Bei den
Saudi Arabia Darts Masters 2026 in Riad sprach
Online Darts exklusiv mit Jamie Banks, dem Head of Broadcast der Professional Darts Corporation. Im Gespräch machte Banks deutlich: Das Darts-Erlebnis im Fernsehen steht vor einem Wandel – mit neuen Gesichtern, frischen Ideen und einer klaren Vision.
Mit dem neuen Übertragungsvertrag zwischen der PDC und ITV beginne laut Banks eine neue Ära. Und die meint weit mehr als bloße Rechtefragen. „Es ist eine extrem spannende Zeit für alle in diesem Sport“, sagt er. „Der neue Deal bedeutet, dass wir deutlich mehr Kontrolle über Produkt und Produktion haben. Dadurch können wir echte Schritte machen.“
Evolvieren oder stehen bleiben
Stillstand ist für Banks keine Option. „Wir wollen das Produkt weiterentwickeln – nicht Veränderung um der Veränderung willen, sondern um das Seherlebnis zu verbessern.“ Dieser Anspruch zieht sich durch nahezu jeden Bereich der neuen Übertragungen – vom Moderationsteam über die grafische Aufbereitung bis zu den Walk-ons.
Littler gewann die allererste Ausgabe der Saudi Arabia Darts Masters.
Eine der ersten Personalentscheidungen sorgte sofort für Gesprächsstoff: die Verpflichtung von Pete Graves als Moderator, bekannt von Sky Sports. Für Banks war das ein logischer, aber mutiger Schritt. „Er stand am Anfang gar nicht ganz oben auf der Liste“, erinnert sich Banks. „Aber nach unserem ersten Gespräch war mir klar: Das ist der Richtige. Sein Wissen über den Sport, seine Vorbereitung und sein Wille, Darts besser zu machen, haben uns überzeugt.“
Die Entscheidung öffnete gleichzeitig eine Tür für Gabriella Partington, die nun bei der World Series on Air geht. „So schaffen wir den perfekten Mix: Erfahrung trifft auf Entwicklung. Gabriella kennt die Szene seit Jahren, nun hat sie die Chance, sich an der größten Bühne zu beweisen. Wer weiß, wohin das führt.“
Doch die größte Überraschung des Sommers bleibt der
Wechsel von Wayne Mardle zu ITV. „Das Gespräch war wirklich großartig“, erzählt Banks. „Wayne ist voll an Bord und freut sich enorm auf die neue Aufgabe.“ Für ihn ist Mardles Verpflichtung mehr als eine reine Personalie. „Jeder liebt Wayne. Er bringt Energie, Expertise und Emotionen – und wir wollen ihn in verschiedensten Formaten einsetzen. Damit lösen wir alte Grenzen zwischen ‚Sky-Darts‘ und ‚ITV-Darts‘ auf.“
Gleichzeitig ruft Banks zu Gelassenheit auf. „Menschen haben Meinungen, und das ist völlig normal. Aber unterschiedliche Ansichten bedeuten nicht, dass jemand dem Sport weniger wichtig ist. Wir können denselben Klub lieben und trotzdem über den Trainer streiten – das ändert nichts an unserer Leidenschaft.“
Besonders elektrisiert Fans die Vorstellung eines gemeinsamen Kommentartisches von Chris Mason und
Wayne Mardle. Banks schmunzelt: „Das wäre ein Traum. Zwei absolute Fachleute, die auf ganz unterschiedliche Weise brillieren – das kann explosiv gut werden.“
Laut Banks ist es höchste Zeit, alte Denkmuster hinter sich zu lassen. „Wir schauen nicht mehr, wer von ITV oder Sky kommt. Wir fragen: Wer passt am besten in diese Rolle? Und dann bringen wir genau diese Menschen zusammen.“
Neue Stimmen, frische Perspektiven
Auch auf der Kommentatorenseite tut sich einiges. Mit Mark Wilson und Ian Danter feiern zwei erfahrene Stimmen ihr Debüt auf Top-Niveau. Besonders Wilsons Entwicklung hebt Banks hervor: „Wir arbeiten seit Jahren mit ihm. Er ist ehrgeizig, detailgenau und hat sich enorm gesteigert.“ Danter nennt Banks sogar „einen echten Coup“. „Er bringt Radioerfahrung von talkSPORT mit, wechselt jetzt ins Fernsehen – eine große Herausforderung, aber er ist ein Vollprofi. Seine Stimme hat Charakter.“
Auch
Dan Dawson bleibt eine feste Größe. „Darüber gab es keine Diskussion“, sagt Banks lachend. „Er ist einer der besten Kommentatoren des Sports, mit einzigartigem Wissen und Timing. Aber auch hier achten wir bewusst auf Vielfalt. Wir wollen ein frisches, dynamisches Kommentatorenteam – keine One-Man-Show.“
Mit ehemaligen Spielern wie
Glen Durrant verfolgt die PDC zusätzlich ein Ziel: mehr Tiefgang. „Es ist Gold wert, jemanden dabeizuhaben, der bis vor Kurzem selbst noch gespielt hat“, erklärt Banks. „Das Spiel entwickelt sich rasant, und Durrant kann die Perspektive der Aktiven authentisch vermitteln.“
Dieses Konzept einer fundierteren Analyse spiegelt die strategische Neuausrichtung wider. „Früher haben wir viel über Matches gesprochen“, meint Banks. „Jetzt wollen wir zeigen, was passiert. Daten, Bewegungen, mentale Muster – all das gehört heute dazu.“
Der Aufstieg von
Luke Littler hat das Publikum verändert. „Wir erreichen plötzlich eine neue Generation von Zuschauern. Viele sind jung, digitalaffin, hungrig nach Kontext. Wir müssen erklären, warum etwas passiert, nicht nur, dass es passiert.“
Das führte auch zu neuen, mutigen Visuals. Grafiken, die erstmals bei den Events in Bahrain und Saudi-Arabien eingesetzt wurden, lösten geteilte Reaktionen aus. Banks bleibt gelassen: „Ich habe die Grafiken selbst abgenommen, weil ich überzeugt davon bin. Sie geben der Übertragung einen modernen Look und sprechen ein breiteres Publikum an.“Kritik aus sozialen Medien prallt an ihm nicht ab – aber sie lenkt ihn auch nicht. „Wenn du den ganzen Tag Kommentare liest, kommst du nicht weiter. Veränderung braucht Zeit. Manchmal muss man ihr die Chance geben zu wirken.“
Inspiration aus anderen Sportarten
Für die nächste Entwicklungsphase schaut die PDC bewusst über den Tellerrand. „Formel 1, Cricket, The Hundred – all diese Sportarten sind in der Präsentation konsequent, innovativ und emotional zugleich“, sagt Banks. „Auch wir übernehmen Ideen, ohne unsere Identität zu verlieren.“
Sogar die WWE dient als Quelle für Inspiration, vor allem bei den Walk-ons. „Was wir hier in Saudi-Arabien ausprobiert haben, ist neu – aber kein Standard für alle Turniere. Wir müssen immer an das Publikum vor Ort denken. Beim World Matchplay in Blackpool etwa kann man mit Licht und Kameraperspektiven viel bewirken, ohne den Charakter der Show zu verändern.“
Banks betont ausdrücklich, dass der neue Ansatz keine Kritik an der bisherigen Arbeit darstellt. „ITV hat in den vergangenen zwanzig Jahren Großartiges geleistet. Wir reißen nichts ab – wir bauen auf einem starken Fundament auf. Aber wir dürfen nicht stillstehen.“
Zum Abschluss richtet er den Blick direkt an die Fans. „Wir hören zu. Wir werden Fehler machen, und es wird Diskussionen geben. Aber jede Entscheidung hat ein Ziel: Darts im Fernsehen so zu zeigen, dass alte und neue Fans gleichermaßen begeistert sind. Wir entwickeln uns gemeinsam mit euch – Schritt für Schritt, Turnier für Turnier.“