Zehn Darts-Profis mit Formkrise oder Ranking-Sorgen: Ricardo Pietreczko, Martin Schindler, Michael van Gerwen, Luke Humphries und andere bekannte Spieler unter Druck im Herbst

PDC
Mittwoch, 12 August 2026 um 10:49
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Die zweite Hälfte der Darts-Saison ist traditionell die Phase, in der die Preise erst richtig vergeben werden. Nach Monaten, in denen die Players Championships und Euro Tours einen Großteil des Kalenders bestimmen, verlagert sich der Schwerpunkt zunehmend auf die großen TV-Turniere. Genau dort liegt viel Preisgeld bereit, und Spieler können in kurzer Zeit enorme Sprünge auf der PDC Order of Merit machen.
Für einige bekannte Namen kommt diese entscheidende Phase keineswegs ungelegen. Sie müssen in den kommenden Monaten Resultate liefern, um eine bislang enttäuschende Saison doch noch zu retten, ihre Position in der Weltrangliste zu verteidigen oder die Teilnahme an wichtigen Turnieren abzusichern.
Nicht jeder Spieler auf dieser Liste steckt tatsächlich in einer tiefen Formkrise. Jonny Clayton zeigt beispielsweise regelmäßig ordentliche Leistungen, kann sein Niveau jedoch zu selten in überzeugende Ergebnisse ummünzen. Bei Michael van Gerwen und Luke Humphries liegt die Messlatte aufgrund ihres Status schlicht deutlich höher. Weiter unten in der Weltrangliste sind die Sorgen konkreter. Mike De Decker droht viel Preisgeld zu verlieren, während Ricardo Pietreczko und Ricky Evans sogar befürchten müssen, dass ihr Programm im Herbst äußerst dünn ausfällt.
Das sind zehn bekannte Darter, für die die zweite Saisonhälfte 2026 von großer Bedeutung wird.

Luke Humphries

Luke Humphries startete 2026 als der Spieler, von dem erwartet wurde, dass er zum Hauptkonkurrenten von Luke Littler avanciert. Was die Ergebnisse angeht, ist davon bislang wenig zu sehen.
„Cool Hand Luke“ begann das Jahr als klare Nummer zwei der Welt, hat diese Position jedoch inzwischen an Gian van Veen verloren. Auch sein zehnter Platz in der Year-to-Date Order of Merit zeigt, dass in dieser Saison mehrere Spieler besser abgeschnitten haben.
Humphries startete noch ordentlich ins Jahr mit einem Finaleinzug bei den World Masters, doch bei den UK Open und dem World Matchplay folgte ein frühes Aus. Vor allem sein Auftritt in Blackpool war enttäuschend. Zum zweiten Mal in Folge scheiterte Humphries dort bereits in Runde eins.
Hinzu kommt, dass er relativ wenige Turniere spielt und in dieser Saison wechselhaft wirkt. Zudem hat Humphries Anpassungen an seinem Wurf vorgenommen. Mit Blick auf den wichtigen Herbst wird er hoffen, dass alle Puzzleteile wieder zusammenfinden.

Michael van Gerwen

Die Zeiten, in denen Gegner mit Zittern und Zagen in ein Match gegen Michael van Gerwen gingen, sind vorbei. Der dreifache Weltmeister kann noch immer ein außergewöhnlich hohes Niveau abrufen, zeigt das jedoch nicht mehr konstant.
Van Gerwen gewann 2022 zuletzt ein Ranking-Major. 2026 erreichte er bei keinem Ranking-Major das Viertelfinale. Das hat Folgen für seine Position in der Weltrangliste. Van Gerwen startete die Saison noch als Nummer vier der Welt, ist jedoch auf Platz sieben zurückgefallen. In der Year-to-Date Order of Merit rangiert er sogar nur auf Rang zwanzig.
Auch das virtuelle Ranking mit Blick auf die WM zeigt, dass es Handlungsbedarf gibt. Dort belegt Van Gerwen aktuell den 19. Platz. Auffällig ist, dass sein absolutes Topniveau nicht völlig verschwunden scheint. Phasenweise produziert „Mighty Mike“ weiterhin Averages von 105 oder höher. Das Problem liegt vor allem in der Inkonstanz. Um wieder dauerhaft um die großen Titel mitzuspielen, muss Van Gerwen dieses Niveau deutlich häufiger abrufen. Dabei stellt sich auch die Frage, inwieweit er noch bereit ist, alles dem Maximum seiner Dartkarriere unterzuordnen.
Michael van Gerwen blickt besorgt
Für Michael van Gerwen brechen wichtige Monate an, um seine Position in der Weltspitze zu behaupten

Jonny Clayton

Bei Jonny Clayton ist die Lage anders. Der Waliser steht nicht auf dieser Liste, weil sein Niveau dramatisch gefallen ist. Im Gegenteil, Clayton spielt regelmäßig ziemlich gut. Nur werden diese Leistungen in dieser Saison zu selten in Titel und große Resultate umgemünzt.
Die aktuelle Nummer fünf der Welt wartet 2026 noch immer auf ihren ersten Titel. Auf der Euro Tour erreichte er zwar ein Finale, ansonsten fielen seine Ergebnisse auf diesem Circuit jedoch enttäuschend aus.
In der Year-to-Date Order of Merit steht „The Ferret“ auf Platz 13. Das ist keine katastrophale Platzierung, doch Clayton hatte in dieser Saison eine gute Chance, sich noch fester in der absoluten Weltspitze zu etablieren.
Er verteidigt relativ wenig Preisgeld und hätte mit starken Ergebnissen die Top vier der Welt angreifen können. Stattdessen ist er inzwischen wieder von Landsmann Gerwyn Price überholt worden. Der Herbst bietet Clayton neue Möglichkeiten, die vertanen Chancen doch noch wettzumachen.

Stephen Bunting

Auch Stephen Bunting wird mit seinen ersten sieben Monaten kaum zufrieden sein. Der Engländer ist inzwischen auf Platz neun der Weltrangliste abgerutscht und belegt in der Year-to-Date Order of Merit lediglich Rang 21.
Vor allem seine Auftritte bei den Majors enttäuschen. Bunting hat inzwischen acht Majors in Folge nicht das Viertelfinale erreicht. Auch auf der Euro Tour will es nicht recht laufen. Er bestritt in dieser Saison acht Turniere auf dem europäischen Circuit und ein Viertelfinale ist bislang das beste Ergebnis.
Auf dem Floor zeigt sich ein ebenso schwankendes Bild, mit etlichen frühen Niederlagen. Im Herbst hat Bunting bei den Majors zunächst wenig Preisgeld zu verteidigen und damit Chancen, Boden gutzumachen. Richtung WM steigt der Druck jedoch. Dort verteidigt er einen Halbfinaleinzug. Ohne starke Ergebnisse in den kommenden Monaten könnte seine Position in den Top 16 nach der Weltmeisterschaft ernsthaft unter Druck geraten.

Nathan Aspinall

Nathan Aspinall hat selbst mehrfach betont, dass Motivation in dieser Saison ein Problem war. Nach seiner Hochzeit am vergangenen Wochenende will der Engländer den Faden wieder ernsthaft aufnehmen.
Das scheint auch nötig. Aspinall liegt nur auf Rang 22 der Year-to-Date Order of Merit und hat 2026 noch kein Viertelfinale bei einem Major erreicht.
Auf der Euro Tour sind die Ergebnisse deutlich besser. Dort holte „The Asp“ einen Titel und erreichte zudem drei Viertelfinals. Auf dem Floor lässt er jedoch viele Turniere aus. Von den ersten 26 Players Championships bestritt Aspinall nur acht. Er erreichte ein Finale, konnte darüber hinaus aber kaum große Resultate setzen.
Der Herbst wird für Aspinall daher wichtig. Nicht nur, um seiner Saison doch noch Glanz zu verleihen, sondern auch, um sich erneut nachhaltig für die Premier League zu empfehlen.

Gary Anderson

Gary Anderson hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass er mit einem reduzierten Programm dennoch äußerst effektiv sein kann. Der Schotte sammelte regelmäßig Pro-Tour-Titel, ohne alle Turniere zu spielen. 2026 fehlt ein solcher Sieg bislang.
Anderson agiert wechselhaft und scheidet auch auf dem Floor regelmäßig früh aus. Seine Strategie, mit vergleichsweise wenigen Turnieren dennoch eine hohe Position in der Weltrangliste zu behaupten, lässt sich dadurch schwerer durchhalten.
Dank seines Halbfinales bei der vergangenen WM muss Anderson vorerst nicht unmittelbar um seinen Platz in den Top 16 der Welt bangen. Sein 31. Rang in der Year-to-Date Order of Merit ist jedoch ein deutliches Warnsignal.
Will Anderson an seinem reduzierten Programm festhalten, müssen die Ergebnisse bei den Turnieren, die er spielt, nach oben.
Gary Anderson
Gary Anderson wählt seit Jahren seine Turniere gezielt aus, doch in diesem Jahr bleiben die Resultate etwas hinter den Erwartungen zurück

Martin Schindler

Martin Schindler erlebt eine schwierige Saison. Der beste deutsche Dartspieler stand im Dezember noch auf Rang 13 der Welt, ist inzwischen jedoch auf Platz 19 abgerutscht.
Sein 32. Platz in der Year-to-Date Order of Merit unterstreicht, dass die Ergebnisse 2026 hinter den Erwartungen zurückbleiben. Zudem droht Schindler die Teilnahme am World Grand Prix zu verpassen, und auch das European Championship sowie die Players Championship Finals sind noch keineswegs sicher.
Auffällig negativ sind vor allem seine Auftritte auf der Euro Tour. Nach zehn Turnieren stehen lediglich zwei Viertelfinals zu Buche. Das ist ein großer Kontrast zu den beiden Vorjahren, in denen Schindler drei Euro-Tour-Titel gewinnen konnte.
Bei großen Ergebnissen auf den Majors musste er ohnehin stets Abstriche machen. In seiner gesamten Karriere erreichte Schindler lediglich zweimal das Viertelfinale eines Ranking-Majors. Zuletzt war das im Oktober 2023. Der Herbst wird damit zu einer wichtigen Phase, um seinen Abwärtstrend zu stoppen.
Martin Schindler feiert seinen Walk-on
Martin Schindler feiert seinen Walk-on

Mike De Decker

Die Ranking-Sorgen sind bei Mike De Decker vielleicht noch größer. Der Belgier sorgte 2024 für eine Sensation, als er den World Grand Prix gewann, konnte diesem Ausreißer bislang jedoch keine Konstanz folgen lassen.
Das Problem wird in diesem Herbst besonders sichtbar. De Decker steht derzeit nicht in der Nähe der Qualifikationsplätze für den World Grand Prix und droht dadurch, die 120.000 Pfund Preisgeld für seinen Titel aus 2024 vollständig aus der Rangliste zu verlieren.
Er ist mittlerweile auf Platz 24 der Weltrangliste abgerutscht, und es wird erwartet, dass er im Oktober aus den Top 32 der Welt fällt.
Auch sein 53. Rang in der Year-to-Date Order of Merit bietet wenig Anlass zu Optimismus. Zum Vergleich: Landsmann Kim Huybrechts liegt dort siebzehn Plätze höher. Vorläufig scheint De Decker zwar noch der bestplatzierte Belgier in der regulären Weltrangliste zu bleiben, doch setzt sich die aktuelle Entwicklung fort, könnte sich dieses Bild im nächsten Jahr ändern.

Ricardo Pietreczko

Auch bei Ricardo Pietreczko stehen die Warnlichter auf Rot. Der Deutsche, der normalerweise äußerst schwer zu bezwingen ist, hat 2026 auf dem gesamten Circuit noch kein Viertelfinale erreicht.
Pietreczko kämpft zudem mit Darteritus, und seine Floor-Ergebnisse sind äußerst besorgniserregend. Von den ersten 26 Players Championship-Turnieren schied er ganze sechzehnmal in der ersten Runde aus.
Auf der Year-to-Date Order of Merit finden wir ihn daher erst auf Platz 78 wieder. Hält seine Formkrise an, droht sein Programm in der zweiten Saisonhälfte äußerst überschaubar zu werden. So wie die Karten derzeit liegen, besteht sogar die Möglichkeit, dass wir Pietreczko im Herbst nur noch bei der WM Darts sehen.
Ricardo Pietreczko
Ricardo Pietreczko

Ricky Evans

Zum Schluss erlebt auch Ricky Evans eine ausgesprochen zähe Saison. Der geborene Entertainer steht nur auf Rang 72 der Year-to-Date Order of Merit und belegt in der regulären Weltrangliste aktuell Position 51.
Seine Tour Card ist in diesem Jahr noch nicht unmittelbar in Gefahr, doch ein Mangel an Preisgeld kann ihm in der kommenden Saison durchaus Probleme bereiten. Zudem ist die Teilnahme an der kommenden WM noch keineswegs gesichert. Evans liegt derzeit nur knapp innerhalb des Teilnehmerfelds.
Ein Halbfinaleinzug auf der Euro Tour bildet den positiven Ausreißer seiner Saison. Bei den Players Championships fallen die Zahlen deutlich weniger freundlich aus. Evans kam nur einmal über die zweite Runde hinaus und schied ganze achtzehnmal in Runde eins aus.
Für „Rapid Ricky“ ist der Auftrag in den kommenden Monaten somit klar. Er muss schnell mehr Spiele gewinnen, um seine Position zu verbessern und seinen WM-Platz zu sichern. Andernfalls droht dem Alexandra Palace im Dezember der Verzicht auf einen seiner Stamm-Stimmungsmacher.
Ricky Evans im Weihnachtsoutfit in Aktion bei der WM Darts
Seine Leistungen in dieser Saison geben Ricky Evans wenig Anlass für Festlaune

Welche Majors stehen noch auf dem Programm?

Nach dem Sommer verlagert sich der Schwerpunkt der Darts-Saison deutlich auf die großen Fernseh-Bühnen. In einem Zeitraum von nicht einmal vier Monaten folgen die wichtigen Turniere Schlag auf Schlag, mit der WM Darts als großer Endstation.
Der erste Termin ist vom 17. bis 20.09., wenn die World Series Finals in der AFAS Live in Amsterdam ausgetragen werden. Obwohl dieses Turnier nicht für die PDC Order of Merit zählt und beim Prestige unter den Ranking-Majors steht, bietet das Teilnehmerfeld die Chance, Rhythmus und Vertrauen für die wichtigen Monate danach zu sammeln.
Nicht viel später wird die Rankingsaison mit dem World Grand Prix richtig fortgesetzt. Vom 28.09. bis 04.10. wird in Leicester im bekannten Double-In, Double-Out-Format gespielt. Das besondere Spielformat macht den World Grand Prix jedes Jahr zu einem der unberechenbarsten großen Turniere im Kalender.
Später im Oktober zieht der PDC-Tross nach Dortmund zum European Championship weiter. Dieses Event findet vom 22. bis 25.10. statt. Gian van Veen reist dort als Titelverteidiger an und erhält die Chance, seinem Palmarès erneut einen großen Titel hinzuzufügen.
Anschließend steht im November der erneuerte Grand Slam of Darts auf dem Programm. Das Turnier wird vom 14. bis 22.11. gespielt und umfasst in diesem Jahr ein erweitertes Teilnehmerfeld von 48 Spielern. Sie werden in sechzehn Gruppen zu je drei Spielern eingeteilt. Aus der Gruppenphase wird ermittelt, welche Akteure in die K.-o.-Runde einziehen, woraufhin der Kampf um die Eric Bristow Trophy im Ausscheidungsmodus fortgesetzt wird.
Die letzte große Standortbestimmung vor der Weltmeisterschaft sind die Players Championship Finals. Vom 27. bis 29.11. treten in Minehead die 64 besten Spieler der Players Championship-Saison an.
Danach richtet sich alle Aufmerksamkeit auf den Alexandra Palace. Die WM Darts wird vom 11.12. bis 03.01. in London gespielt und bildet wie gewohnt den absoluten Höhepunkt, mit dem die Darts-Saison abgeschlossen wird.
Datum Turnier Ort
17.-20.09. World Series Finals AFAS Live, Amsterdam
28.09.-04.10. World Grand Prix Mattioli Arena, Leicester
22.-25.10. European Championship Westfalenhalle, Dortmund
14.-22.11. Grand Slam of Darts Aldersley Leisure Village, Wolverhampton
27.-29.11. Players Championship Finals Butlins Resort, Minehead
11.12.-03.01. WM Darts Alexandra Palace, London
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