Josh Rock schlägt Mentor Rob Cross: „Er gab mir alle Tipps, die man sich nur vorstellen kann“

PDC
durch Nic Gayer
Sonntag, 01 Februar 2026 um 15:00
Josh Rock (1)
Mit einem dominanten Sieg in Runde zwei des Winmau World Masters 2026 hat Josh Rock erneut gezeigt, dass er endgültig zur absoluten Elite im Darts aufgestiegen ist. In einem hoch aufgeladenen Duell gegen Rob Cross – nicht nur ehemaliger Weltmeister, sondern auch Mentor und guter Freund – präsentierte der Nordire Reife, Klasse und bemerkenswerte Kontrolle.
Das Resultat fiel deutlich aus, die Statistiken waren eindrucksvoll. Vor allem aber unterstrich die Art und Weise, wie Rock dieses Match anging, seinen Entwicklungssprung zum Topspieler. Fokus, Klarheit, keine sichtbaren Zweifel – ein Auftritt, der sein Standing in der Weltspitze untermauerte.

Duell zwischen Schüler und Lehrer

Das Aufeinandertreffen mit Cross in der zweiten Runde der Winmau World Masters 2026 trug eine besondere emotionale Note. Rock beschrieb das Duell treffend als Kampf zwischen „Schüler und Lehrer“ – eine Dynamik, die ihn an die frühere Beziehung zwischen Phil Taylor und Adrian Lewis erinnerte. „Rob hat mir in den vergangenen Jahren enorm viel beigebracht“, erklärte Rock nach dem Match. „Nicht nur technisch, sondern vor allem mental. Er ist extrem stark darin, wie er über das Spiel spricht und wie er es erlebt.“
Diese mentale Unterstützung zahlte sich sichtbar aus. Zwar räumte Rock ein, dass das Match nach den ersten beiden Sätzen emotional anspruchsvoll wurde, doch er blieb konsequent professionell. „Es war hart, aber gleichzeitig stand ich dort, um meinen Job zu machen“, sagte er nüchtern. Genau das setzte er um. Mit einem Average von über 100 Punkten und einem überzeugenden 4:1-Erfolg ließ Rock keine Zweifel an den aktuellen Kräfteverhältnissen aufkommen.
Während Rock in früheren Jahren noch mit Auftritten auf der großen Bühne zu kämpfen hatte, ist davon inzwischen kaum etwas zu erkennen. Er spricht offen über diese Phase. „Vor zwei, drei Jahren hatte ich es im TV echt schwer“, gestand er. „Ich brauchte Zeit, um überhaupt in Schwung zu kommen.“ Diese Zeiten sind vorbei. Einen entscheidenden Anteil daran hatte die jüngste Nominierung für die Premier League. „Das macht mich zu einem anderen Menschen. Ich weiß jetzt: Ich gehöre zur Elite.“
Dieser Gedanke wirkt gleichermaßen befreiend und antreibend. Rock betonte, dass sich seine innere Haltung grundlegend verändert hat. Wo früher vielleicht noch der Drang überwog, sich beweisen zu müssen, betritt er heute die Bühne mit dem festen Selbstverständnis, dort hinzugehören. „Ich gehe in jedes Match mit dem Gedanken, einer der besten Spieler der Welt zu sein. Und dann spielst du auch so.“
Dieses Selbstvertrauen entstand nicht über Nacht. Nach einem bewusst eingelegten Monat ohne Turniere, den er zur körperlichen und mentalen Regeneration nutzte, kehrte Rock mit neuer Energie zurück. „Ich brauchte diese Pause“, erklärte er. „Ich bin 24, aber dieses Spiel fordert enorm viel. Man muss lernen, mit Reisen, Druck und Erwartungen umzugehen.“

Die richtige Balance gefunden

Diese Balance scheint Rock inzwischen gefunden zu haben. Gemeinsam mit seinem Management erarbeitete er einen straffen, aber realistischen Turnierplan. Er lässt mehrere Pro-Tour- und European-Tour-Events bewusst aus, um Überlastung zu vermeiden. „Du kannst nicht alles spielen“, sagte Rock. „Es geht darum, zu den richtigen Momenten scharf zu sein.“
Die Bedeutung von Rob Cross für diese Entwicklung ist laut Rock nicht hoch genug einzuschätzen. Seit Rock auf der Tour unterwegs ist, nahm Cross ihn unter seine Fittiche. „Er gab mir alle Tipps, die man sich vorstellen kann“, berichtete Rock. „Er weiß, was es bedeutet, Weltmeister zu sein, das World Matchplay zu gewinnen und jahrelang in der Premier League Darts zu spielen.“ Kurz nach der offiziellen Bekanntgabe der Premier-League-Nominierung gehörte Cross zu den ersten Gratulanten. „Das hat mir viel bedeutet“, betonte Rock.
Trotzdem verspürt der Nordire keinen zusätzlichen Druck, seinen Platz in der Premier League rechtfertigen zu müssen. „Ich muss nichts beweisen“, stellte er klar. „Ich bin aus einem Grund dort.“ Diese Überzeugung spiegelt sich auch im Umgang der Gegner mit ihm wider. Rock weiß, dass er inzwischen als Spieler gilt, den man schlagen will. „Jeder will die besten Spieler der Welt besiegen. Das macht die Matches nur noch härter.“

Neue Herausforderungen

Vor allem auf der Pro Tour rechnet Rock mit neuen Herausforderungen. „Dort spielst du gegen Jungs, denen du nicht oft begegnest. Du bist den ganzen Tag gefordert. Das ist manchmal schwieriger als ein großer TV-Abend.“
Technisch zeigte sich Rock vor allem mit seinem Finishing zufrieden. Nachdem er am Vortag noch große Probleme auf die Doppel hatte und lediglich 22 Prozent seiner Chancen nutzte, steigerte er diese Quote gegen Cross auf 44 Prozent. „Ich weiß, dass ich ein großer Scorer bin“, sagte Rock. „Aber das Checken war immer meine Schwachstelle. Dass ich das heute so angepackt habe, stimmt mich sehr positiv.“
Mit Blick auf die Viertelfinals und einen möglichen Finaltag stellt sich zwangsläufig die Frage, wie nah Josh Rock an seinem ersten Major-Einzeltitel ist. Seine Antwort fiel vielsagend aus. „Wie Wayne Mardle sagte: Es ist wie eine Bingokarte, die fast voll ist. Der Moment kommt.“ Rock spürt, dass er bereit ist, bleibt dabei aber realistisch. „Wir stehen dort nicht umsonst mit den besten Spielern der Welt.“ Über seinen nächsten Gegner Luke Littler zeigte er sich gelassen. „Es spielt keine Rolle, gegen wen man spielt. Jeder hier ist Spitze.“
Zum Abschluss sprach Rock über die Reaktionen auf seine Premier-League-Nominierung. Obwohl viele ihn bereits als gesetzt angesehen hatten, konnte er es selbst lange nicht glauben. „Ich sah es überall in den sozialen Medien, aber ich dachte immer: Das passiert mir nicht.“ Bis der entscheidende Anruf kam. „Dieser Moment hat mein Leben verändert.“
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