Der finanzielle Druck auf Profidartspieler außerhalb der absoluten Weltspitze bleibt ein zentrales Thema innerhalb der PDC. Für Spieler, die außerhalb der Top 64 der Weltrangliste stehen, ist es besonders schwierig, die Kosten für eine komplette Saison zu tragen. Reise- und Übernachtungskosten steigen schnell, während das Preisgeld in den ersten Runden oft kaum ausreicht, um diese Ausgaben zu decken.
Adam Paxton, der seit 2025 über eine
PDC Tour Card verfügt, fordert daher, ernsthaft zu prüfen, wie Spieler außerhalb der Spitze besser unterstützt werden können. Der Engländer sieht mehrere Ansätze, um den finanziellen Druck zu mindern. So könnte die PDC Akteuren außerhalb der Top 64 mehr Freiheit geben, an anderen Ligen und Turnieren teilzunehmen.
„Es muss etwas passieren“, sagt Paxton. „Ob es darum geht, Spielern die Teilnahme an anderen Turnieren zu erlauben, ohne dass alles so monopolisiert ist, oder ob wir zum alten Gedanken zurückkehren: Sollten wir bezahlt werden? Meiner Meinung nach ja.“
Erste Runde zu gewinnen, reicht nicht immer
Die Debatte dreht sich laut Paxton vor allem um die enormen Einkommensunterschiede im Profidarts. An der absoluten Spitze werden hohe Beträge verdient, doch für Spieler, die sich in der PDC Order of Merit noch nach oben arbeiten, sieht es völlig anders aus.
Ein Sieg in Runde eins bringt zwar Preisgeld, doch laut Paxton ist dieser Betrag nicht automatisch ein finanzieller Gewinn. Gerade wenn ein Spieler mehrere Tage unterwegs ist und Hotel-, Reise- sowie Nebenkosten trägt, bleibt von einem Sieg oft kaum mehr übrig als die Deckung der Ausgaben.
„Brauchst du als Sieger einer ersten Runde wirklich diese extra 250 Pfund?“, fragt sich Paxton. „Es ist natürlich schön, wenn du das bekommst, aber wenn du mit zwei Profis reist und beide eine erste Runde gewinnen, habt ihr 500 Pfund extra. Das deckt zumindest einen großen Teil der Wochenkosten.“
Damit spricht Paxton ein Problem an, das viele Akteure außerhalb der etablierten Spitze trifft. Ein Profi-Dartsleben bedeutet nicht nur Matches spielen. Die Spieler müssen regelmäßig reisen, Hotels buchen und teils mehrere Tage vor Ort bleiben. Fällt das Ergebnis schwach aus, können die Kosten schnell höher sein als das erzielte Preisgeld.
„Das meiste Preisgeld fließt zur Spitze“
Laut Paxton ist das aktuelle System zudem stark auf die Elite der Sportart zugeschnitten. Das hat kommerzielle Vorteile, führt aber dazu, dass die Spieler am unteren Ende der Profileiter finanziell kaum mithalten können.
„Das Preisgeld ist aus bestimmten Gründen für die Topspieler sehr hoch“, erklärt er. „Das ist großartig für die PR. Es ist schön sagen zu können, dass der Sieger so viel Geld gewonnen hat. Aber es ist nicht großartig für diejenigen, die sich nicht qualifizieren oder weiter unten stehen und nur gelegentlich einen Sieg holen.“
Genau diese Spieler sind laut Paxton ein wesentlicher Teil des professionellen Circuits. Sie füllen die Turniere und stehen Woche für Woche auf der ProTour. Gleichzeitig befinden sie sich finanziell in einer völlig anderen Lage als diejenigen, die regelmäßig Viertel-, Halbfinals und Finals erreichen.
Paxton versteht daher nicht, warum sich an der Unterstützung für diese Gruppe bislang wenig geändert hat.
Luke Littler ist unangefochten die Nummer eins der Weltrangliste, Adam Paxton steht aktuell auf Platz 98
Beispiel aus dem Snooker
Paxton verweist auch auf das Profisnooker. „Wenn du dort eine Tourkarte hast, erhältst du einen bestimmten Mindestbetrag pro Jahr.“
Der Vergleich mit Snooker ist laut Paxton spannend, weil beide Sportarten unter derselben großen organisatorischen Klammer laufen. Zudem werden sie häufig miteinander verglichen. Wenn es im Snooker Veränderungen gibt, schaut die Dartswelt oft, ob sich Ähnliches übertragen lässt. In diesem Punkt bleibt die Entwicklung bislang jedoch aus.
„Darts ist der größte Geldbringer“
Paxton verweist dabei auch auf eine Netflix-Dokumentation über Matchroom, die er gesehen hat. Laut dem Engländer wurde darin gesagt, dass Darts innerhalb der Organisation der größte Geldbringer sei. „Dann frage ich mich: Warum ist es nicht möglich, auch den niedriger platzierten Spielern mehr Geld zukommen zu lassen?“
Genau dieser Widerspruch stört ihn. Profidarts hat in den vergangenen Jahren enorm zugelegt. Turniere finden vor immer größerem Publikum statt, die TV-Präsenz wächst und der kommerzielle Wert der Sportart ist stark gestiegen.
Gleichzeitig gibt es Spieler, die auf höchstem Niveau als Profis gelten, aber finanziell kaum in der Lage sind, ausschließlich vom Darts zu leben.
Professionell sein müssen, ohne professionelle Sicherheit
Dieses Problem ist laut Paxton in den vergangenen Jahren durch die Art und Weise, wie die PDC ihren Kalender gestaltet hat, sogar größer geworden. „Erst ging es von den Wochenenden auf Wochentage“, erklärt er. „Dadurch wurdest du mehr oder weniger gezwungen, Profi-Darter zu werden, statt neben dem Dartsport normal weiterzuarbeiten.“
Für Paxton liegt darin ein grundlegender Widerspruch. Ein Spieler muss unter der Woche für PDC-Turniere verfügbar sein und kann daher eine normale Anstellung kaum noch mit seiner Dartskarriere verbinden. Gleichzeitig bietet der Sport nicht automatisch die finanzielle Sicherheit, die nötig ist, um ausschließlich vom Darts zu leben. „Es nimmt dir deinen Job weg, oder zumindest einen Teil davon“, sagt Paxton. „Du musst deinen Job aufgeben oder weniger arbeiten, um Profi-Darter sein zu können.“
Und hier zeigt sich für ihn der Kern des Problems. „Aber anschließend wirst du nicht dafür bezahlt. Von uns wird verlangt, Profi-Darter zu sein und Darts zu unserem Beruf zu machen, aber wir werden dafür nicht entlohnt. Du musst also deinen Job aufgeben oder zumindest einen Teil davon, ohne dafür finanzielle Sicherheit zurückzubekommen.“
Freiheit, anderswo zu spielen
Eine mögliche Lösung sieht Paxton in einer Lockerung der Regeln für die Teilnahme an anderen Wettbewerben. Spieler außerhalb der Top 64 sollten seiner Ansicht nach mehr Möglichkeiten erhalten, ihr Einkommen aufzubessern, indem sie auch außerhalb des PDC-Zirkus aktiv sind.
Dabei nennt er unter anderem die MODUS Super Series als Beispiel. In der Vergangenheit hat die PDC in bestimmten Fällen bereits Ausnahmen zugelassen. So erhielt Raymond van Barneveld vor einigen Jahren die Erlaubnis, an der World Seniors Darts Championship teilzunehmen – trotz seiner Verpflichtungen innerhalb der PDC.
Für Paxton beweist das, dass es sehr wohl Spielraum gibt, individuelle Situationen zu berücksichtigen. „Es muss etwas passieren“, betont er. „Entweder lässt man Spieler an anderen Turnieren teilnehmen, ohne dass alles so monopolisiert ist, oder man entwickelt ein System, in dem Spieler bezahlt werden.“
Es geht ihm dabei nicht darum, die PDC oder das aktuelle Profisystem zu untergraben. Paxton plädiert vor allem für eine Situation, in der Spieler, die ihr Leben komplett um Darts herum organisieren müssen, auch genügend finanzielle Sicherheit haben, um das tatsächlich tun zu können.
Ein Problem, das über Paxton hinausgeht
Paxton ist keineswegs der einzige Spieler, der mit solchen Herausforderungen konfrontiert ist. Für Akteure, die gerade ihre PDC Tour Card gewonnen haben, ist der Schritt ins Profi-Lager besonders groß. Eine Tour Card eröffnet den Zugang zu den wichtigsten PDC-Events, garantiert aber kein hohes Einkommen.
Paxton sicherte sich seine PDC Tour Card 2025 bei der Q-School und startete anschließend in seine ersten vollen Jahre auf der PDC ProTour. Für Spieler in dieser Position zählt jedes gute Ergebnis. Ein paar frühe Niederlagen können bedeuten, dass kaum Preisgeld hereinkommt, während Reise- und Startkosten unverändert weiterlaufen.
Deshalb findet Paxton, dass sich die Diskussion nicht ausschließlich um die absolute Spitze des Sports drehen darf. Das Wachstum des Darts sollte sich seiner Meinung nach auch darin zeigen, wie Spieler weiter unten im Ranking behandelt werden.
Seine Botschaft ist entsprechend klar: Wenn Spieler verpflichtet werden, ihr Leben vollständig auf eine professionelle Dartslaufbahn auszurichten, muss dem auch eine Form finanzieller Absicherung gegenüberstehen.
„Meiner Ansicht nach funktioniert das so einfach nicht ganz“, schließt Paxton. „Du wirst aufgefordert, Profi-Darter zu sein, aber gleichzeitig wird nicht dafür gesorgt, dass du davon finanziell leben kannst.“