„Vor sechs Jahren hätte ich dich ausgelacht“ – Luke Woodhouse nimmt seinen ersten PDC-Ranglistentitel ins Visier

PDC
Donnerstag, 22 Januar 2026 um 8:00
Luke Woodhouse (1)
Luke Woodhouse hat sich in den vergangenen Jahren zu einem stabilen Top-32-Spieler entwickelt. Der 37-jährige Engländer
Wer die Karriere von Luke Woodhouse nur oberflächlich betrachtet, könnte denken, dass sein Durchbruch spät kam. Wer genauer hinsieht, erkennt jedoch vor allem einen Spieler, der seine Laufbahn Schritt für Schritt, mit Rückschlägen und Fortschritten, aufgebaut hat. In einem offenen Gespräch mit dem Tops & Tales-Podcast von Schiedsrichter Huw Ware blickt Woodhouse auf seinen Weg an die Spitze zurück, auf den mentalen Kampf auf der Pro Tour und auf seine Ziele für die Zukunft. Die Geschichte eines Spielers, der nie den schnellsten, aber dafür einen nachhaltigen Weg wählte.

Langer Weg zwischen Challenge-Tour-Erfolg und PDC Tour Card

Schon bei der Vorbereitung auf das Interview fällt auf: Woodhouse gewann bereits 2013 ein Challenge-Tour-Event, musste jedoch bis 2018 warten, ehe er sich über die Q-School endgültig seine PDC Tour Card sicherte. Fünf Jahre sind eine lange Zeit, gerade für jemanden, der bereits bewiesen hatte, Turniere gewinnen zu können. Woodhouse räumt ein, dass er in dieser Phase nicht vollständig auf Darts fokussiert war. „Ich habe weiterhin die Challenge Tour gespielt, aber auch Fußball und Cricket. Ich habe eigentlich alles ein bisschen gemacht, statt mich zu hundert Prozent auf Darts zu konzentrieren.“
Diese Einstellung änderte sich erst wirklich um 2017, ein Jahr, das Woodhouse selbst als Wendepunkt beschreibt. Auf der European Tour verlor er gegen einen damals aufstrebenden Rob Cross, der sich in jenem Jahr seine PDC Tour Card holte und in Richtung WM-Titel 2018 durchstartete. „Als ich mir das Match ansah, merkte ich, dass meine Aktion viel zu niedrig war. Mein Wurf war nicht stabil genug. Da dachte ich: Wenn ich besser und konstanter werden will, muss ich meine Technik anpassen.“

Gezielte Arbeit am Wurf

Von diesem Moment an arbeitete Woodhouse gezielt an seinem Wurf. Höherer Ellbogen, weniger Variablen, mehr Wiederholbarkeit. Ein Prozess, der Zeit braucht, am Ende aber Früchte trug. Sein Fortschritt ist sichtbar, und das ist kein Zufall. „Meine Verbesserung kommt vor allem durch die Arbeit an Technik und Spiel, nicht weil ich damals nach dem Challenge-Tour-Erfolg ‚nicht nachgelegt‘ hätte.“
Während einige Spieler im Eiltempo in die Top 16 vorstoßen, ging Woodhouse einen anderen Weg. Jahr für Jahr, in kleinen Schritten, kletterte er nach oben. Das prägt seinen Blick auf die Pro Tour. In seinen Anfangsjahren fühlte er sich oft eingeschüchtert. „Du kommst in so einen Saal und siehst Michael van Gerwen, Gary Anderson, Adrian Lewis – meinen Lieblingsspieler. Wenn du dann gegen jemanden wie Anderson spielen musst, denkst du: Jetzt bloß einen guten Eindruck machen.“
Luke Woodhouse ballt die Faust Richtung Publikum
Luke Woodhouse ist die aktuelle Nummer 21 der Welt
Diese Denkweise hat sich inzwischen komplett geändert. „Heute denke ich: Es ist egal, auf wen ich treffe. Wenn ich gut spiele, kann ich jeden schlagen.“ Dieser Wandel ist nicht nur technisch, sondern vor allem mental. Woodhouse gibt zu, dass er in seinen ersten Jahren oft „starstruck“ war und sich unnötig Druck machte. Das Spielen auf großen Bühnen war damals noch nicht selbstverständlich; heute sind junge Spieler früh an volle Arenen und große Bühnen gewöhnt.

„Ich behielt ständig die Ranglisten im Blick“

Der Druck auf der Pro Tour ist enorm, besonders für Spieler, die um ihre PDC Tour Card kämpfen oder sich für große Turniere qualifizieren wollen. Woodhouse erinnert sich, wie er ständig die Ranglisten im Blick hatte. „Du weißt genau, wie viele Turniere dir noch bleiben, um die WM zu erreichen. Verlierst du zweimal in Runde eins, denkst du sofort: Jetzt muss ich gewinnen.“ Diese Denkweise kann lähmen und eine Negativspirale auslösen.
Dennoch erlebte Woodhouse keine wirklichen Tiefpunkte. Zweifel gab es – „Bin ich gut genug, um hier zu sein?“ – doch sein Umfeld fing ihn stets auf. Sein Management (Diting Promotions), seine Frau und seine Familie standen bedingungslos hinter ihm. „Das macht einen enormen Unterschied. Man sieht Spieler an Frust zerbrechen, denn heute steht so viel auf dem Spiel.“
Beim Niveau im modernen Darts schließt sich Woodhouse teilweise den Worten von Gary Anderson an. Die absolute Spitze ist vielleicht nicht zwingend besser geworden, aber die Breite schon. „Früher gab es vielleicht acht bis zehn Spieler, die auf diesem allerhöchsten Niveau spielen konnten. Heute können praktisch alle in den Top 32, oder sogar Top 50, Hundert-Plus-Averages werfen.“ Das WM-Abschneiden von Spielern wie Justin Hood – beim großen Publikum eher unbekannt – unterstreicht das.
Den größten Fortschritt sieht Woodhouse jedoch in seiner mentalen Entwicklung. Selbstvertrauen ist für ihn entscheidend. „Werfen können alle. Der Unterschied liegt im Denken, darin, wie du mit Niederlagen umgehst.“ Ein Rat des Ex-Dartspielers Pete Stills ist ihm stets geblieben: Lass deine Höhepunkte dich nicht zu hoch und deine Tiefpunkte dich nicht zu tief tragen. „Bleib so flach wie möglich.“

„Nimm aus jedem Spiel etwas Positives mit, auch wenn du verlierst“

Für junge Spieler hat Woodhouse eine klare Botschaft: Lerne gut zu verlieren. „Du verlierst mehr Matches, als du gewinnst, das ist Fakt. Nimm aus jeder Partie etwas Positives mit, auch wenn du verlierst. Das ist der einzige Weg, besser zu werden.“
Im Jahr 2026 steht Woodhouse auf Rang 21 der Weltrangliste. Er fühlt sich endlich vollends als PDC-Profi. Seine Ziele sind realistisch, aber ambitioniert. Er will seinen ersten PDC-Titel gewinnen und glaubt fest daran, dass ein Platz in den Top 16 machbar ist. „Hättest du mich das vor sechs Jahren gefragt, hätte ich gelacht. Jetzt weiß ich: Ich gehöre da hin.“
Und sein Lieblingsmatch? Ohne Zweifel sein Sieg über Michael Smith bei der WM, sein allererstes Weltmeisterschaftsturnier. „Ich musste dieses Match gewinnen, um meine PDC Tour Card zu behalten. Smith war Top Ten der Welt. Das war purer Druck.“ Trotzdem gewann Woodhouse – und legte damit vielleicht unbewusst das Fundament für alles, was danach kam.
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