Russ Bray hat in seiner langen Karriere schon viele besondere Momente erlebt. Doch sein jüngster Auftritt dürfte selbst für den erfahrenen Engländer eine der ungewöhnlichsten Erfahrungen gewesen sein. Der Mann, den Fans weltweit als „The Voice of Darts“ kennen, hat sich nämlich auf ein völlig neues Terrain gewagt – und spricht in einem Film eine Tür.
Der 68-Jährige, dessen markantes „one hundred and eighty!“ den Dartsport über Jahrzehnte geprägt hat, verlässt damit die vertraute Bühne des Oches und betritt die Welt des Kinos. Im Fantasyfilm The Land of Sometimes übernimmt Bray eine Rolle, die genauso eigenwillig ist wie seine Stimme selbst.
Ein überraschender Abstecher auf die Leinwand
Der Film erzählt die Geschichte eines Bruders und einer Schwester, die in eine magische Welt eintauchen – mit rosa Himmel und blauen Bäumen. In dieser fantasievollen Umgebung kommt Bray eine kleine, aber prägnante Rolle zu. „Ich bin am Ende die Stimme einer Tür geworden“, sagte er im
Podcast Double Tops. „Eine Tür, durch die zwei Kinder in diese Welt gelangen – und dann hört man mich sagen: ‘Hello, what are you doing?’“
Russ Bray wurde bei der Darts-WM 2024 für seine Karriere geehrt
Auch bei der Premiere im renommierten Odeon Leicester Square war Bray vor Ort. Dort lief er über den roten Teppich und erlebte seine neue Rolle erstmals im Rampenlicht. „Wir waren vor ein paar Wochen bei der Premiere – das war großartig“, erklärte er. Man merkte ihm an, dass er diesen Ausflug in die Filmbranche genossen hat.
Trotz dieses ungewöhnlichen Abstechers bleibt Bray vor allem eines: eine prägende Figur im Dartsport. Über fast drei Jahrzehnte hinweg gehörte er zu den bekanntesten Schiedsrichtern der Professional Darts Corporation. Insgesamt leitete er 28 WM-Finals.
Für seine Verdienste erhielt Bray 2024 einen Platz in der Hall of Fame der PDC. Diese Ehrung würdigt seinen enormen Einfluss auf den Sport, den er mit seiner unverwechselbaren Stimme entscheidend mitgeprägt hat.
Bemerkenswert ist dabei sein Umgang mit genau diesem Markenzeichen. Während viele Sprecher ihre Stimme gezielt trainieren, verzichtet Bray komplett auf klassische Vorbereitung. „Ich mache überhaupt nichts“, erklärte er offen. „Ich trinke während der Spiele nicht einmal Wasser. Mein Arzt rät mir zwar dazu, aber ich bleibe bei Tee. Aufwärmen wie Sänger? Das mache ich nicht.“
Diese entspannte Herangehensweise hat ihn nie ausgebremst – im Gegenteil. Seine Stimme wurde zu einem festen Bestandteil des Sports und ist für viele Fans untrennbar mit den größten Momenten verbunden.
Das Finale, das alles überragt
Wenn Bray auf seine Karriere zurückblickt, hebt er ein Spiel besonders hervor: das legendäre WM-Finale 2007 zwischen Raymond van Barneveld und Phil Taylor. Dieses Duell in der Circus Tavern zählt bis heute zu den größten Finals der Darts-Geschichte.
„Das muss es einfach sein“, sagte Bray rückblickend. „Es war das letzte Finale in der Circus Tavern – das allein machte es besonders. Und dann ging es auch noch in ein Sudden-Death-Leg. Außerdem war es Barneys erstes Jahr bei der PDC.“
Vor allem der entscheidende Moment ist ihm bis heute präsent. „Taylor begann und traf die 25. Barney bat ihn, den Dart stecken zu lassen – das war damals Pflicht. Dann setzte Barney seinen Dart oben drauf und traf das Bull. Damit durfte er das Leg eröffnen.“
Was folgte, entwickelte sich zu einem dramatischen Höhepunkt. „Taylor warf eine 180 und ich dachte: Das war’s. Aber Barney antwortete sofort mit einer eigenen 180. In diesem Moment sah man, wie Taylor die Kontrolle verlor. Sein nächster Score war nur noch eine 41. Barney nutzte das und holte sich den Titel.“
Für Bray liegt die Faszination dieses Finals in der einzigartigen Kombination aller Faktoren. „Die Spannung, die Spieler, der Ort – alles kam zusammen. Für mich ist es vielleicht das beste Finale überhaupt.“
Mit seiner Rolle im Film zeigt Russ Bray nun, dass seine Stimme auch jenseits des Darts Eindruck hinterlässt. Ob auf der großen Bühne oder in einer magischen Filmwelt – sein unverwechselbarer Klang bleibt einzigartig und sorgt weiterhin für besondere Momente.