Beim
European Darts Grand Prix in Sindelfingen sicherte sich Gerwyn Price seinen zehnten European-Tour-Titel mit einem Finalsieg gegen Ross Smith. Doch im
Podcast Tops Tops Tops mit Adrian Geiler, Fabian Dippold und Max Meintz rückte vor allem ein anderer Spieler in den Fokus: Deutschlands Nummer eins
Martin Schindler.
Als es um die Gewinner des Turniers ging, stellte Adrian Geiler direkt klar: „Es ist natürlich Martin Schindler und sein Wochenende. Es sind natürlich nur zwei Siege die er geholt hat. Aber es ist viel mehr als das was er geholt hat.“ Auf die Frage, ob das Achtelfinale gegen Jonny Clayton die Wende für Schindler im Jahr 2026 darstellt, antwortete er deutlich: „Nein. Es war der Sieg gegen Damon Heta.“
Max Meintz zeigte sich hingegen noch zurückhaltend: „Das kann man noch nicht sagen. Es war nur ein Turnier, wir schauen jetzt mal auf die nächsten Turniere.“ Er betonte die fehlende Konstanz: „Wenn uns Schindler eine Sache nicht gezeigt hat, dann war es eben diese Stabilität.“ Zwar habe es immer wieder gute Auftritte gegeben, etwa bei den UK Open, doch daran konnte er bislang nicht anknüpfen.
Gleichzeitig hob Meintz das Potenzial hervor: „Wenn er den Matchdart gegen Price im Viertelfinale macht, wissen wir nicht, wie weit es geht.“ Gegen Spieler wie Wessel Nijman oder Ross Smith wäre einiges möglich gewesen. Sein Fazit: „Es war überzeugend, trotzdem würde ich jetzt sagen, wir warten einfach mal. Obwohl es das beste Wochenende war, das er dieses Jahr gespielt hat.“
Der Schlüsselmoment gegen Heta
Für Fabian Dippold war die Partie gegen Damon Heta der entscheidende Wendepunkt – oder zumindest ein Befreiungsschlag. „Ich würde sogar sagen, dass es einen bestimmten Moment gab im Spiel gegen Damon Heta“, erklärte er. Die vergangenen Monate seien „zum Verzweifeln“ gewesen, gerade für Schindler selbst.
Der Start ins Match gegen Heta spiegelte diese Probleme wider. Schindler streute ungewöhnlich viel, darunter Single 5, Single 1 und Triple 3. Nach drei Legs hatte er bereits 14 Aufnahmen ohne Triple-Treffer. Adrian Geiler ergänzte: Bis zur ersten 180 im vierten Leg lag sein Average lediglich bei 65 Punkten.
Doch genau diese 180 veränderte alles. „Die nächste Aufnahme ohne Tripletreffer kam erst in Leg 7. Nach dieser 180 hat er komplett den Switch gefunden und ist durchgedreht“, analysierte Dippold . Dieser Moment könnte entscheidend für die Zukunft sein: „Ich komme mit einem schlechten Gefühl auf die Bühne und verlasse sie mit einem guten Gefühl – das ist sehr wichtig für ihn.“
Tatsächlich spielte Schindler nach diesem Zeitpunkt einen Average von 108 Punkten und drehte die Partie noch zu seinen Gunsten. Am Ende stand ein 92er Average, der die enorme Leistungssteigerung innerhalb des Matches unterstreicht.
Selbstvertrauen wächst trotz verpasster Chance
Adrian Geiler ordnete diesen Umschwung noch einmal präzise ein: „Nach dieser 180 spielte er einen Average von 108 Punkten, um gegen Damon Heta zu gewinnen. Er muss eigentlich 0:4 zurückliegen und hat Glück, dass Heta diese Chancen nicht nutzt. Am Ende ist es ein 92er Average.“ Gerade dieser Average zeigt, wie stark Schindler nach dem schwachen Beginn performte. Über weite Strecken lag er zuvor unter 70 Punkten.
Der Sieg setzte offenbar Kräfte frei. „Er ist dann komplett steil gegangen nach diesem Sieg, weil halt so viel drumherum negativ war“, erklärte Geiler. Auch persönliche Eindrücke bestätigten das Bild: „Ich habe mich mit ihm in Neu-Ulm unterhalten. Er war nicht so euphorisch und auch Denise nicht. Die wissen schon, dass das gerade nicht so easy ist.“
Schindler selbst sprach danach offen über den Druck. Als Top-16-Spieler habe er sich möglicherweise zu viel vorgenommen und wollte dieser Rolle unbedingt gerecht werden. Der schwache Saisonstart sei die Folge gewesen, den er nun Schritt für Schritt abschüttelt.
Nach dem schwierigen Beginn gegen Heta folgten starke Auftritte. Beim 6:1 gegen Jonny Clayton profitierte er zwar von einem schwächeren Gegner, überzeugte aber mit einem 101er Average. Im Viertelfinale gegen Gerwyn Price zeigte er trotz angeknackstem Selbstvertrauen ebenfalls eine starke Leistung.
Besonders im Decider wurde deutlich, wie knapp Schindler am Halbfinale vorbeischrammte. Bei 130 Rest hatte er einen Matchdart, zudem verhinderte ein Bouncer eine noch bessere Ausgangsposition. „Dann wissen wir nicht, ob Gerwyn Price dieses Spiel wirklich gewinnt“, so Geiler.
Erschwerend kamen die äußeren Bedingungen hinzu. Die harten Boards liegen Schindler aufgrund seines Wurfstils nicht optimal. Umso bemerkenswerter war es, dieses Niveau über ein ganzes Wochenende zu halten. „Diese Leistungen einmal konzentriert ans Board zu bringen, das ist wirklich ziemlich groß“, betonte Geiler.
Ein endgültiger Wendepunkt ist es dennoch nicht. Die kommenden Players Championship Turniere und die European Tour in Graz werden zeigen, ob Schindler diese Form bestätigen kann. Klar ist aber: Dieses Wochenende brachte nicht nur wichtiges Preisgeld für World Matchplay und World Grand Prix, sondern vor allem neues Selbstvertrauen.
Oder wie es sinnbildlich heißt: „Ich bin Martin Schindler, ich bin Deutschlands Nummer 1.“