Luke Littler hat seine Jagd auf den nächsten großen Titel mit Mühe fortgesetzt. Der 19-jährige Engländer lag am Freitagabend in der ersten Runde der
World Series of Darts Finals gegen
Danny Noppert 1:3 zurück, drehte das Duell in Amsterdam aber noch mit 6:4. Dabei musste Littler nicht nur seinen niederländischen Gegner bezwingen, sondern auch ein feindseliges Publikum.
Littler erwischte nicht seinen einfachsten Abend, fand aber erneut im richtigen Moment den nächsten Gang. „Phasenweise fühlte es sich gut an“,
analysierte er anschließend. „Als ich 1:3 hinten lag, sagte ich mir, dass ich einfach etwas finden muss. Danny spielte auch sehr stark. Aber als ich erst einmal zurückkam, wuchs mein Selbstvertrauen.“
Einer der auffälligsten Momente folgte, als Littler 95 über 15, Doppel-20 und noch einmal Doppel-20 checkte. Der Weltmeister feierte diesen Abschluss anschließend deutlich in Richtung Publikum.
Littler reagiert auf Pfiffe
Der englische Teenager musste während des Matches einige Reaktionen von den Rängen wegstecken. Littler machte hinterher kein Geheimnis daraus, dass er sie sehr wohl registriert hatte.
„Ich musste das, glaube ich, einfach mal für mich selbst machen“, sagte er zu seiner ausgelassenen Reaktion nach dem 95er-Finish. „Aber ich musste dem Publikum auch etwas zurückgeben. Jeder sollte wissen, dass es nicht bei jeder Aufnahme sein muss. Bei jedem Dart hörst du Pfiffe und Buhrufe.“
Littler scheint sich inzwischen damit abzufinden, dass solche Szenen häufiger vorkommen, nun da er als einer der größten Namen des Dartsports fast überall der Gejagte ist. „Wenn das ist, womit ich in den nächsten zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren zu tun habe, dann sei es so. Ich bin bereit.“
Dass er einen Rückstand noch drehte, machte den Sieg extra befriedigend. „Es ist natürlich schön, etwas zurückzugeben. Vor allem, wenn du 1:3 hinten liegst und dann zurückkommst, um zu gewinnen. Das gibt immer ein großartiges Gefühl.“
Littler spielt ein außergewöhnliches Jahr und hat weiterhin die Chance auf eine besondere Serie großer Titel. Dennoch betont er, dass dieser Gedanke während der Partien nicht ständig präsent ist.
„Ich würde nicht sagen, dass ich mir zusätzlichen Druck mache. Ich schaue einfach Runde für Runde. Als ich 1:3 hinten lag, dachte ich daran überhaupt nicht. Ich dachte nur: Bring dich wieder zurück ins Match. Gib dem Publikum etwas zurück. Das habe ich getan.“
Sollte Littler seine beeindruckende Serie tatsächlich fortsetzen, weiß er, dass er etwas Außergewöhnliches schaffen würde. „Es wäre wahrscheinlich eine der besten Leistungen, die je jemand im Darts gezeigt hat. Aber es ist noch ein sehr, sehr weiter Weg. Wir kommen morgen einfach wieder. Das erste Match über sechs legs ist vorbei, jetzt gehen wir zu den Partien über zehn.“
Während des Matches gab es auch einen kleinen Zwischenfall zwischen Noppert und Littler, nachdem der Niederländer eine 180 ausgelassen feierte. Nach dem entscheidenden Doppel wurde das jedoch sofort ausgeräumt.
Auffälliger Moment mit Noppert
In der Partie gab es zudem eine kurze Szene zwischen Littler und Noppert. Nachher sprachen beide kurz darüber. Laut Littler war es kein ernstes Vorkommnis. „Er warf eine 180 und feierte das mit einer Faustgeste. In meinem Kopf dachte ich nur: alles gut. Aber dann machte er es noch einmal, als ich zum Wurf ansetzte, also trat ich kurz zurück.“
Noppert suchte anschließend den Kontakt zu Littler. „Er versuchte, mich anzutippen, aber in der Hitze des Gefechts ignorierte ich ihn einfach. Am Ende sagte er: ‚Ich wollte dich antippen.‘ Ich sagte nur: ‚Ja, ich war komplett in meiner eigenen Welt.‘ Es ist, wie es ist.“
Viel Zeit, den Sieg zu genießen, bleibt Littler nicht. In der nächsten Runde wartet Nathan Aspinall. Der Engländer hat zuletzt bewusst Pausen eingelegt, um frisch in die wichtigsten Turniere zu gehen.
„Wir hatten genug freie Zeit. Der Sieg in Prag war natürlich wichtig. Danach habe ich vor allem bis zu diesem Wochenende pausiert. Ich habe noch ein paar Sponsorentermine erledigt, aber der volle Fokus liegt jetzt auf diesem Wochenende.“
Littler bestätigte zudem, dass er bei den letzten beiden Euro Tours der Saison nicht mehr antreten wird. Alles steht im Zeichen davon, für die großen TV-Turniere fit und scharf zu bleiben. Dabei hat er einen Titel besonders im Blick.
„Ich will einfach sicherstellen, dass ich bereit bin. Wenn ich morgen gegen Nathan verliere, dann ist es so. Aber wenn ich gewinne, lebt der Traum weiter. Und wenn das European Championship ansteht, ist das natürlich das große Ziel. Das ist der Titel, der mir noch fehlt.“
Zunächst wartet jedoch Aspinall. Littler weiß inzwischen, was ihn beim Landsmann erwartet. „Nathan sagt, er habe es satt, auf Nummer sechzehn zu stehen, aber wenn er gegen mich spielt, wirft er phänomenal. Jedes Mal, wenn er sein Topniveau erreicht, spiele ich auch mein bestes Spiel. Hoffentlich bekommen wir wieder so ein Match.“