„Viele Spieler sind eigentlich schon geschlagen, bevor sie überhaupt die Bühne betreten“ – Luke Littler jagt in Blackpool die historische Titelverteidigung

PDC
Samstag, 18 Juli 2026 um 15:30
Luke Littler (1)
Ein Jahr nach seinem ersten Triumph beim World Matchplay kehrt Luke Littler als der zu schlagende Mann in die Winter Gardens zurück. Seit dem Gewinn der prestigeträchtigen Phil Taylor Trophy vor zwölf Monaten dominiert die englische Sensation den Dartsport vollständig. Nahezu jedes große TV-Turnier, das für die PDC Order of Merit zählt, ging inzwischen auf sein Konto. Lediglich die European Championship fehlt noch in seiner beeindruckenden Titelsammlung.
Der inzwischen 19-jährige Weltranglistenerste gewann in diesem Zeitraum unter anderem den World Grand Prix, den Grand Slam of Darts, die Players Championship Finals, das PDC World Darts Championship, die World Masters und die UK Open. Damit hat er sich in rasantem Tempo zum dominierenden Spieler der aktuellen Darts-Ära entwickelt.
In Blackpool bekommt Littler die Chance, erneut Geschichte zu schreiben. Bei einem Sieg wäre er erst der vierte Spieler überhaupt, der das World Matchplay erfolgreich verteidigt. Zuvor gelang dies nur Rod Harrington, Phil Taylor und Michael van Gerwen. „Ich würde mich gern in die Reihe der Spieler einreihen, die die Matchplay zwei Jahre in Folge gewinnen“, sagte Littler vor seiner dritten Teilnahme an dem prestigeträchtigen Turnier gegenüber der PDC. „Ich denke, dieses Turnier steht für mich an zweiter oder dritter Stelle. Ally Pally bleibt natürlich die Nummer eins, aber das Matchplay ist unglaublich besonders.“
Das hat laut Littler nicht nur mit dem Status des Events zu tun. „Außerdem ist es nicht weit von zu Hause. Für die ersten paar Spiele kann ich sogar einfach daheim schlafen. Hoffentlich kann ich das Turnier erneut gewinnen und meinen Titel verteidigen.“

Von schmerzhaftem Start zur historischen Durchbruch

Seine erste Begegnung mit dem World Matchplay verlief 2024 alles andere als einfach. Bei seinem Debüt wurde er direkt mit dem dreifachen Champion Michael van Gerwen gekoppelt. Trotz eines Averages von deutlich über Hundert verlor Littler damals mit 6:10 gegen den Niederländer.
Ein Jahr später drehte er die Geschichte komplett. Während seines Titellaufs verzeichnete Littler über das gesamte Turnier einen Average von deutlich über 105 und krönte seine beeindruckende Kampagne mit einem 18:13-Sieg im Finale gegen James Wade. Dabei spielte er einen Average von 107,24 und schrieb als jüngster World Matchplay-Champion aller Zeiten Geschichte.
Luke Littler hält die Phil Taylor Trophy in den Händen
Luke Littler ist der Titelverteidiger beim World Matchplay in diesem Jahr
Auffällig war, dass seine Titeljagd mehrfach frühzeitig zu scheitern schien. In drei seiner fünf Siege lag Littler mit fünf Legs oder mehr zurück, doch jedes Mal drehte er die Partie komplett.
„Letztes Jahr habe ich alle Fehler aus meinem Debüt ausgebügelt“, blickte er zurück. „Bei meiner ersten Teilnahme 2024 war es nicht leicht, direkt gegen Michael zu spielen. Ich denke noch immer, dass ich damals ein gutes Match gespielt habe, aber das war auch eine Phase, in der Michael in Bestform war. Letztes Jahr lag ich mehrfach 0:5 hinten, aber ich fand jedes Mal einen Weg, mich zurückzukämpfen und am Ende doch die Ziellinie zu überqueren.“
In Runde eins dieser Ausgabe wartet ein Duell mit Niko Springer, doch Littler ist überzeugt, dass sich kein Gegner im Vorfeld mit einer Niederlage abfinden sollte. „Ich glaube, viele Spieler sind eigentlich schon geschlagen, bevor sie überhaupt die Bühne betreten. So sollte es überhaupt nicht sein, denn es bleibt Darts und da kann alles passieren. Für mich geht es vor allem um die Mentalität, niemals aufzugeben.“

Lange Matches spielen dem Weltmeister in die Karten

Gerade die langen Matches, für die das World Matchplay ab den späteren Runden bekannt ist, zählen zu Littlers größten Waffen. Seine Zahlen sprechen Bände.
Der zweifache Weltmeister gewann sage und schreibe dreißig seiner 31 Partien in der Karriere, die über zwanzig Legs oder länger gingen. Seine einzige Niederlage in einem solchen Match datiert aus dem Finale der WM 2023/24 gegen Luke Humphries, als Littler noch nicht einmal über eine PDC Tour Card verfügte.
Dennoch ist ihm bewusst, dass die körperliche Belastung während des World Matchplay enorm ist. „Das ist schon knifflig“, sagte er über die immer längeren Matches. „Sobald du die ersten beiden Spiele überstanden hast, werden die Formate immer länger. Du stehst immer länger auf der Bühne und es wird auch zunehmend wärmer.“
Trotzdem sieht Littler darin sogar einen Vorteil. „Das liegt mir. Ich kann in ein Match hineinwachsen und werde meist nur besser, je länger die Partie dauert.“

Blick gerichtet auf eine beispiellose Leistung

Auch 2026 bleibt Littler nahezu unangreifbar. Neben seinem Premier-League-Titel holte er gemeinsam mit Luke Humphries auch seinen ersten World Cup of Darts mit England.
Bemerkenswert ist, dass die Nummer eins der Welt in diesem Kalenderjahr nur ein Match bei einem TV-Ranglistenturnier verlor. Lediglich Niels Zonneveld war im März bei den Belgian Darts Open besser.
Trotz seiner ohnehin prall gefüllten Trophäensammlung blickt Littler bereits weiter voraus. Seine Ambition reicht über die Titelverteidigung in Blackpool hinaus. „Der Clean Sweep lebt noch immer“, erklärte er. Damit meint er die einzigartige Chance, als erster Spieler der modernen Ära alle Premier-Rankingturniere für sich zu entscheiden.
Dafür wird er später in der Saison jedoch noch an Players Championship-Turnieren teilnehmen müssen, um sich für die Players Championship Finals zu qualifizieren. „Wenn ich das Matchplay gewinne, müssen wir uns danach auch einige ProTours ansehen. Hoffentlich kann ich mit fortschreitendem Turnierverlauf erneut das Finale erreichen und meinen Titel noch einmal erfolgreich verteidigen.“
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