„Und gegen wen durfte ich antreten? Gegen einen großen, dicken Niederländer mit Haar, namens Michael van Gerwen“ – Ricky Evans packt über seine katastrophale MVG-Serie aus
PDCRicky Evans gehört zu den schillerndsten Persönlichkeiten im PDC-Zirkus. Mit seinem blitzschnellen Wurfstil und seiner sympathischen, oft selbstironischen Art hat sich der Engländer den Ruf eines echten Publikumslieblings erarbeitet. Kollegen wie Fans schätzen ihn gleichermaßen. Doch es gibt ein hartnäckiges Problem in der Karriere des mittlerweile 35-Jährigen: Michael van Gerwen. Seit fast zwei Jahrzehnten ist der Niederländer der unangefochtene „Angstgegner“ von Evans – und das mit einer Bilanz, die kaum zu glauben ist.
In einem offenen Interview mit Crutchley Darts sprach „Rapid Ricky“ über diese Rivalität, über die Höhepunkte seiner Laufbahn und darüber, warum er glaubt, dass sein größter Erfolg noch vor ihm liegt.
Erste Begegnung mit van Gerwen: „Ein dicker Holländer mit Haaren“
Evans blickt lachend zurück auf seine erste Begegnung mit dem Niederländer. „Mein erstes Länderspiel in der Jugend für England war 2004 – und gegen wen musste ich ran? Gegen einen großen, dicken Holländer mit Haaren namens Michael van Gerwen. Seitdem hat er mich eigentlich immer geschlagen.“
Ein Showman, wie er im Buche steht: "Rapid" Ricky Evans
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Rund 62 Niederlagen stehen einem einzigen Sieg gegenüber. „Wenn wir ehrlich sind, brauchen wir nicht lange zu überlegen, wer die Oberhand hat“, witzelt Evans.
Weiterlesen
Während van Gerwen zum dreifachen Weltmeister und langjährigen Weltranglistenersten aufstieg, schlug Evans seinen eigenen Weg ein – geprägt von Rückschlägen gegen den Niederländer, aber auch von vielen unvergesslichen Momenten.
Das legendäre Comeback gegen Whitlock
Unvergessen bleibt sein Auftritt bei der Weltmeisterschaft 2015. Im Alexandra Palace lag Evans bereits mit 0:2 in Sätzen gegen Simon Whitlock zurück, ehe er das Match sensationell drehte.
„Er vergab zwei Matchdarts, ich checkte ein 130er-Finish und drehte das Spiel. Niemand hatte damit gerechnet, weil ich nie als Spieler galt, der solche Comebacks schafft. Für mich ist das immer noch einer der größten Siege meiner Karriere“, erinnert sich Evans.
Das Match machte ihn schlagartig noch populärer – als schneller, unberechenbarer Spieler, der auf der größten Bühne für Spektakel sorgen kann.
Bestes Major-Ergebnis in Minehead
2023 erlebte Evans seinen bis dato tiefsten Run bei einem Major-Turnier. Bei den UK Open in Minehead erreichte er sensationell das Halbfinale – sein bisher bestes Ergebnis auf der großen Bühne.
„Das Halbfinale war ein riesiger Erfolg für jemanden wie mich“, sagt Evans. „Ich weiß, dass ich nicht immer als Favorit gehandelt werde. Aber dieses Ergebnis hat gezeigt, dass ich es in mir habe.“
Und er betont: Der größte Erfolg steht für ihn noch bevor. „Ich habe meine Tour Card nie verloren, ich habe das Comeback gegen Whitlock geschafft, ich war im Halbfinale von Minehead. Aber ich will nicht, dass das mein Höhepunkt war. Ich bin überzeugt, dass da noch mehr kommt.“
Kleine Rituale und viel Bodenständigkeit
Neben Erfolgen und Rivalitäten plauderte Evans auch über seine Gewohnheiten abseits der Bühne. „Wenn ich morgens spiele, lasse ich oft das Frühstück weg. Für einen dicken Kerl esse ich eigentlich gar nicht so viel“, sagt er mit einem Schmunzeln. „Am liebsten hole ich mir ein Subway oder esse ein einfaches Schinkensandwich.“
Komplizierte Rituale sind nichts für ihn. Evans verkörpert Bodenständigkeit: Pfeile in die Hand, auf die Bühne gehen, werfen – fertig.
Mehr als ein Unterhalter
Auch wenn er für sein rasantes Tempo und seine humorvolle Art bekannt ist, sieht Evans sich nicht bloß als Showman. „Es macht mir nichts aus, dass ich so oft gegen Michael verliere. Er ist einer der größten Spieler aller Zeiten. Und wenn ich meine Momente habe, auch nur ab und zu, ist das etwas Besonderes.“
Damit zeigt Evans, dass er mehr ist als ein Entertainer: ein Kämpfer, der trotz aller Widrigkeiten nie aufgibt.
Blick in die Zukunft
Mit 35 Jahren hat Evans noch viele aktive Jahre vor sich – ein Alter, in dem viele Spieler erst ihren Höhepunkt erreichen. Entsprechend optimistisch blickt er nach vorn:
„Ich bin immer noch hier, ich habe meine Tour Card und ich genieße das Spiel jeden Tag. Wenn mein größter Erfolg noch vor mir liegt, dann bin ich bereit dafür.“
Ob dieser Moment im Ally Pally, in Minehead oder vielleicht beim World Matchplay in Blackpool kommt – Ricky Evans ist überzeugt, dass seine Karriere noch einiges zu bieten hat.
Weiterlesen

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
Klatscht 0Besucher 0
Gerade In
Beliebte Nachrichten
Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026








