„Solange ich das Niveau abrufen kann und Spaß daran habe, sehe ich keinen Grund aufzuhören“ – Ian White könnte den Ruhestand aufschieben

PDC
Sonntag, 26 April 2026 um 12:15
Ian White
Ian White hat seine Ambitionen für die kommende European Tour unmissverständlich formuliert. Der erfahrene Engländer lässt keinen Zweifel: Beim Austrian Darts Open in Graz zählt für ihn nur eines – der Sieg.

„Gewinnen ist Erfolg, so simpel ist das“

Der 55-jährige Dartsprofi, genannt „Diamond“, ist weiterhin hungrig auf Erfolge und sieht eine bloße Teilnahme nicht als ausreichend an. „Gewinnen ist Erfolg, so simpel ist das“, sagt er entschlossen gegenüber Darts Planet TV.
White gehört seit Jahren zu den etablierten Namen im Profidarts, mit einer beeindruckenden Bilanz, die unter anderem mehrere European-Tour-Titel und zahlreiche ProTour-Siege umfasst. Seine größten Erfolge auf der European Tour stammen aus den Jahren 2018 und 2019, als er drei Turniere gewann. Inzwischen ist die Konkurrenz jedoch weiter gewachsen, dessen ist er sich sehr bewusst.
„Es ist heutzutage deutlich schwieriger“, räumt White ehrlich ein. „Früher hast du gegen ein paar absolute Topspieler gespielt und gehörtest selbst dazu. Jetzt scheint jeder gut zu werfen. Du musst in jedem Match dein Bestes abrufen.“ Dahinter will er sich jedoch nicht verstecken. Sein Ziel bleibt unverändert: so weit wie möglich kommen und idealerweise den Titel holen.

Warme Erinnerungen

Das Austrian Darts Open weckt bei White zudem warme Erinnerungen. 2019 erreichte er dort das Finale, das er knapp mit 8:7 verlor. Trotz dieser Niederlage blickt er gern auf das Turnier zurück. „Das sind schöne Erinnerungen“, sagt er. „Wenn du jahrelang zur Spitze gehörst und überall spielst, nimmst du es vielleicht als selbstverständlich. Aber wenn du in der Weltrangliste etwas abrutschst und an solche Orte zurückkehrst, lernst du es wieder mehr zu schätzen.“
Diese veränderte Wertschätzung scheint typisch für die Phase, in der sich White befindet. War er früher ein fester Bestandteil der Weltspitze, muss er heute häufiger über Qualifikationen oder als Nachrücker ins Feld kommen. Das sieht er jedoch nicht nur als Nachteil. „Du lernst, das Spiel wieder auf eine andere Art zu erleben“, erklärt er. „Du genießt die Momente mehr, in denen du dabei bist.“
Sein Saisonstart 2026 war alles andere als spektakulär, doch der Engländer spürt, dass seine Form allmählich besser wird. „Es begann langsam dieses Jahr, aber das hatte ich schon öfter“, sagt er. „Zu Saisonbeginn sind alle scharf und motiviert. Danach kommt automatisch der Moment, in dem du deinen Rhythmus findest. Ich habe das Gefühl, dass es jetzt besser ins Laufen kommt.“
Ian White in Aktion auf der European Tour
Ian White steht derzeit auf Rang 55 der Weltrangliste

„Jeder kann jeden schlagen“

In Graz wartet erneut ein starkes Teilnehmerfeld, doch White macht sich über mögliche Gegner nicht allzu viele Gedanken. Seiner Meinung nach spielt es in der aktuellen Dartslandschaft kaum eine Rolle, gegen wen man antritt. „Es macht wirklich keinen Unterschied mehr“, stellt er fest. „Heute kann jeder jeden schlagen. Selbst Spieler, die über die Qualifikation reinkommen, können problemlos ein paar große Namen nach Hause schicken.“
Gleichwohl erkennt er an, dass es Spieler gibt, die derzeit in Topform sind. „Natürlich gibt es Jungs, denen man lieber etwas später begegnet“, sagt er mit einem Lächeln. „Aber am Ende musst du sie sowieso schlagen, wenn du das Turnier gewinnen willst.“
Neben seinen sportlichen Zielen äußerte sich White auch zu den Veränderungen im Qualifikationssystem für die European Tour. Die PDC hat in den vergangenen Jahren den Fokus stärker auf Ranglisten gelegt, wodurch es weniger Plätze über offene Qualifikationen gibt. White ist davon nicht unbedingt ein Freund. „Ich denke, das alte System war besser“, sagt er. „Spieler, die jede Woche am Start sind und dranbleiben, wurden belohnt. Jetzt hängt es stärker von deiner Position auf der Rangliste ab.“
Zugleich räumt er ein, dass ihm das neue Format in manchen Fällen sogar geholfen hat. „Wenn es das alte System noch gäbe, hätte ich vielleicht nicht alle Turniere gespielt, bei denen ich jetzt dabei war“, gibt er zu. „Also hat es auch zu meinem Vorteil gewirkt, auch wenn ich nicht ganz damit einverstanden bin.“
Ein weiteres wichtiges Thema im modernen Darts ist das steigende Preisgeld. Turniere werden immer lukrativer, was auch die Karriereplanung der Spieler beeinflusst. Für White ist das ein zusätzlicher Antrieb, weiterzumachen. „Man kann heutzutage ein solides Jahr spielen und eine schöne Summe verdienen“, sagt er. „Das ist natürlich attraktiv, besonders wenn man etwas tut, das man gern macht.“

Rente

Ein Abschied steht daher nicht zur Debatte. „Ich will so lange wie möglich weitermachen“, betont er. „Solange ich das Niveau halten kann und Spaß daran habe, sehe ich keinen Grund aufzuhören. Vor allem will ich versuchen, in der Weltrangliste wieder etwas zu klettern.“
Mit dieser Einstellung reist Ian White nach Graz, wo er erneut auf einen Titelangriff hofft. Ob er tatsächlich um den Gesamtsieg mitspielen kann, hängt von seiner Form und dem Turnierverlauf ab. Aber eines ist sicher: Für „Diamond“ zählt nur ein Ergebnis. „Mitspielen ist schön“, schließt er. „Aber letztlich spielst du, um zu gewinnen.“
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