„Man hat mir Betrug vorgeworfen, weil ich über die Abwurflinie getreten bin“ – Chris Wickenden kämpft sich nach Dartitis zurück an die Schwelle zur PDC Tour Card

PDC
Dienstag, 23 Juni 2026 um 13:05
Chris Wickenden
Chris Wickenden gehört derzeit zu den spannendsten Geschichten auf der PDC Challenge Tour. Der Engländer hat sich in den vergangenen Monaten mit konstant starken Leistungen in den Vordergrund gespielt, einen Titel gewonnen und sich in der Rangliste weit nach oben gearbeitet. Dadurch erhält der 38-Jährige immer häufiger Einladungen für Turniere der ProTour und kann sich regelmäßig mit den besten Spielern der Welt messen.
Der Traum von der PDC Tour Card scheint für Wickenden greifbarer denn je. Nach Jahren voller Rückschläge und Umwege steht der Mann mit dem Spitznamen „Pugs“ unmittelbar vor dem größten Schritt seiner Karriere. Der Beiname begleitet ihn bereits seit seiner Kindheit. „Pugs stammt aus meiner Schulzeit“, verriet Wickenden im Gespräch mit Bang on Target. „Ich war etwa zehn Jahre alt, hatte einen rasierten Kopf mit einem blonden Pony. Ein älterer Schüler meinte, ich würde wie Pugsley aus der Addams Family aussehen. Seitdem bin ich diesen Namen nicht mehr losgeworden.“

Von der Dartitis ausgebremst – und doch nie aufgegeben

Wickenden ist bereits seit 2013 im Dartsport aktiv. Sein Weg verlief allerdings alles andere als geradlinig. Während er sich auf lokaler Ebene erste Erfolge erspielte und mehrere Titel gewann, wurde seine Entwicklung plötzlich durch Dartitis gestoppt.
Chris Wickenden
Chris Wickenden macht sich auf der Challenge Tour einen Namen
„Ich habe wegen Dartitis aufgehört“, erinnerte sich Wickenden. „Damals spielte ich wirklich gut und gewann einige lokale Turniere. Dann traf mich das gefürchtete D-Wort. Ich versuchte eine Zeit lang, dagegen anzukämpfen, aber das war unglaublich frustrierend.“
Zusätzlichen Ärger brachte ein Ligaspiel, das schließlich zu seinem Rückzug aus dem Dartsport führte. „In einem lokalen Ligamatch beschuldigte mich jemand des Schummelns, weil ich angeblich über das Oche getreten war. Danach herrschte völliges Chaos. Ich legte die Darts weg und widmete mich anderen Dingen wie Golf und Angeln.“
Es folgte eine lange Pause. Acht Jahre lang spielte Wickenden praktisch kein Wettkampfdarts mehr. Erst als frühere Mannschaftskollegen ein neues Team gründeten, kehrte er ans Oche zurück.
Die Probleme waren jedoch noch nicht verschwunden. Die Dartitis begleitete ihn weiterhin und machte ihm das Leben schwer. Dennoch entdeckte er die Freude am Spiel wieder.
„Damals war ich kein außergewöhnlicher Spieler, sondern eher ein ordentlicher Kneipenspieler, der davon träumte, ins County-Team zu kommen“, sagte Wickenden. „Als mich einige alte Teamkollegen fragten, ob ich wieder mitmachen würde, nahm ich die Darts erneut in die Hand. Die Dartitis war immer noch da. Ich verlor jedes Spiel, aber ich hatte Spaß und war jede Woche dabei.“
Trotz der Niederlagen blieb er hartnäckig. Die Wende kam bei einem Einzelturnier am Ende der Saison. Dort traf er auf seinen Teamkollegen Mick Hall.
„Meine Dartitis war immer noch schlimm, aber irgendwie habe ich dieses Match gewonnen“, berichtete Wickenden. Dieser Erfolg gab ihm neues Selbstvertrauen und markierte den Beginn seines sportlichen Wiederaufstiegs.

Challenge-Tour-Erfolge öffnen die Tür zur ProTour

Inzwischen hat sich Wickenden auf der Challenge Tour einen Namen gemacht. Sein aktueller siebter Platz in der Order of Merit verschafft ihm regelmäßig Startplätze bei Players Championship-Turnieren. Dort sammelt er wertvolle Erfahrungen gegen die Weltelite.
Die Challenge Tour gilt als eine der schwierigsten Turnierserien im Dartsport. Zahlreiche ambitionierte Spieler kämpfen dort um ihre Chance auf den Sprung in den Profi-Bereich. Wickenden hat sich in diesem Umfeld durchgesetzt und sich damit für höhere Aufgaben empfohlen.
Auch wenn die Ergebnisse auf der ProTour bislang noch ausbaufähig sind, konnte er bereits wichtige Akzente setzen. In der Players Championship Order of Merit liegt er derzeit auf Rang 141. Zwei Matchsiege gelangen ihm bislang, beide bei Players Championship 18 und 19.
Besonders sein 6:2-Erfolg gegen die damalige Nummer drei der Welt, Gian van Veen, sorgte für Aufmerksamkeit. Ein Sieg gegen einen Spieler dieses Kalibers bestätigte ihm, dass er auch auf höchstem Niveau konkurrenzfähig sein kann.
„Der Schritt auf die ProTour war großartig“, erklärte Wickenden. „Ich wusste schon lange, was in mir steckt. Oft hatte ich das Gefühl, mein Potenzial nicht vollständig ausgeschöpft zu haben. Entweder spielte ich bei großen Turnieren nicht mein bestes Darts oder ich brachte starke Leistungen und verlor trotzdem.“
Gerade auf der Challenge Tour musste er mehrfach erfahren, wie schmal der Grat zwischen Erfolg und frühem Ausscheiden sein kann.
„Ich bin ziemlich sicher, dass ich vor einigen Jahren zehn Challenge-Tour-Turniere in Folge mit einem Average von über 90 Punkten gespielt habe und trotzdem jeweils in der ersten Runde ausgeschieden bin“, sagte er. „Deshalb fühlt es sich besonders gut an, nun auf diesem Niveau zu spielen und zu sehen, wie mein Spiel gegen die Besten der Welt funktioniert.“
Der Engländer weiß, dass der Weg noch nicht zu Ende ist. Dennoch genießt er jede Gelegenheit, sich mit den Topstars der PDC zu messen.
Langfristig verfolgt er ein klares Ziel: den Dartsport zum Beruf zu machen. „Natürlich möchte ich dauerhaft auf der Tour spielen. Mit Darts seinen Lebensunterhalt zu verdienen, wäre großartig. Das ist der Traum, und dafür arbeite ich jeden Tag.“
Aktuell profitiert Wickenden von einer besonderen Situation. Dank seiner starken Platzierung auf der Challenge Tour erhält er ProTour-Einladungen und kann gleichzeitig weiterhin an Amateurturnieren teilnehmen. Diese Kombination verschafft ihm zusätzliche Spielpraxis und wertvolle Möglichkeiten, Preisgeld zu sammeln.
Mit dem sportlichen Aufstieg steigen allerdings auch die Kosten. Reisen, Unterkünfte und Turnierbesuche belasten das Budget zunehmend. Deshalb sucht Wickenden derzeit nach weiteren Unterstützern und Sponsoren.
„Ich arbeite aktuell mit Bardon Premier Management zusammen und habe einige Trikotsponsoren. Weitere Partner würden natürlich helfen. Auch ein Ausrüster wäre interessant, wenn der richtige Zeitpunkt kommt.“
Nach Jahren voller Rückschläge, einer langen Pause und dem Kampf gegen Dartitis steht Chris Wickenden heute näher an der PDC Tour Card als jemals zuvor. Seine Geschichte zeigt, dass Beharrlichkeit und Leidenschaft selbst die größten Hindernisse überwinden können. Für „Pugs“ könnte der Traum vom dauerhaften Platz auf der ProTour schon bald Realität werden.
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading