2026 ist für Joe Hunt das Jahr, in dem er erstmals ins große Rampenlicht des professionellen Darts rückt – und vieles deutet darauf hin, dass seine Reise gerade erst begonnen hat. Seine Erfolge auf der Challenge Tour eröffneten ihm die Möglichkeit, sich erstmals regelmäßig auf der PDC Pro Tour zu beweisen. Diese Chance hat der 33-Jährige eindrucksvoll genutzt. Die nächste Belohnung dürfte schon bald folgen: Auftritte bei den großen TV-Turnieren rücken immer näher.
Doch auch abseits der Dartscheibe ist Hunts Alltag alles andere als ruhig. „Ich lebe auf der Isle of Wight. Verheiratet bin ich nicht, aber ich habe eine Partnerin und wir haben vier Kinder“, erzählte er gegenüber „Bang on Target“. Neben dem Dartsport gehört vor allem Fußball zu seinen Leidenschaften. „Abseits von Darts ist Fußball eines meiner Haupthobbys und ich bin Crystal-Palace-Fan. Früher habe ich selbst gespielt, aber inzwischen geht’s mehr ums Zuschauen, weil ich nicht mehr hinterherlaufen kann!“
Familie, Fußball und gelegentlich eine Runde Golf
Hin und wieder zieht es Hunt zudem auf den Golfplatz. Seine wichtigste Rolle abseits des Oches ist für ihn jedoch die des Familienvaters. „Manchmal spiele ich auch gern eine Runde Golf. Wenn ich nicht am Oche stehe, bin ich total der Familienmensch. Ich liebe es, zu Hause zu sein, Zeit mit den Kindern zu verbringen und gemeinsame Familientage zu genießen.“
Die große Bühne im Alexandra Palace ist das Ziel eines jeden Dartsprofis – für Joe Hunt könnte dieser Traum bei der kommenden PDC-Weltmeisterschaft erstmals Realität werden.
Wie bei jedem Profi begann auch Hunts Laufbahn irgendwann ganz unscheinbar. Seine ersten Darts warf er in der Kneipe seiner Mutter – und ursprünglich ging es ihm dabei vor allem darum, sich die Zeit zu vertreiben.
„Dort habe ich als Junge angefangen, Darts zu werfen – wirklich aus purer Langeweile“, erinnert er sich. „Ich stand unten an der Theke und habe geworfen und hatte immer das Gefühl, dass ich es kann.“
Dass Hunt tatsächlich über außergewöhnliches Talent verfügte, zeigte sich früh. Noch bevor er überhaupt Teenager war, konnte er bereits mit deutlich erfahreneren Spielern mithalten – und sie schlagen. „Ich glaube, ich habe mit etwa 12 Jahren gegen das Kneipenteam gespielt. In der Liga durfte ich erst mit 13 antreten, aber da habe ich sie schon alle geschlagen!“
Auch der Altersunterschied konnte seinen Aufstieg nicht bremsen. Hunt entwickelte sich schnell weiter und verfolgte dabei einen großen Traum: Eines Tages wollte er als Profi gegen die besten Dartspieler der Welt antreten.
Ein beachtliches Debüt auf der PDC Pro Tour
2026 hat Hunt auf der PDC Pro Tour bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er dort mithalten kann. Als derzeitiger Zweiter der Challenge Tour Order of Merit erhielt er die Gelegenheit, bei zahlreichen Players-Championship-Turnieren nachzurücken – und diese Chancen wusste der Engländer optimal zu nutzen.
Im Qualifikationsrennen für die Players Championship Finals in Minehead belegt Hunt mittlerweile Rang 29, zudem zeichnet sich zum Jahresende eine Premiere im Alexandra Palace ab. Entsprechend zufrieden kann der 33-Jährige auf seine bisherige Entwicklung im Jahr 2026 blicken. Auf der Challenge Tour sicherte er sich darüber hinaus bereits drei Titel.
Ob ihn seine starken Ergebnisse selbst überrascht haben? „Ja und nein. Mein Hauptziel war es, ein paar mehr Pro-Tour-Nachrückerstarts zu bekommen und, falls ich keine Tour Card hole, so viel Erfahrung wie möglich zu sammeln. Aber natürlich ist es schon überraschend, in der Position zu sein, in der ich jetzt bin, und so stark ins Jahr gestartet zu sein.“
Mittlerweile darf sich Hunt sogar auf die großen TV-Turniere freuen. „Der größte Knaller war wohl die Qualifikation für die TV-Majors. Die Players Championship Finals sind fix und die Worlds ebenfalls. Ja, man kann definitiv sagen, dass die TV-Events überraschend kamen.“
Für Hunt ist das ein gewaltiger Schritt in seiner Karriere. Inzwischen misst er sich regelmäßig mit Spielern wie Luke Littler, Luke Humphries und Michael van Gerwen sowie weiteren Stars der Premier League Darts. Gleichzeitig räumt er ein, dass er zunächst etwas Zeit benötigte, um seinen Rhythmus auf der Tour zu finden. Die anfängliche Einschüchterung, die er als Neuling verspürte, hat er mittlerweile jedoch abgelegt.
„Ich fühle mich auf der Pro Tour jetzt deutlich wohler“, bestätigt Hunt. „Am Anfang war es etwas einschüchternd. Die ersten Spiele auf dem Stream waren ziemlich schwierig, weil ich mich nicht so sehr auf die Darts konzentriert habe, wie ich es sollte.“
Mit zunehmender Erfahrung lernte Hunt, die Kameras und die damit verbundenen Ablenkungen auszublenden und seine Aufmerksamkeit vollständig auf das eigene Spiel zu richten. „Ich war mir der Kameras bewusster und dachte über meine Aktionen und mein Tun nach. Man braucht etwas Zeit, um sich daran zu gewöhnen, aber jetzt fühle ich mich definitiv viel wohler.“
Das Rennen um die Tour Card
Hunts nächstes großes Ziel ist die PDC Tour Card. Da seine Teilnahme an den Players Championship Finals und der PDC Darts WM so gut wie sicher ist, liegt der Engländer im Rennen um die Tour Card derzeit auf Rang 82. Einige Siege auf den großen Bühnen und möglicherweise ein oder zwei tiefe Runs bei den Floor-Turnieren könnten ihm dabei helfen, die Tour Card auf diesem Weg zu sichern.
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um in der Rangliste mitzumachen.
Womöglich wird Hunt diesen Umweg allerdings gar nicht benötigen. Dank seiner herausragenden Ergebnisse auf der Challenge Tour liegt er aktuell fast 4.000 Pfund vor dem drittplatzierten Tommy Lishman auf dem zweiten Rang. Die beiden bestplatzierten Spieler erhalten jeweils eine Tour Card – und Hunt befindet sich damit in einer hervorragenden Ausgangsposition, sich sein Ticket für die Pro Tour auf diesem Weg zu sichern.
Sollte es wider Erwarten nicht reichen, steht für den ehrgeizigen Engländer bereits fest, dass er erneut bei der Q-School antreten wird. „Ich gehe auf jeden Fall wieder zur Q-School“, erklärt Hunt. „Wenn ich keine Tour Card hole, treibt mich das nur noch mehr an, diesem Traum nachzujagen. In meiner aktuellen Position wäre es schwer, die Tour Card nicht zu holen. Hoffentlich muss ich den Weg nicht gehen, aber wenn doch, bin ich da.“
Der Dartsport bietet Spielern inzwischen zahlreiche unterschiedliche Wege, sich auf hohem Niveau zu beweisen. Die MODUS Super Series, die ADC, die Vaults und auch die Challenge Tour ermöglichen es, regelmäßig gegen starke Gegner anzutreten. Hunt verfolgt jedoch ein größeres Ziel: Er möchte Woche für Woche gegen die besten Spieler der Welt spielen – und zugleich von den attraktiven Möglichkeiten profitieren, die das Leben als PDC-Profi bietet.
„Ich gehe notfalls zur Q-School, denn am Ende will ich gegen die besten Spieler der Welt antreten. Klar, das bringt Opfer mit sich, weil wir dann nicht bei MODUS, ADC, Challenge Tour oder Vault Events spielen würden.“
Auch der finanzielle Aspekt spielt für Hunt eine wichtige Rolle, schließlich könnte sich Darts schon bald zu seinem Vollzeitberuf entwickeln. „Aber das meiste Geld und die größten Chancen gibt es auf der Pro Tour, daher hätte ich viel lieber eine Tour Card, als Vaults, MODUS oder Challenge Tour zu spielen. Für mich ist das das klare Ziel und der Grund, warum ich es angehe.“
Für nahezu jeden Dartspieler ist ein Auftritt im Alexandra Palace und die damit verbundene Teilnahme an der PDC World Darts Championship eines der größten Ziele überhaupt. Die WM-Bühne bietet eine gewaltige Chance und kann einer Karriere einen entscheidenden Schub verleihen. Hunt hat den Ally Pally inzwischen fest im Blick – und gewöhnt sich zunehmend an den Gedanken, künftig regelmäßig auf großen TV-Bühnen vor Kameras zu stehen.
„Ja, die Saison hat meine Erwartungen definitiv übertroffen und überrascht mich immer weiter. Ich hatte kaum die Gelegenheit, mich zurückzulehnen und zu schauen, was ich eigentlich gerade leiste, weil ich einfach immer weitermache, also blieb keine Zeit, darüber nachzudenken“, gibt Hunt zu.
Gelegentlich gibt es allerdings doch Augenblicke, in denen ihm bewusst wird, wie weit er innerhalb kurzer Zeit gekommen ist. „Es gibt schon Momente, in denen ich da sitze und denke: ‚Mensch, ich stehe jetzt auf der großen Bühne, vor TV-Kameras und allem, was dazugehört.‘ Aber genau dort will ich sein, und je öfter ich es erlebe, desto natürlicher fühlt es sich an, auf der großen Bühne zu stehen.“
Mit den bevorstehenden TV-Auftritten geht es für Hunt nicht nur darum, vor Tausenden Zuschauern Darts zu spielen. Auch die Wahl des eigenen Walk-on-Songs gehört zum Erlebnis auf der großen Bühne. Eine Entscheidung, die durchaus eine wichtige Rolle spielen kann, schließlich kann die richtige Einlaufmusik dabei helfen, schnell eine besondere Verbindung zum Publikum aufzubauen.
Welcher Song ihn künftig auf die Bühne begleiten könnte, wollte Hunt allerdings noch nicht verraten. „Ja, wie gesagt, Ally Pally war ein Traum, der jetzt wahr geworden ist. Habe ich einen Walk-on-Song? Jein! Ich habe einen, auf den ich zurückgreifen kann, aber sobald der Rest der Challenge Tour durch ist und es auf mein erstes TV-Event auf der Bühne zugeht, schaue ich mir das in Ruhe an und sehe, ob ich noch etwas anderes finde.“
Sollte Hunt keine passendere Alternative entdecken, wird er bei seiner bisherigen Wahl bleiben. Für die Fans soll der Song in jedem Fall eine Überraschung werden. „Wenn nicht, bleibe ich bei dem, was ich kenne. So oder so wird es für alle Zuschauer eine Überraschung, denn ich verrate ihn dir garantiert nicht!“
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.