„Vor sechs Jahren hätte ich dich ausgelacht“ – Luke Woodhouse nimmt seinen ersten PDC-Ranglistentitel ins Visier
PDCLuke Woodhouse hat sich in den vergangenen Jahren zu einem stabilen Top-32-Spieler entwickelt. Der 37-jährige Engländer
Wer die Karriere von Luke Woodhouse nur oberflächlich betrachtet, könnte denken, dass sein Durchbruch spät kam. Wer genauer hinsieht, erkennt jedoch vor allem einen Spieler, der seine Laufbahn Schritt für Schritt, mit Rückschlägen und Fortschritten, aufgebaut hat. In einem offenen Gespräch mit dem Tops & Tales-Podcast von Schiedsrichter Huw Ware blickt Woodhouse auf seinen Weg an die Spitze zurück, auf den mentalen Kampf auf der Pro Tour und auf seine Ziele für die Zukunft. Die Geschichte eines Spielers, der nie den schnellsten, aber dafür einen nachhaltigen Weg wählte.
Langer Weg zwischen Challenge-Tour-Erfolg und PDC Tour Card
Schon bei der Vorbereitung auf das Interview fällt auf: Woodhouse gewann bereits 2013 ein Challenge-Tour-Event, musste jedoch bis 2018 warten, ehe er sich über die Q-School endgültig seine PDC Tour Card sicherte. Fünf Jahre sind eine lange Zeit, gerade für jemanden, der bereits bewiesen hatte, Turniere gewinnen zu können. Woodhouse räumt ein, dass er in dieser Phase nicht vollständig auf Darts fokussiert war. „Ich habe weiterhin die Challenge Tour gespielt, aber auch Fußball und Cricket. Ich habe eigentlich alles ein bisschen gemacht, statt mich zu hundert Prozent auf Darts zu konzentrieren.“
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Diese Einstellung änderte sich erst wirklich um 2017, ein Jahr, das Woodhouse selbst als Wendepunkt beschreibt. Auf der European Tour verlor er gegen einen damals aufstrebenden Rob Cross, der sich in jenem Jahr seine PDC Tour Card holte und in Richtung WM-Titel 2018 durchstartete. „Als ich mir das Match ansah, merkte ich, dass meine Aktion viel zu niedrig war. Mein Wurf war nicht stabil genug. Da dachte ich: Wenn ich besser und konstanter werden will, muss ich meine Technik anpassen.“
Gezielte Arbeit am Wurf
Von diesem Moment an arbeitete Woodhouse gezielt an seinem Wurf. Höherer Ellbogen, weniger Variablen, mehr Wiederholbarkeit. Ein Prozess, der Zeit braucht, am Ende aber Früchte trug. Sein Fortschritt ist sichtbar, und das ist kein Zufall. „Meine Verbesserung kommt vor allem durch die Arbeit an Technik und Spiel, nicht weil ich damals nach dem Challenge-Tour-Erfolg ‚nicht nachgelegt‘ hätte.“
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Während einige Spieler im Eiltempo in die Top 16 vorstoßen, ging Woodhouse einen anderen Weg. Jahr für Jahr, in kleinen Schritten, kletterte er nach oben. Das prägt seinen Blick auf die Pro Tour. In seinen Anfangsjahren fühlte er sich oft eingeschüchtert. „Du kommst in so einen Saal und siehst Michael van Gerwen, Gary Anderson, Adrian Lewis – meinen Lieblingsspieler. Wenn du dann gegen jemanden wie Anderson spielen musst, denkst du: Jetzt bloß einen guten Eindruck machen.“
Luke Woodhouse ist die aktuelle Nummer 21 der Welt
Diese Denkweise hat sich inzwischen komplett geändert. „Heute denke ich: Es ist egal, auf wen ich treffe. Wenn ich gut spiele, kann ich jeden schlagen.“ Dieser Wandel ist nicht nur technisch, sondern vor allem mental. Woodhouse gibt zu, dass er in seinen ersten Jahren oft „starstruck“ war und sich unnötig Druck machte. Das Spielen auf großen Bühnen war damals noch nicht selbstverständlich; heute sind junge Spieler früh an volle Arenen und große Bühnen gewöhnt.
„Ich behielt ständig die Ranglisten im Blick“
Der Druck auf der Pro Tour ist enorm, besonders für Spieler, die um ihre PDC Tour Card kämpfen oder sich für große Turniere qualifizieren wollen. Woodhouse erinnert sich, wie er ständig die Ranglisten im Blick hatte. „Du weißt genau, wie viele Turniere dir noch bleiben, um die WM zu erreichen. Verlierst du zweimal in Runde eins, denkst du sofort: Jetzt muss ich gewinnen.“ Diese Denkweise kann lähmen und eine Negativspirale auslösen.
Dennoch erlebte Woodhouse keine wirklichen Tiefpunkte. Zweifel gab es – „Bin ich gut genug, um hier zu sein?“ – doch sein Umfeld fing ihn stets auf. Sein Management (Diting Promotions), seine Frau und seine Familie standen bedingungslos hinter ihm. „Das macht einen enormen Unterschied. Man sieht Spieler an Frust zerbrechen, denn heute steht so viel auf dem Spiel.“
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Beim Niveau im modernen Darts schließt sich Woodhouse teilweise den Worten von Gary Anderson an. Die absolute Spitze ist vielleicht nicht zwingend besser geworden, aber die Breite schon. „Früher gab es vielleicht acht bis zehn Spieler, die auf diesem allerhöchsten Niveau spielen konnten. Heute können praktisch alle in den Top 32, oder sogar Top 50, Hundert-Plus-Averages werfen.“ Das WM-Abschneiden von Spielern wie Justin Hood – beim großen Publikum eher unbekannt – unterstreicht das.
Den größten Fortschritt sieht Woodhouse jedoch in seiner mentalen Entwicklung. Selbstvertrauen ist für ihn entscheidend. „Werfen können alle. Der Unterschied liegt im Denken, darin, wie du mit Niederlagen umgehst.“ Ein Rat des Ex-Dartspielers Pete Stills ist ihm stets geblieben: Lass deine Höhepunkte dich nicht zu hoch und deine Tiefpunkte dich nicht zu tief tragen. „Bleib so flach wie möglich.“
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„Nimm aus jedem Spiel etwas Positives mit, auch wenn du verlierst“
Für junge Spieler hat Woodhouse eine klare Botschaft: Lerne gut zu verlieren. „Du verlierst mehr Matches, als du gewinnst, das ist Fakt. Nimm aus jeder Partie etwas Positives mit, auch wenn du verlierst. Das ist der einzige Weg, besser zu werden.“
Im Jahr 2026 steht Woodhouse auf Rang 21 der Weltrangliste. Er fühlt sich endlich vollends als PDC-Profi. Seine Ziele sind realistisch, aber ambitioniert. Er will seinen ersten PDC-Titel gewinnen und glaubt fest daran, dass ein Platz in den Top 16 machbar ist. „Hättest du mich das vor sechs Jahren gefragt, hätte ich gelacht. Jetzt weiß ich: Ich gehöre da hin.“
Und sein Lieblingsmatch? Ohne Zweifel sein Sieg über Michael Smith bei der WM, sein allererstes Weltmeisterschaftsturnier. „Ich musste dieses Match gewinnen, um meine PDC Tour Card zu behalten. Smith war Top Ten der Welt. Das war purer Druck.“ Trotzdem gewann Woodhouse – und legte damit vielleicht unbewusst das Fundament für alles, was danach kam.
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Oliver RiedRedakteur
Oliver Ried ist seit Ende 2024 Redakteur bei Dartsnews.de. Er berichtet dort über den professionellen Dartsport und erstellt regelmäßig Liveblogs zu den wichtigsten Turnieren und Ereignissen, darunter die PDC World Darts Championship, die Premier League Darts und das World Matchplay. Ergänzend veröffentlicht er Berichte, Einordnungen und Hintergrundtexte zum Geschehen auf der PDC-Tour. Seit Anfang 2025 schreibt er zudem für Radsportaktuell.de über den professionellen Radsport.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er selbst aktiver Dartspieler und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026











