Vom 17. bis 20.09.2026 wird in der
AFAS Live in Amsterdam erneut um den Titel bei den
World Series of Darts Finals gespielt. Offiziell zählt das Turnier zu den Majors der PDC, doch in der Dartszene genießt es längst nicht den Stellenwert vieler anderer großer TV-Turniere. Mit einem komplett neuen Format könnte sich das ab 2027 ändern.
Fragt man Spieler, welches Major sie am liebsten aus dem Kalender streichen würden oder welches große Turnier für sie am wenigsten zählt, fällt häufig der Name World Series Finals. Der Mangel an Prestige wird wohl am deutlichsten durch
Gary Anderson illustriert. Der Schotte lehnte sowohl für die vorige als auch für die aktuelle Ausgabe eine Einladung ab. Auch die Qualifikationsstruktur hilft nicht. Das Teilnehmerfeld umfasst 32 Spieler. Neben einigen Gewinnern des Qualifikationsturniers für Tour Card-Inhaber und vier über die Weltrangliste eingeladenen Spielern qualifizieren sich die besten 24 Spieler der World Series Order of Merit für das Endturnier. Genau das sorgt für Kritik. Unser niederländischer Autor Pieter Verbeek sieht Verbesserungsbedarf bei den World Series Finals und hat sich mit einer Reform des TV-Turnieres beschäftigt.
Van der Voort rechnet mit Qualifikationssystem ab
Vincent van der Voort ließ kürzlich in seinem Podcast Darts Draait Door
kaum ein gutes Haar an der aktuellen Ausrichtung. Laut dem ehemaligen Profi wird die Teilnahme an World Series-Turnieren zu stark belohnt, ohne dass zwingend starke Leistungen dahinterstehen müssen.
„Da machen Leute mit, die einfach kein Match gewonnen haben, und werden dann mit einem Endturnier belohnt. Das ist vollkommen sinnlos“, sagt van der Voort. „Im Sport geht es um Leistung.“
Van der Voort nennt unter anderem
Simon Whitlock als Beispiel. Weil der Australier an mehreren World Series-Turnieren teilgenommen hat, könne er laut dem Ex-Profi selbst mit zwei klaren Niederlagen genug Punkte sammeln, um weit oben im Ranking zu landen. „Welcher Idiot hat sich das ausgedacht? Da stimmt doch etwas ernsthaft nicht im Oberstübchen.“
Simon Whitlock qualifizierte sich ohne einen Sieg für die World Series Finals
Ein naheliegender Alternativvorschlag wäre, einfach die besten 32 Spieler der World Series Order of Merit zum Endturnier zu schicken. Doch auch darin sieht van der Voort wenig Sinn. „Dann bekommst du ein richtig schlechtes Turnier. Dann kommen Leute in die Nähe, die 1:6 verloren haben. Wenn sie 0:6 verloren haben, kommst du vielleicht auch noch in die Nähe.“
Laut van der Voort zeigt die aktuelle Konstruktion vor allem, dass keine bessere Lösung gefunden wurde. „Die Spieler reden immer davon, dass man performen muss. Und dann macht man so etwas. Wenn dir nichts Besseres einfällt als dieses System, dann läuft etwas schief. Die machen einfach irgendwas.“
Trennung des Finalturnieres von der World Series
Aus meiner Sicht liegt eine interessantere Lösung auf der Hand. Trennt die World Series Finals ab 2027 vollständig von den regulären World Series-Turnieren. Gebt dem Event einen neuen Namen, behaltet aber das internationale Profil bei, das die World Series immer ausstrahlen sollte.
Die Inspiration dafür stammt teilweise aus dem
neuen Format des Grand Slam of Darts. Ab diesem Jahr wächst das Teilnehmerfeld von 32 auf 48 Spieler, wobei auch Akteure aus verschiedenen internationalen Circuits zu einem großen PDC-Major eingeladen werden.
Diese Entscheidung ist aus meiner Sicht bemerkenswert. Der Grand Slam of Darts hat einen hohen Status, und durch die Änderung starten dort etliche Spieler ohne PDC Tour Card. Warum vergibt man diese internationalen Startplätze nicht bei einem Turnier, das explizit dem globalen Charakter des Darts gewidmet ist?
Sechzehn Weltklasse-Spieler und sechzehn internationale Akteure
Ein erneuertes internationales Endturnier kann problemlos bei 32 Spielern bleiben. Die ersten sechzehn Plätze gehen an die Top 16 der PDC Order of Merit. Damit ist garantiert, dass die absolute Weltspitze vertreten ist.
Anschließend werden zwölf Plätze für Spieler frei, die auf den verschiedenen internationalen Circuits tatsächlich geliefert haben. Mein Vorschlag: zwei Tickets für Circuits mit kontinentalem Charakter und ein Ticket für die stärker regionalen Tours.
Konkret ergibt das folgende zwölf Teilnehmer:
- Top 2 der Asian Tour Order of Merit
- Top 2 der CDC Order of Merit
- Top 2 der Afrika-Tour
- Top 2 der Championship Darts Latin America and Caribbean Tour
- Nummer eins der Nordic & Baltic Tour
- Nummer eins der Australian Tour
- Nummer eins der New Zealand Tour
- Nummer eins der China Pro Tour
Wenn ein Circuit zum Zeitpunkt des Turniers noch nicht abgeschlossen ist, können die Spieler eingeladen werden, die zu diesem Moment an der Spitze der jeweiligen Rangliste stehen.
Der große Unterschied zum aktuellen System ist, dass bloße Teilnahme nicht ausreicht. Wer ein Ticket lösen will, muss im Verlauf der Saison auf seinem eigenen Circuit tatsächlich Ergebnisse liefern.
Vier europäische Wildcards komplettieren das Teilnehmerfeld
Mit sechzehn Spielern aus der Spitze der Weltrangliste und zwölf Vertretern internationaler Circuits sind 28 der 32 Plätze vergeben. Die verbleibenden vier Tickets können genutzt werden, um den europäischen Markt noch deutlicher in das Event einzubinden.
Dabei könnte eine geografische Verteilung vorgenommen werden. Ein Startplatz geht an den höchstplatzierten Tour-Card-Inhaber aus Osteuropa, einer an den höchstplatzierten Spieler aus Nordeuropa, einer an Westeuropa und einer an Südeuropa.
Zur Festlegung, welche Länder unter die jeweiligen Regionen fallen, kann die Einteilung herangezogen werden, die üblicherweise für Qualifikationsturniere zur WM Darts und/oder die European Tour verwendet wird.
Auf Basis der aktuellen Weltrangliste würden Krzysztof Ratajski, Jeffrey de Graaf, Jermaine Wattimena und Cristo Reyes nach dieser Konstruktion für eine Einladung infrage kommen.
Vollständiges Teilnehmerfeld
| 1 | #1 PDC Order of Merit | 17 | #1 Asian Tour Order of Merit |
| 2 | #2 PDC Order of Merit | 18 | #2 Asian Tour Order of Merit |
| 3 | #3 PDC Order of Merit | 19 | #1 CDC Tour Order of Merit |
| 4 | #4 PDC Order of Merit | 20 | #2 CDC Tour Order of Merit |
| 5 | #5 PDC Order of Merit | 21 | #1 African Continental Tour |
| 6 | #6 PDC Order of Merit | 22 | #2 African Continental Tour |
| 7 | #7 PDC Order of Merit | 23 | #1 Championship Darts Latin America and Caribbean Tour |
| 8 | #8 PDC Order of Merit | 24 | #2 Championship Darts Latin America and Caribbean Tour |
| 9 | #9 PDC Order of Merit | 25 | #1 Nordic & Baltic Tour |
| 10 | #10 PDC Order of Merit | 26 | #1 Australian Darts Association Tour |
| 11 | #11 PDC Order of Merit | 27 | #1 Dartplayers New Zealand Tour |
| 12 | #12 PDC Order of Merit | 28 | #1 China Pro Tour |
| 13 | #13 PDC Order of Merit | 29 | Höchstplatzierter nordeuropäischer Spieler in der Weltrangliste |
| 14 | #14 PDC Order of Merit | 30 | Höchstplatzierter osteuropäischer Spieler in der Weltrangliste |
| 15 | #15 PDC Order of Merit | 31 | Höchstplatzierter südeuropäischer Spieler in der Weltrangliste |
| 16 | #16 PDC Order of Merit | 32 | Höchstplatzierter westeuropäischer Spieler in der Weltrangliste |
Qualifikation nur mit guten Leistungen möglich
Mit diesem Zuschnitt bleibt das Teilnehmerfeld bei 32 Spielern, ohne dass der internationale Charakter des Events verloren geht. Im Gegenteil: Spieler aus Asien, Nordamerika, Afrika, Lateinamerika, Ozeanien, China und verschiedenen Teilen Europas erhalten alle einen klaren Weg ins Turnier. Gleichzeitig bleibt die Qualität an der Spitze gewahrt, weil die besten sechzehn Spieler der Welt automatisch eingeladen werden.
Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Art, wie die übrigen Startplätze verteilt werden. Nicht die Anzahl an Einladungen zu World-Series-Turnieren bestimmt, wer zum Endturnier darf, sondern Leistungen auf den verschiedenen Circuits.
Damit könnte die PDC drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: eine Major-Veranstaltung mit ausgeprägtem internationalem Profil bewahren, Spieler aus allen Weltregionen tatsächlich für ihre Ergebnisse belohnen und dank der Präsenz der Top 16 weiterhin ein starkes Teilnehmerfeld garantieren. Die World Series Finals müssen aus meiner Sicht also keineswegs vom Kalender verschwinden. Ab 2027 darf das Konzept hinter dem Turnier jedoch grundlegend erneuert werden.
Zu einem komplett neuen Zuschnitt gehört aus meiner Sicht auch ein neuer Name. Wird das Endturnier von der regulären World Series entkoppelt, trifft die Bezeichnung
World Series of Darts Finals den Inhalt nicht mehr. PDC Global Masters wäre eine passende Alternative. Der Name betont den weltweiten Charakter des Turniers, während „Masters“ zugleich die Anmutung eines Events trägt, bei dem die besten Spieler aus verschiedenen Weltregionen zusammenkommen. So erhält das Turnier ab 2027 nicht nur eine neue Qualifikationslogik, sondern auch eine eigene Identität, die besser zum internationalen Profil des Teilnehmerfeldes passt.