„Natürlich kann ich die WM gewinnen“ – Justin Hood hat nach dem überstandenen Krimi gegen Danny Noppert hohe Ambitionen

PDC
Mittwoch, 24 Dezember 2025 um 12:00
Justin Hood
Justin Hood lieferte bei der Darts WM 2026 ein Match ab, das Maßstäbe setzte. In einer Partie auf außergewöhnlich hohem Niveau setzte sich der Engländer mit 3:2 gegen Danny Noppert durch und ließ dabei keinen Zweifel an seiner Klasse. Ein Average jenseits der 100-Punkte-Marke, konstante Scoring-Serien und vor allem beeindruckende Ruhe in den kritischen Phasen prägten seinen Auftritt. Hood präsentierte sich nicht als nervöser WM-Debütant, sondern als Spieler, der die große Bühne annimmt und nutzt.
Der Erfolg gegen Noppert, einen der konstantesten Akteure der vergangenen Saison, war mehr als nur ein Achtungserfolg. Hood zeigte, dass er auch unter maximalem Druck sein Spiel durchzieht und seine Chancen konsequent nutzt. Gerade in den engen Momenten blieb er fokussiert, während sein Gegner mit starken Finishes immer wieder konterte. Am Ende behielt Hood die Kontrolle – und zog verdient in die nächste Runde ein.

Gelassenheit statt Lampenfieber: Hoods Ansatz auf der WM-Bühne

Nach dem Match wirkte Hood beinahe überraschend entspannt. Große Gesten oder überschwängliche Emotionen suchte man vergeblich. „Es war ein gutes Spiel“, sagte er nüchtern. „Ich habe ihn nicht zurückkommen lassen. Seine Finishes unter Druck waren einfach extrem stark – das ist Danny. Ein großartiger Spieler und ein großartiger Mensch. Aber ich habe es ins Ziel gebracht, und darüber freue ich mich sehr.“
Justin Hood jubelt auf der Bühne im Alexandra Palace
Justin Hood besiegte Danny Noppert mit 3:2 in der zweiten Runde der Darts WM 2026
Diese Gelassenheit ist kein Zufall. Für Hood war es erst der zweite Auftritt auf der WM-Bühne, doch Nervosität ließ er nicht erkennen. Während viele Neulinge mit der Atmosphäre im Alexandra Palace kämpfen, blieb er selbst in der entscheidenden Phase stabil. Auf die Frage nach seiner Ruhe fand er eine ebenso einfache wie bezeichnende Erklärung. „Am Ende ist es nur ein Darts-Spiel“, sagte er. „Egal, ob du hier spielst oder im Pub um die Ecke. Wenn ich gut spiele, kann ich gewinnen. Wenn nicht, bekomme ich trotzdem Chancen. Du musst sie nur nutzen.“
Dieser pragmatische Blick auf das Spiel zieht sich durch seinen gesamten Auftritt. Hood macht die Situation nicht größer, als sie ist. Er blendet Umgebung, Gegner und Erwartungshaltung aus und konzentriert sich auf sein eigenes Spiel. Genau dieser Fokus scheint ihm auf der größten Bühne des Sports in die Karten zu spielen.

Keine Ehrfurcht vor großen Namen

Dass Hood sich von bekannten Namen nicht beeindrucken lässt, stellte er auch abseits der Bühne klar. Der Sieg gegen Noppert war für ihn kein einmaliger Ausreißer. „Ich habe Danny dieses Jahr schon ein paar Mal auf der Tour geschlagen“, erklärte er selbstbewusst. „Ich habe Gary Anderson geschlagen, ich habe James Wade geschlagen. Niemand ist grundsätzlich besser als der andere. Es hängt vom Tag ab.“
Aus seiner Sicht ist die Leistungsdichte an der Spitze enorm. „Wir können alle einen 100er-Average spielen“, sagte Hood. „Und wir können alle auch mal bei 90 landen. Heute hat er mir wenig geschenkt, ich habe mir diesen Sieg erarbeitet. Vor allem habe ich mir selbst bewiesen, dass ich dieses Niveau auch auf der großen Bühne abrufen kann.“
Die Zahlen unterstrichen diese Aussage eindrucksvoll. Mit einem Average von 103 zeigte Hood eines der besten Spiele seiner bisherigen Karriere – ausgerechnet im Rampenlicht der Weltmeisterschaft. Für ihn ein weiteres Indiz dafür, dass ihm die TV-Bühne liegt.

Selbstbewusste Ziele und klare Ambitionen

Während andere Spieler nach einem solchen Sieg vorsichtig formulieren, machte Hood keinen Hehl aus seinen Ambitionen. Auf die Frage, wie weit ihn diese Form tragen könne, antwortete er ohne Zögern: „Natürlich kann ich die WM gewinnen. Wenn ich dieses Niveau in jedem Match bringe, wird es sehr schwer, mich zu schlagen.“
Diese Aussage mag selbstbewusst wirken, doch sie basiert auf Überzeugung, nicht auf Überheblichkeit. Hood glaubt fest an sein Spiel – und daran, dass noch Luft nach oben ist. „Ich denke, ich kann mich sogar noch steigern“, sagte er. „Hoffentlich zeigt sich das im nächsten Match.“
Auffällig ist auch seine Einschätzung der eigenen Leistungen auf der Pro Tour. „Ich bin besser, als ich manchmal zeige“, erklärte Hood offen. „Mein Average liegt dieses Jahr bei etwa 92, aber das spiegelt nicht mein tatsächliches Niveau wider. Im Fernsehen kommt mein Spiel besser zur Geltung, und das habe ich hier gezeigt.“
Tatsächlich scheint Hood von der großen Bühne zu profitieren. Während andere Zeit brauchen, um sich an Licht, Publikum und Kameras zu gewöhnen, blüht er geradezu auf. „Ich liebe es“, sagte er. „Die Atmosphäre, das Publikum – das gibt mir etwas. Sie haben mir heute wirklich geholfen.“

Mentale Stärke bis zum letzten Dart

Im Match gegen Noppert musste Hood mehrfach Rückschläge verkraften. Sein Gegner checkte hohe Finishes genau in den Momenten, in denen es besonders wehtat. Dennoch blieb Hood äußerlich ruhig. „Innerlich war ich immer positiv“, erklärte er. „Manchmal schüttelt man kurz den Kopf, das gehört dazu. Aber solange der Gegner nicht die Doppel trifft, um dich zu schlagen, bist du noch da.“
Diese Haltung zahlte sich im entscheidenden Set aus, das viele Beobachter als Darts auf absolutem Topniveau beschrieben. Ob es sein bestes scorendes Set war, ließ Hood offen. „Ich habe die Statistiken noch nicht gesehen“, sagte er trocken. „Ich habe gewonnen. Wenn die Zahlen gut sind, schön. Wenn nicht, auch gut.“

Der Blick bleibt nach vorne gerichtet

Trotz dieses besonderen Abends verliert Hood das große Ziel nicht aus den Augen. „Das sind nicht die Abende, von denen ich träume“, sagte er ehrlich. „Ich träume vom WM-Finale, davon, den Pokal hochzuhalten. Das hier ist ein Schritt auf diesem Weg.“
Nach Weihnachten geht seine Reise in der dritten Runde gegen Ryan Meikle weiter. Wie er die freien Tage verbringt, ließ er offen – nur eines stellte er mit einem Lachen klar: Essen wird eine Rolle spielen. Die Nähe zu guten Restaurants, besonders zu chinesischen, scheint ihn zu reizen. „Ich bin innerhalb einer Woche pleite, bei dem, was ich bestellen werde“, scherzte er.
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