Spitzenposition mit der gewohnten Gelassenheit.
„Es ist natürlich ein gutes Gefühl, oben zu stehen“, sagte er. „Aber am Ende dreht sich alles um die Play-offs in London. Darauf arbeiten wir hin.“
Gemeint ist der entscheidende Finalabend der Liga, an dem die besten vier Spieler um den Titel kämpfen. Für Clayton ist die Zielsetzung eindeutig formuliert. „Es ist mir egal, ob ich Erster, Zweiter, Dritter oder Vierter werde. Hauptsache, ich bin in den Top Vier und stehe in London, dann bin ich zufrieden.“
Ob sein aktueller Punktestand bereits zur sicheren Qualifikation reicht, wollte er jedoch nicht prognostizieren. „Ich hoffe es, wirklich. Aber man weiß es nie. Ich jage einfach weiter diese Punkte.“
Keine Ablenkung abseits der Bühne
Nach dem Finale wurde Clayton auch auf Gerüchte rund um getrennte Trainingsräume und mögliche Spannungen zwischen Luke Littler und Gian van Veen angesprochen. Der Waliser wies diese Spekulationen klar zurück.
„Es wird immer spekuliert, aber da ist nichts dran“, erklärte er. „Wir trainieren oft in verschiedenen Räumen, das ist ganz normal. Manchmal sitzt man zusammen, manchmal nicht. Da sollte man nichts hineininterpretieren.“
Für ihn zählt ausschließlich die Leistung auf der Bühne. „Es zählt, was du auf der Bühne zeigst.“
Mentale Stärke als Schlüssel
Besonders auffällig in Brighton war Claytons mentale Stabilität. Trotz des deutlichen Rückstands im Finale blieb er konsequent im Match – für ihn ein entscheidender Faktor auf höchstem Niveau.
„Du musst weiterkämpfen, bis der Schiedsrichter ‚Game shot‘ ruft“, sagte er bestimmt. „Ob du gewinnst oder verlierst, du musst alles geben. Das musste ich heute Abend auch tun und zum Glück ist es auf meine Seite gefallen.“
Auch das frühe Ausscheiden von Littler registrierte Clayton genau. „Du siehst jemanden wie Luke rausgehen und weißt: Da liegt eine Chance. Dann musst du sie nutzen.“
Kritik als Treibstoff
Zum Abschluss sprach Clayton über den Einfluss von Kritik und Erwartungen auf seine Motivation. Für ihn steht fest: Zweifel von außen können zusätzliche Energie freisetzen.
„Ja, das macht schon etwas mit dir“, gab er zu. „Es verleiht dir genau dieses Quäntchen zusätzliche Schärfe.“
Ein prägender Moment im Finale war zudem van Gerwens Versuch eines spektakulären „Tops-Tops“-Finishes, auf den Clayton sichtbar emotional reagierte. „Das sind so Momente“, sagte er lachend. „Wenn er den verpasst, weißt du, dass du eine Chance bekommst. Das ist Darts. Wenn du vor Selbstvertrauen strotzt, gehst du für solche Finishes.“