„Wenn ich 2028 dabei sein kann, fände ich das großartig“ – Adrian Lewis lässt Comeback weiter offen

PDC
durch Nic Gayer
Samstag, 18 Juli 2026 um 14:00
cazoo pdc wc adrian lewis 2023 0078
Adrian Lewis hat nie einen Hehl daraus gemacht, welchen Stellenwert das World Matchplay für ihn besitzt. Der zweimalige Weltmeister verbindet zahlreiche besondere Erinnerungen mit dem prestigeträchtigen Turnier in den Winter Gardens von Blackpool. Viermal erreichte der Engländer das Halbfinale, 2013 stand er sogar im Endspiel. Auch wenn eine Rückkehr aktuell noch in weiter Ferne liegt, hat Lewis dieses Ziel längst nicht aufgegeben.
Der 41-Jährige hat sich zwar vorerst aus dem Profi-Darts zurückgezogen, steht bei Showturnieren aber weiterhin regelmäßig am Oche. Kurz vor dem Start des World Matchplay 2026 war Lewis in Cork zu Gast und sprach dort offen über seine aktuelle Situation. Im Mittelpunkt stehe derzeit vor allem eines: das Leben wieder zu genießen.

Lewis genießt das Leben – und denkt an Blackpool

„Ich denke, ich bin jetzt seit ungefähr drei Wochen wieder dabei“, erklärte Lewis gegenüber Darts World. „Jetzt bin ich hier in Cork und ich genieße es wirklich. Ich spiele derzeit immer noch Demonstrationsspiele. Im Moment versuche ich einfach, mein Leben zu genießen.“
Adrian Lewis jubelt auf der Blackpool-Bühne.
Adrian Lewis hofft langfristig auf eine Rückkehr zum World Matchplay – zunächst will der zweimalige Weltmeister jedoch mental wieder vollständig bereit sein.
Trotz seiner Auszeit verfolgt der zweimalige Weltmeister das Geschehen auf der PDC-Tour weiterhin aufmerksam. Gerade mit Blick auf das World Matchplay werden Erinnerungen an seine eigenen Auftritte in Blackpool wieder besonders präsent.
Für Lewis besitzt das traditionsreiche Turnier einen außergewöhnlichen Stellenwert. Nach der Weltmeisterschaft ist das World Matchplay für ihn das bedeutendste Event im Darts-Kalender.
„Das World Matchplay war immer mein Lieblingsturnier“, sagte die ehemalige Nummer zwei der Welt. „Ich habe das Matchplay immer geliebt.“
Vor allem die Atmosphäre in den Winter Gardens hebt das Turnier für Lewis von vielen anderen Veranstaltungen ab. Nach Monaten mit großen Premier-League-Arenen sei das Publikum in Blackpool ein anderes.
„Nach der Premier League, die Ende Mai vorbei ist, kommst du zum Matchplay. Während der Premier League hast du natürlich viel Fußballpublikum in der Halle. Beim Matchplay sitzen aus meiner Sicht die echten Dartsfans. Ich glaube, darauf bin ich immer gut abgegangen. Ich fand es großartig.“
Auch die traditionsreiche Spielstätte selbst trägt für Lewis zum besonderen Flair des Turniers bei.
„Es ist einfach ikonisch. Alles daran ist fantastisch. Das Publikum, die Atmosphäre und sogar die gesamte Anlaufphase zum Turnier. Jeder schaut auf die Auslosung. Es ist unglaublich.“

Phil Taylors 9-Darter bleibt unvergessen

Schon lange bevor Lewis selbst zur Weltelite gehörte, verfolgte er das World Matchplay als Zuschauer. Besonders ein Moment ist ihm bis heute in Erinnerung geblieben.
„Was mir aus meinen ersten Erinnerungen an das Matchplay vor allem geblieben ist, ist Phil Taylor, der gegen Chris Mason einen 9-Darter für 100.000 Pfund warf“, erinnerte sich Lewis.
Später entwickelte sich Taylor nicht nur zu seinem großen Vorbild, sondern auch zu seinem wohl größten Rivalen. Immer wieder trafen die beiden auf den größten Bühnen des Dartsports aufeinander – unter anderem im Finale des World Matchplay 2013.
Damals hatte Lewis im Halbfinale zunächst Michael van Gerwen bezwungen. An diese Partie erinnert er sich bis heute als eines der besten Matches seiner Karriere. „Als ich im Halbfinale gegen Michael van Gerwen spielte, war es ein großartiges Match. Ich glaube wir warfen beide im Schnitt um die 107.“
Auch im Finale gegen Taylor fühlte sich Lewis auf höchstem Niveau. Dennoch reichte selbst das nicht zum Titelgewinn. „Ehrlich gesagt hielt ich diese Form im Finale gegen Phil ebenfalls. Ich glaube ich warf im Schnitt 108 und wurde trotzdem deutlich geschlagen.“
Obwohl ihm der Titel verwehrt blieb, zählt das World Matchplay bis heute zu seinen liebsten Turnieren. „Ich liebe das Matchplay einfach. Persönlich finde ich es nach der WM das zweitgrößte Turnier.“
PDC Europe Super League

PDC-Darts-in-Deutschland-Quiz

5 Fragen · ≈ 3 Min.

um in der Rangliste mitzumachen.

Das beste Duell gegen Phil Taylor

Interessanterweise sieht Lewis das Matchplay-Finale nicht als das beste Spiel gegen Taylor an. Diesen Status nimmt für ihn vielmehr das spätere Aufeinandertreffen beim Grand Slam of Darts ein.
„Ich würde sagen, das war unser bestes Match. Zu einem bestimmten Zeitpunkt lag ich mit einem Average von 117 trotzdem 8:9 hinten. Da muss man sagen, dass es eine besondere Partie war.“
Für Lewis gewinnt eine außergewöhnliche Leistung vor allem dann an Bedeutung, wenn sie über eine längere Distanz bestätigt wird. „Es ist schön, wenn du in einem Kurzformat riesige Averages spielst. Aber wenn du das über so eine lange Distanz tust, weißt du, dass du wirklich gut spielst.“

Lewis traut Littler und Humphries den Titel zu

Auch die aktuelle Generation verfolgt der Engländer aufmerksam. Titelverteidiger Luke Littler zählt für ihn selbstverständlich zu den größten Favoriten auf den Turniersieg, gleichzeitig warnt Lewis davor, Luke Humphries zu unterschätzen.
„Natürlich bleibe ich am Ball. Ich schaue mir alle Ergebnisse an“, sagte Lewis. „Luke Littler ist, wie man so sagt, auf Kurs für den Grand Slam. Aber Luke Humphries kannst du nicht abschreiben. Ich finde ihn schlicht brillant. Alles, was Luke macht, ist großartig.“
Die Bilder aus Blackpool wecken bei Lewis gleichzeitig den Wunsch, selbst noch einmal auf diese Bühne zurückzukehren. Allerdings weiß der Engländer, wie schwierig dieses Vorhaben ist.
Derzeit besitzt Lewis keine Tour Card. Selbst wenn er sie sich bei der Q-School im Januar zurückholen sollte, müsste er zunächst den Rückstand in der Pro-Tour-Rangliste aufholen – ein entscheidender Faktor für die Qualifikation zum World Matchplay.
„Ich wäre sehr gern wieder dabei. Aber 2027 wird schwierig. Wenn ich im Januar meine Tour Card zurückbekäme, liegst du auf der Pro-Tour-Rangliste praktisch schon sechs Monate zurück. Deshalb ist es sehr unwahrscheinlich, dass ich mich dann bereits qualifiziere.“
Lewis ist sich bewusst, dass dafür von Beginn an außergewöhnliche Ergebnisse nötig wären.
„Es wird extrem schwer, das World Matchplay zu erreichen, es sei denn, du gewinnst sehr regelmäßig. Aber wenn ich 2028 dabei sein kann, fände ich das großartig.“

Mentale Stärke entscheidet über ein Comeback

Ob er tatsächlich an der kommenden Q-School teilnehmen wird, hat Lewis noch nicht entschieden. Zunächst möchte der zweimalige Weltmeister herausfinden, wie viel Freude ihm der Wettkampfsport wieder bereitet.
Eine Möglichkeit wäre für ihn auch, zunächst auf der Challenge Tour Spielpraxis zu sammeln. Deshalb denkt Lewis darüber nach, sich mit der PDC über diese Option auszutauschen.
„Ich möchte es einfach weiterhin schätzen und genießen. Vielleicht nehme ich Kontakt mit der PDC auf. Wenn ich nicht an der Q-School teilnehme, würde ich gern auf der Challenge Tour spielen. Dann kann ich mich wieder an den Wettbewerbsaspekt gewöhnen und von dort aus weiter aufbauen.“
Entscheidend für eine Rückkehr sei jedoch nicht sein spielerisches Niveau, sondern ausschließlich seine mentale Verfassung. „Ich muss erst meinen Kopf sortieren. Mental geht es noch rauf und runter. Ich muss hundertprozentig fokussiert sein, und das bin ich im Moment noch nicht.“
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading