DISKUSSION | Slovak Darts Open: Ist Wessel Nijman bereit für einen Major-Titel? Schindler und Springer scheitern früh – Erfolgsserie gerissen

PDC
Montag, 22 Juni 2026 um 15:00
Wessel Nijman (1)
Am vergangenen Wochenende standen die Slovak Darts Open auf dem Programm. Wessel Nijman sicherte sich dabei den Titel und bezwang Rob Cross im Finale souverän mit 8:3. Steht der Niederländer nun vor dem Sprung zu den ganz großen Erfolgen?
Auch andere Themen sorgen für Gesprächsstoff: Dave Chisnall droht aktuell, die Qualifikation für das World Matchplay zu verpassen. Naht für manche Routiniers der Tour das Ende ihrer erfolgreichen Zeit?
Diese und weitere Fragen greifen wir auf und bitten unser Autorenteam um eine Einschätzung zu den Geschehnissen in Bratislava.

Ergebnisse des Finaltags im Überblick

Achtelfinale

Spieler 1 v Spieler 2
Rob Cross 6-5 Kevin Doets
Nathan Aspinall 6-0 Ryan Searle
Tom Sykes 6-4 Cameron Menzies
Jermaine Wattimena 6-5 Danny Noppert
Andrew Gilding 6-4 Michael van Gerwen
Ross Smith 6-4 Chris Dobey
Mike De Decker 6-5 Ryan Joyce
Wessel Nijman 6-1 Stephen Bunting

Viertelfinale

Spieler 1 v Spieler 2
Rob Cross 6-2 Nathan Aspinall
Tom Sykes 6-2 Jermaine Wattimena
Ross Smith 6-4 Andrew Gilding
Wessel Nijman 6-3 Mike De Decker

Halbfinale

Spieler 1 v Spieler 2
Rob Cross 7-2 Tom Sykes
Wessel Nijman 7-6 Ross Smith

Finale

Spieler 1 v Spieler 2
Wessel Nijman 8-3 Rob Cross

Deutsche Erfolgsserie gerissen

Theo Stodiek, Redakteur für DartsNews.de spricht unter anderem über die zusätzliche Bedeutung von Schindlers und Springers frühen Niederlagen.
„Die allererste Ausgabe der Slovak Darts Open ist Geschichte, und Wessel Nijman sowie Rob Cross lieferten eine herausragende Woche ab. Beide hatten bereits zuvor einen Players Championship-Titel gefeiert und legten in Bratislava starke Runs nach – keine Frage, sie waren die Spieler der Woche. Am Ende behielt der junge Niederländer die Oberhand und bezwang Voltage im Finale klar mit 8:3.“
„Neben den beiden Finalisten beeindruckte vor allem die großartige Unterstützung des slowakischen Publikums. Die Fans machten unmissverständlich klar, dass die Slovak Darts Open einen festen Platz auf der European Tour verdienen – kein Buhen, kein Pfeifen, nur eine wunderbar mitreißende Atmosphäre. Auch mehrere Spieler, darunter Nathan Aspinall und Rob Cross, lobten das Publikum während des Turniers ausdrücklich.“
„Für deutsche Darts-Fans verlief dieses Euro Tour Event allerdings wenig erfreulich. Martin Schindler und Niko Springer waren die einzigen deutschen Starter in Bratislava, und beide schieden bereits in ihrer Auftaktpartie aus. Damit endet eine Serie von sieben Euro Tours in Folge, bei denen am Sonntag mindestens ein deutscher Spieler den Finaltag erreicht hatte.“
Martin Schindler mit Faustgruß.
Martin Schindler konnte seine Serie nicht fortsetzen.
„Mit dem Turnierende bleiben nur noch zwei Players Championship Events, die das Rennen um das World Matchplay beeinflussen könnten – große Verschiebungen in der Tabelle erwarte ich allerdings nicht. Derzeit belegt Damon Heta den letzten Quali-Platz in der Pro Tour Order of Merit. Der Australier liegt 5,25k Punkte vor Dave Chisnall, der damit erstmals seit 15 Jahren das World Matchplay verpassen würde. Schindler und Springer haben ihre Plätze in den Winter Gardens längst sicher und stehen auch im Rennen um die European Championship in Dortmund gut da. Springer, der niedriger platzierte der beiden, verfügt weiterhin über ein Polster von 6.000 Punkten auf den ersten Spieler außerhalb der EM-Quali-Zone. Die frühen Niederlagen in Bratislava dürften die Qualifikation für beide Turniere daher kaum gefährden.“
„Ein weiterer Name verdient besondere Aufmerksamkeit: Tom Sykes. Er schaltete nicht nur Schindler und Springer aus, sondern erreichte bei seinem Debüt auch bemerkenswert ein European-Tour-Halbfinale. Nach den beiden Deutschen bezwang er Cameron Menzies, der tags zuvor bereits „Iceman“ Gerwyn Price gestoppt hatte. Im Viertelfinale setzte sich Sykes gegen „The Machine Gun“ Jermaine Wattimena durch, bevor ihn im Halbfinale ein stabiler 98er-Average von Rob Cross stoppte. Dort zeigte sich seine fehlende Erfahrung: Die langen, kräftezehrenden Finaltage der European Tour, an denen Spieler über mehrere Matches hinweg bestehen müssen, um den Titel zu holen, kannte Sykes bislang nicht – und am Ende gingen ihm schlicht die Kräfte aus.“

Nijman- und Cross-Glanztaten unterstreichen die Stärke des ProTour-Systems

Samuel Gill, Chefredakteur von DartsNews.com, sieht darin ein Zeugnis für das ProTour-System, dass die Akteure der Schlussrunden allesamt herausragende Jahre spielen.
„Dieses Jahr erzählt die Geschichte von Wessel Nijman, der weiterhin begeistert und nun mit zwei European-Tour-Titeln im Gepäck nicht mehr nur als Spieler gilt, der es auf der ProTour kann und sonst wenig.“
„Aber auch andere wie Ross Smith, Rob Cross und sogar Tom Sykes, die es in die späten Runden geschafft haben, spielen brillante Jahre und zeigen, dass der Weg von der Floor-Tour auf die große Bühne führt.“
„Sykes hatte immer Talent, aber es auf der großen Bühne zu entfesseln, ist der Schlüssel. Das hat er an seinem Debütwochenende in Hülle und Fülle getan. Ein echter Moment, die Chance zu packen.“
„Ich sehe Nijman noch dieses Jahr ein Major gewinnen oder Teil der kommenden Premier-League-Gespräche zu sei . Bei Cross bin ich mir unsicher, er kann in Blackpool genauso gut in Runde eins rausgehen wie das Turnier gewinnen. Dennoch gute Anzeichen.“

Gefahr für Chisnall und Co.

Lucas Michael, Redakteur bei DartsNews.com, weist zudem auf die reale Gefahr für große Namen hin, das World Matchplay zu verpassen.
„Ein gelungener Trip nach Bratislava markiert den ersten Titel der Slovak Darts Open auf der European Tour. Neu ist das für Wessel Nijman allerdings nicht – er holt regelmäßig PDC-Titel. Zwei Triumphe in einer Woche: Kann ihn überhaupt noch jemand stoppen? Er bringt das komplette Paket mit: starkes Scoring, eiskaltes Finishing und ein feines Gespür für ein großes Finish, wie die 161 im Halbfinale eindrucksvoll zeigte.“
„Niemand zweifelt daran, dass er auch auf der Major-Bühne überzeugen kann. Für mich entscheidet vor allem das Timing. Bis September passiert neben dem World Matchplay nicht viel auf Major-Ebene, danach folgen die großen Turniere im dichten Takt. Ob Nijman seine überragende Form bis dahin hält oder der Trend nur den ersten Teil des Jahres prägt, bleibt offen.“
„Es freut mich sehr, Rob Cross wieder in Bestform zu sehen. Die Qualifikationen für World Matchplay, World Grand Prix und European Championship stehen praktisch fest. Damit fällt eine enorme Last von den Schultern des Ex-Weltmeisters, dessen Preisgeld nun gesichert ist. Zufrieden wird er sich damit aber nicht geben – als Gewinnertyp will er um die größten Titel mitspielen. Vor zwei Jahren stand er als Nummer vier der Welt und in der Premier League Darts. Private Ereignisse rückten danach in den Vordergrund, doch dieses Finale, untermauert vom ProTour-Titel unter der Woche, lässt hoffen, dass „Voltage“ seine früheren Probleme endgültig hinter sich lässt.“
Dave Chisnall klatscht.
Dave Chisnall schaut zu.
„Das Rennen um Blackpool nähert sich dem Ende. Nur zwei Floor-Events bleiben bis zum Stichtag, und vieles spricht dafür, dass dies die letzte große Chance ist. Ich erwarte in den Top 16 keine weiteren Verschiebungen mehr – das bedeutet, Dave Chisnall fehlt erstmals seit 2010 in Blackpool. So schmerzlich dieses Fehlen wirkt, verdient hat er den Platz zuletzt nicht mehr. Zahllose Chancen ließ er ungenutzt, seine Form brach komplett ein. Ähnlich wie bei Peter Wright hoffe ich, dass er nicht weiter abrutscht und nicht für den Rest seiner Karriere bei einem Average um die 80 oder niedrige 90 hängen bleibt.“
„Im Rennen um die restlichen Plätze haben die meisten großen Namen ihre Aufgabe offenbar bereits erledigt. Fragezeichen bleiben bei Damon Heta und Cameron Menzies, je nachdem, wie der 6. und 7. Juli verlaufen. Cross gilt als nahezu sicher, ebenso Daryl Gurney, Ryan Joyce und Joe Cullen, die genug Preisgeld für die Rückkehr in die Winter Gardens gesammelt haben. Schade ist, dass entweder Sebastian Bialecki oder Karel Sedlacek am Ende nicht mehr mithalten konnte. Timing entscheidet im Darts eben vieles: Ihr Niveau auf der PDC Tour ließ zuletzt etwas nach, und sie konnten den Angriff nicht fortsetzen. Oder doch? Voreilig sollten wir die beiden nicht abschreiben – schließlich lauert auch Kim Huybrechts bereits in Position.“

Tom Sykes ein echter Gewinn für die aufstrebende European Tour

Mats Leering, Redakteur bei DartsNieuws.com, blickte sehr positiv auf die niederländischen Hoffnungen und zollte zugleich Tom Sykes nach einer unglaublichen Halbfinal-Niederlage Respekt.
„Trotz des Fehlens mehrerer Topspieler lieferte die erste Ausgabe der Slovak Darts Open jede Menge Unterhaltung. Und wer sonst als Wessel Nijman stahl erneut die Show? Der Niederländer hatte bereits zur Wochenmitte seinen sechsten Players Championship-Titel eingefahren und fügte seiner Sammlung nun einen zweiten European-Tour-Titel hinzu. Nijman gewinnt einfach weiter und klettert stetig Richtung Top 10 der Welt. Auch die Liste seiner Opfer beeindruckt: Stephen Bunting, Mike De Decker und Ross Smith mussten sich allesamt geschlagen geben, bevor Rob Cross im Finale folgte. Ich freue mich schon sehr auf das World Matchplay im nächsten Monat und hoffe, dass Nijman diese Form auch bei den Major-Turnieren zeigt und dort vielleicht sogar um den Titel mitspielt. Er bringt alles mit, was es braucht, um schon bald ein Major zu gewinnen.“
„Auch der zweite Finalist, Rob Cross, findet langsam wieder zu seiner Form. Genau wie Nijman hatte er bereits zur Wochenmitte ein ProTour-Event gewonnen und nahm diesen Schwung mit nach Bratislava. Es freut mich sehr, dass der ehemalige Weltmeister nach einem leichten Formtief zurück auf seinem besten Niveau angekommen ist.“
Tom Sykes hebt die Arme.
Tom Sykes war in Bratislava brillant.
„Für mich zählten auch die Debütanten Tom Sykes und Tyler Thorpe zu den herausragenden Namen des Wochenendes. Thorpe schied zwar in seinem zweiten Match aus, schlug aber in der Auftaktpartie Karel Sedlacek mit einem Average von über 103. Sykes setzte dagegen ein echtes Ausrufezeichen: Bei seinem Euro-Tour-Debüt erreichte er auf Anhieb das Halbfinale und bezwang dabei einige der größten Namen des Sports. Niko Springer, Martin Schindler, Cameron Menzies und Jermaine Wattimena mussten sich ihm allesamt beugen, gegen Springer überzeugte Sykes sogar mit einem Average von 103,64. Es würde mich daher nicht wundern, ihn künftig öfter auf solchen Bühnen zu sehen. Der Engländer wirft flüssig und zeigt schon jetzt kaum Nerven – für mich definitiv ein Gewinn für die Euro Tour.“

Happy Wife, Happy Life oder doch nicht für Cross

Pieter Verbeek, Redakteur bei DartsNieuws.com, sah die Tatsache, dass die Redewendung Happy Wife, Happy Life für Cross in der Realität nahezu das Gegenteil bedeutet, da er sich von seiner Frau Georgia getrennt hat und seitdem wieder in Form ist – egal ob ironischerweise oder bloßer Zufall.
„Mit dem Triumph in Bratislava feierte Wessel Nijman bereits seinen achten ProTour-Titel in dieser Saison. Diese Zahlen beeindrucken: Man kann ihn schon jetzt fast für ein zweistelliges Ergebnis vor Jahresende einplanen. Nur Phil Taylor 2008 sowie Michael van Gerwen 2016 und 2018 holten in einer Saison bislang ebenfalls zehn oder mehr ProTour-Titel.“
„In der virtuellen Weltrangliste nach der World Darts Championship steht Nijman aktuell auf Rang acht. Der Abstand zu den Top Vier fällt überschaubar aus, weshalb der Niederländer vorsichtig schon von einem Premier-League-Darts-Debüt im nächsten Jahr träumen darf. Diesen Traum muss er sich allerdings auf den großen Bühnen erst verdienen. Deshalb interessiert mich besonders, wie er sich beim World Matchplay im Juli gegen die Allerbesten schlägt.“
„In England heißt es oft: ‚Happy Wife, Happy Life‘ – bei Rob Cross scheint derzeit das Gegenteil zu gelten. Anfang dieses Monats verkündete Cross die Trennung von Georgia, und seitdem gewann „Voltage“ ein Players Championship-Event und erreichte nun zusätzlich das Finale eines European-Tour-Turniers. Um seine Major-Qualifikationen in dieser Saison muss sich Cross keine Sorgen mehr machen. Der Engländer dürfte bei allen großen TV-Events des Sports am Start stehen und sich als gefährlicher Außenseiter erweisen, der an jedem beliebigen Abend selbst die Favoriten stürzen kann.“
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