Was sich am letzten Tag der European
Q-School 2026 in Kalkar abspielte, war mehr als nur ein erfolgreicher Turniertag – es war ein historischer Meilenstein für den deutschen Dartsport. In einem hochdramatischen Finale der Final Stage fielen nicht nur die letzten Entscheidungen im Kampf um die begehrten Tour Cards, sondern auch eine Bestmarke, die das enorme Wachstum der deutschen Darts-Szene eindrucksvoll unterstreicht.
Der Finaltag der European
Q-School begann direkt mit maximaler Dramatik – und einem bitteren Rückschlag aus deutscher Sicht.
Michael Unterbuchner lieferte sich zum Auftakt ein hochklassiges Kracher-Duell mit Chris Landman. Beide agierten über weite Strecken bei Averages im mittleren 90er-Bereich, Unterbuchner eröffnete die Partie sogar mit einem 119er-Finish zum Break. Am Ende jedoch entschied Landman das Match mit einem unfassbaren Zielsprint für sich, checkte unter anderem 134 und 135 Punkte und ließ den Münchener trotz starker Leistung ohne Chance auf die Tour Card zurück.
Bigfish-Sieg im Decider
Davon unbeirrt nahm der deutsche Turniertag jedoch schnell Fahrt auf. Florian Preis und Jannis Barkhausen sorgten mit Auftaktsiegen für einen positiven Einstieg, ehe Jarod Becker mit einem absoluten Highlight nachlegte: Im Decider gegen Nandor Major zauberte der Youngster ein perfektes 170er-Checkout ans Board und zog spektakulär in Runde zwei ein. Auch Daniel Klose präsentierte sich stark und bezwang Michael Plooy mit 6:1 bei einem 97er-Average, während
Pascal Rupprecht sein Duell gegen Ricardo Ulrich nervenstark im Entscheidungsleg für sich entschied.
Im weiteren Verlauf rückte
Marvin Kraft zunehmend in den Mittelpunkt. Der Deutsche, der mit besten Chancen in den Finaltag gestartet war, eröffnete souverän mit einem 6:0-Erfolg über Rene Steinhauer. Parallel dazu spielte ihm Mika Donnevert zusätzlich in die Karten: Der 17-Jährige rang Patrick Bulen im Decider nieder und warf damit einen direkten Konkurrenten um die Ranglistenplätze aus dem Turnier – ein entscheidender Faktor im Rennen um die Tour Cards. Kraft selbst bestätigte seine starke Position anschließend eindrucksvoll, schlug David Cameron mit 6:3 und sammelte damit seinen neunten Order-of-Merit-Punkt.
Marvin Kraft krönt sich zum PDC-Profi
Dieser Sieg sollte sich als vorentscheidend erweisen. Im deutsch-deutschen Duell gegen Liam Maendl-Lawrance behielt Kraft im Decider die Nerven und machte mit dem 6:5-Erfolg den nächsten deutschen Tour-Card-Gewinn perfekt. Der Jubel war entsprechend groß:
Marvin Kraft hatte sich endgültig zum PDC-Profi gekrönt.
Währenddessen arbeiteten sich weitere deutsche Akteure tief ins Turnier vor.
Pascal Rupprecht fegte Adam Sevada mit 6:0 vom Board und präsentierte sich in bestechender Form. Auch Mika Donnevert setzte seinen beeindruckenden Lauf fort, gewann mit 6:3 gegen Martijn Dragt und erreichte ebenso wie Rupprecht das Achtelfinale. Dort bestätigten beide ihre Leistungen: Donnevert bezwang Jason Riedtke mit 6:2, Rupprecht ließ Jannis Barkhausen beim 6:0 keine Chance.
Im Viertelfinale lieferte
Pascal Rupprecht dann eine Partie auf absolutem Weltklasse-Niveau. Gegen Jeffrey de Zwaan spielte der Deutsche zeitweise einen Average jenseits der 110 Punkte, führte zwischenzeitlich deutlich und stand im Decider bei 36 Restpunkten bereit zu checken. Doch de Zwaan konterte eiskalt, löschte 80 Punkte in drei Darts und entriss Rupprecht damit in letzter Sekunde den Traum vom Finaleinzug.
Parallel dazu schrieb Mika Donnevert weiter an seiner eigenen Sensationsgeschichte. Der erst 17-jährige Deutsche traf im Viertelfinale auf keinen Geringeren als Jose de Sousa – und dominierte den ehemaligen Major-Sieger überraschend klar. Mit einem beeindruckenden 6:1-Erfolg zog Donnevert ins Tagesfinale ein und stand damit plötzlich nur noch einen Sieg von der Tour Card entfernt.
Drama um Rupprecht und Donnevert
Im Endspiel um die nächste deutsche Tour Card bekam es Sensations-Youngster Mika Donnevert mit Jeffrey de Zwaan zu tun. Der 17-Jährige, der sich mit seinem beeindruckenden Turnierlauf bis ins Finale gespielt hatte, erwischte gegen den routinierten Niederländer einen schweren Start. De Zwaan kontrollierte die Partie von Beginn an, zog mit einem starken 14-Darter früh davon und ließ Donnevert kaum Räume zur Entfaltung. Zwar zeigte der Deutsche Moral und verkürzte zwischenzeitlich noch einmal, doch am Ende setzte sich de Zwaan verdient mit 6:2 durch und sicherte sich den Tagessieg.
Aus deutscher Sicht hatte dieses Ergebnis jedoch eine zweite, umso erfreulichere Konsequenz: Durch den Tagessieg von de Zwaan wurde dessen Ranglistenplatz frei – und genau davon profitierte
Pascal Rupprecht. Der 25-Jährige rutschte dadurch in der Order of Merit nach und machte sein Comeback auf die PDC-Profi-Tour perfekt. Nach einem Jahr Abwesenheit kehrt Rupprecht damit auf die große Bühne zurück – der nächste deutsche Erfolg an einem Tag, der erneut eindrucksvoll unterstrich, wie tief und leistungsstark die deutsche Darts-Spitze inzwischen aufgestellt ist.
Krcmar scheitert im großen Finale
Das letzte Spiel der
Q-School 2026 hatte es noch mal in sich: Der große Kroate Boris Krcmar und der Niederländer Sietse Lap kämpften um die letzte Tour Card für die Saisons 2026 und 2027. Beim Stand vom 5:3 schien Krcmar die Kontrolle zu übernehmen und die Partie an sich zu reißen – doch Lap kämpfte sich zurück und glich zum 5:5 aus. Nach einem nervenaufreibenden Decider war es schließlich Lap, der sich auf Tops zum PDC-Profi krönte.
Mervyn King kehrt auf die Tour zurück
Bei der UK
Q-School in Milton Keynes standen am Entscheidungstag zwei bekannte Namen im Mittelpunkt. WM-Sensation Charlie Manby sicherte sich nach durchwachsenem Start in die Final Stage mit dem Tagessieg seine Tour Card und wird in der kommenden Saison auf der PDC-Tour antreten. Im Endspiel setzte sich der Youngster gegen keinen Geringeren als Mervyn King durch, der seinerseits ebenfalls die Rückkehr auf die Pro Tour perfekt machte. King hatte im vergangenen Jahr über die Challenge Tour den Weg zur WM gefunden und bewies nun eindrucksvoll, dass er weiterhin auf höchstem Niveau konkurrenzfähig ist.
Neben Manby und King sicherte sich auch Samuel Price sein Ticket für die PDC-Tour. Der Engländer war ursprünglich nur als Nachrücker in die Final Stage gerückt, nutzte seine Chance jedoch konsequent und gewann das entscheidende Match mit 6:5 gegen Lewis Pride. Über die Order of Merit komplettierten Stephen Burton sowie weitere neue Gesichter das britische Aufgebot für 2026. Während Burton mit konstant starken Leistungen seine sofortige Rückkehr auf die Pro Tour fixierte, verpasste Derek Coulson trotz guter Ausgangslage den Sprung unter die Tour Card-Inhaber hauchdünn – am Ende machte ein einziges Leg den Unterschied.