„Plötzlich gab es ein völlig neues Publikum“ – Schiedsrichter Huw Ware über den Einfluss von Luke Littler
PDCDer Aufstieg von Luke Littler hat nicht nur das Leben des jungen englischen Dartspielers selbst tiefgreifend verändert. Auch rund um den Sport ist eine enorme Verschiebung sichtbar. Das bemerkt auch Huw Ware, der als Darts-Referee aus nächster Nähe miterlebt, wie die Sportart immer populärer wird. Laut Ware hat sich Darts in kurzer Zeit von einer Nische, in der sich vor allem Liebhaber fanden, zu einer Sportart entwickelt, die weltweit immer mehr Kinder und Jugendliche anspricht.
Für Ware ist gerade der direkte Kontakt mit den größten Spielern einer der schönsten Aspekte seiner Arbeit als Schiedsrichter. Als Referee steht er buchstäblich nur wenige Meter von den Akteuren entfernt, die Geschichte schreiben. Er darf die Partien leiten und ist damit Teil ihrer Entwicklung und ihres Erfolgs.
„Ich denke, der ultimative Reiz, Darts-Referee zu sein, ist, dass man den besten Spielern, die je gespielt haben, so nahe kommt. Man ist gewissermaßen Teil ihrer Reise und in mancher Hinsicht die Stimme dieser Reise“, erzählt Ware. Gerade deshalb war es für ihn etwas ganz Besonderes, aus nächster Nähe mitzuerleben, wie Littler seinen ersten Weltmeistertitel eroberte.
Die Popularität von Darts hat laut Ware inzwischen eine Entwicklung durchlaufen, die er sich als Kind niemals auch nur ansatzweise hätte vorstellen können. Er ist mittlerweile auch an sogenannten Bullseye-Math-Sessions beteiligt, bei denen Darts genutzt wird, um Grundschulkinder spielerisch ans Rechnen heranzuführen. Diese Projekte werden unter anderem von Gary Horsley organisiert.
„Ich kann kaum glauben, welch enorme Veränderung an Schulen im ganzen Land und sogar weltweit stattgefunden hat. Darts ist heutzutage hip“, sagt Ware. „Als ich als Kind aufgewachsen bin und Darts über alles liebte, schauten andere nicht unbedingt herab. Sie verstanden nur nicht, warum ich so verrückt danach war. Sie begriffen es einfach nicht.“
🗣️ "That changed my life."
— Online Darts (@OfficialOLDarts) August 11, 2026
🎤 Huw Ware opens up on the incredible impact Luke Littler's first World Championship final had on his own life.
From one of darts' biggest moments to a moment that changed everything for the PDC referee. 🎯
Hear the full story in our exclusive… pic.twitter.com/PDs6nUtmiQ
Dieses Bild habe sich laut dem erfahrenen Referee vollständig gewandelt. Wo Kinder früher nicht immer verstanden, warum jemand so begeistert von Darts sein konnte, wird die Sportart heute gezielt gefördert. Jugendliche verfolgen große Turniere, erkennen die Spieler und interessieren sich selbst fürs Pfeilewerfen.
„Jetzt verstehen Kinder es. Es ist so weit gekommen, dass es scheinbar jeder liebt. Darts wird aktiv gefördert: es zu mögen, zu lieben, anzuschauen und sich damit zu beschäftigen. Ich kann kaum glauben, dass dieser Wandel so schnell eingetreten ist. Ich hätte nie gedacht, dass das passieren würde.“
Littler als Katalysator
Für Ware besteht jedoch wenig Zweifel daran, wer der wichtigste Katalysator hinter dieser Entwicklung war. „Alles dank Luke Littler“, stellt er fest. Die Wirkung des jungen Engländers reicht seiner Meinung nach weit über die sportlichen Leistungen auf der Bühne hinaus.
Seit seinem spektakulären Durchbruch sorgte Littler für einen enormen Zustrom neuer Fans. Sein Auftritt bei der Weltmeisterschaft und die nachfolgenden Erfolge machten ihn in kurzer Zeit einem viel größeren Publikum bekannt. Laut Ware hat diese Popularität auch neue Möglichkeiten für Menschen geschaffen, die im Umfeld der Dartswelt tätig sind.
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Das spürte Ware am eigenen Leib. Er unterschrieb einen Vertrag mit Winmau als weltweiter Botschafter, wodurch er unter anderem seinen eigenen Podcast und seine Website entwickeln konnte. Er fragt sich, ob dieser Deal ohne die explosive Popularität von Littler ebenfalls zustande gekommen wäre.
„Wenn Luke Littler nicht gekommen wäre, hätte ich diesen Deal dann auch bekommen?“, fragt sich Ware laut. „Denn plötzlich war ein komplett neues Publikum entstanden. Es gibt ein Publikum, das es davor vielleicht nicht in dieser Form gab und das nun in großer Zahl da ist.“
Ware betont, dass er das Wort „ausbeuten“ ungern verwendet, um diese Entwicklung zu beschreiben. Ihm geht es vor allem darum, dass die Dartswelt plötzlich eine viel größere Reichweite bekommen hat. Davon profitieren nicht nur die Spieler, sondern auch Referees, Organisatoren, Medien und andere beruflich Beteiligte.
„Es gibt einfach ein Publikum. Verstehst du, was ich meine? Dieses Publikum war davor vielleicht nicht in dieser Form vorhanden, und jetzt sind sie in riesiger Zahl da.“
Huw Ware gehört seit einigen Jahren zu den festen Schiedsrichtern bei großen PDC-Turnieren
Zusätzlicher Impuls
Auch persönlich hat Ware die Wirkung von Littlers Popularität gespürt. Seine eigene Bekanntheit erhielt einen zusätzlichen Impuls, weil er einer der Referees beim ersten WM-Finale war, das Littler gewinnen konnte. Dieser Moment ist ihm bis heute glasklar präsent. „Ich surfe selbst auf dieser Welle von Luke Littler mit. Es ist einfach unglaublich und verblüffend“, erzählt Ware. Das WM-Finale, in dem Littler seinen ersten Weltmeistertitel eroberte, habe laut ihm sogar sein eigenes Leben verändert.
Auffällig war die Art und Weise, wie Ware anschließend in den Medien bezeichnet wurde. Nachdem er das historische Finale geleitet hatte, tauchten in der Berichterstattung regelmäßig Verweise auf den „Luke-Littler-Dartsreferee“ auf. Sein eigener Name geriet dabei mitunter in den Hintergrund.
„Ich stand am ersten Tag des Turniers im Büro und hatte das WM-Finale geleitet, aber die Art, wie ich in den Überschriften beschrieben wurde, war oft ‚Luke-Littler-Dartsref‘. Es war nicht mein Name. Es war Luke Littler.“
Ware kann dem jedoch wenig Negatives abgewinnen. Seiner Meinung nach sagt es vor allem etwas über die enorme Anziehungskraft, die Littler inzwischen auf das breite Publikum ausübt. „Das ist in Ordnung, denn es zeigt, wie groß der Name Luke Littler mittlerweile ist“, sagt er. „Menschen sehen Luke Littler in einer Schlagzeile und fühlen sich sofort angezogen, selbst wenn der Artikel am Ende nicht einmal wirklich von ihm handelt.“
Damit zeichnet Ware ein treffendes Bild des aktuellen Zustands der Dartswelt. Die Sportart hat seiner Ansicht nach einen enormen gesellschaftlichen und kommerziellen Wachstumsschub erlebt, und Littler spielt darin eine zentrale Rolle. Seine Leistungen haben nicht nur neue Rekorde und Titel gebracht, sondern auch eine komplett neue Generation von Fans zum Sport geführt.

Oliver RiedRedakteur
Oliver Ried ist seit Ende 2024 Redakteur bei Dartsnews.de. Er berichtet dort über den professionellen Dartsport und erstellt regelmäßig Liveblogs zu den wichtigsten Turnieren und Ereignissen, darunter die PDC World Darts Championship, die Premier League Darts und das World Matchplay. Ergänzend veröffentlicht er Berichte, Einordnungen und Hintergrundtexte zum Geschehen auf der PDC-Tour. Seit Anfang 2025 schreibt er zudem für Radsportaktuell.de über den professionellen Radsport.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er selbst aktiver Dartspieler und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026







