Charlie Manby hat in seinem ersten Jahr als Tour-Card-Inhaber bereits gezeigt, dass er mit den etablierten Namen auf der PDC-Tour mithalten kann. Dennoch hat der erst 20-jährige Engländer auch schnell die weniger glamouröse Seite des Profialltags kennengelernt. Vor allem die Unberechenbarkeit der ProTour und das viele Reisen sind eine deutliche Umstellung.
Manby, aktuell die Nummer 83 der Welt, erreichte in dieser Saison unter anderem die Viertelfinals der
Players Championship 7 und 8. Damit hat der Dartspieler aus Huddersfield einen beachtlichen Start in sein erstes volles Jahr als Tour-Card-Inhaber hingelegt.
Auch auf der großen Bühne hat „Champagne Charlie“ bereits angedeutet, wozu er fähig ist. Anfang dieses Jahres schaffte er es bis in Runde vier der UK Open, in der Ryan Joyce mit 10:6 zu stark war. Seinen eigentlichen Durchbruch beim großen Publikum feierte er jedoch schon bei der vergangenen WM. Bei seinem Debüt im Alexandra Palace erreichte Manby sofort die vierte Runde, ehe Gian van Veen mit 4:1 sein starkes Turnier beendete.
Der Umstieg auf eine komplette Saison im Profibetrieb hat Manby jedoch klar vor Augen geführt, dass gute Leistungen nicht automatisch belohnt werden.
„Du kannst 107 average spielen und in der ersten Runde verlieren“
„Ich genieße es“, sagt Manby im
Tops & Tales-Podcast. „Meiner Meinung nach habe ich mich im Vergleich zu den anderen neuen Tour-Card-Inhabern dieses Jahres ziemlich gut geschlagen. Wie viele neue Karteninhaber gibt es? Etwas mehr als zwanzig? Davon liege ich auf Platz vier. Und ich habe noch viel Zeit.“
Manby blickt zudem über das bloße Absichern seiner Tour Card für die kommenden Jahre hinaus. Er will sich dauerhaft unter den besten Spielern der Welt etablieren.
„Ich will das jahrelang weitermachen. Es geht für mich nicht nur darum, die Tour Card zu halten. Ich will in der Weltrangliste klettern und mich für die Majors qualifizieren.“
Dafür muss sich Manby vor allem bei den Players Championships konstant beweisen. Gerade dort hat er erkannt, wie gnadenlos der Profibetrieb sein kann. Auf den Floor-Turnieren kann ein hervorragender Average dennoch in einem frühen Aus enden.
„Ich glaube, ich bin damit einigermaßen zurechtgekommen, denn manchmal ist es einfach hart“, räumt er ein. „Das Schwierige ist, dass du in deinem ersten Match 107 average spielen kannst und trotzdem in der ersten Runde ausscheidest.“
Das Gegenteil komme laut Manby genauso vor. „Du kannst auch den ganzen Tag einen von 92 spielen und am Ende das Finale erreichen. Es ist entmutigend, wenn du Spiele verlierst, während du gut spielst. Andererseits wirkt es natürlich auch zu deinen Gunsten, wenn du nicht großartig spielst, aber trotzdem Partien gewinnst.“
Für einen jungen Spieler, der versucht, in der
PDC Order of Merit zu klettern, kann so eine Niederlage besonders schmerzen. Jeder Sieg bedeutet schließlich Preisgeld und damit Fortschritt in der Weltrangliste.
„Es ist vor allem frustrierend, wenn du weißt, dass du richtig gut spielst, die Spiele aber nicht nach Hause bringst. Dadurch steigst du nicht im Ranking und verdienst kein Preisgeld. Das ist der schwierigste Teil für mich.“
Manby erreichte bei der vergangenen WM Darts das Achtelfinale, nachdem er nacheinander Cameron Menzies, Adam Sevada und Ricky Evans besiegt hatte.
Drei Wochen lang fast nur Darts und Reisen
Nicht nur das Niveau auf der
ProTour war gewöhnungsbedürftig. Auch das Leben abseits des Boards erwies sich als intensiver, als Manby es vielleicht erwartet hatte. Die PDC-Tour führt Spieler durch ganz Großbritannien und Europa, wobei Turniere, Exhibitions und Development-Tour-Wochenenden in hohem Tempo aufeinanderfolgen können.
Vor allem der Februar ist Manby noch präsent. „Wenn alles gleichzeitig kommt, ist es ziemlich heftig. Der Februar war zu Jahresbeginn wirklich hektisch für mich“, erzählt er. „Ich bin, glaube ich, für die ersten ProTours nach Deutschland gereist. Danach kam ich zurück, flog nach Heathrow und fuhr direkt weiter zu einem Exhibition-Turnier in Great Yarmouth.“
Viel Zeit zum Durchschnaufen blieb nicht. Von Great Yarmouth aus folgte fast unmittelbar die nächste Reise. „Danach sind wir direkt nach Wigan weitergefahren, und das war eine lange Strecke. Anschließend war ich vielleicht ein oder zwei Tage zu Hause, bevor ich schon wieder nach Leicester aufgebrochen bin.“
Auch dort blieb Manby dann länger. Neben den regulären ProTour-Turnieren ist er aufgrund seines Alters nämlich weiterhin startberechtigt für die Development Tour.
„Ich war eine Woche in Leicester, weil nach den ProTours auch die Development Tours stattfanden. Es waren im Grunde drei Wochen, in denen es permanent nur um Darts ging. An den freien Tagen warst du unterwegs.“
Für Manby war es der erste Moment, in dem ihm voll bewusst wurde, wie viel Energie ein Leben als Profispieler kosten kann. „Das war das erste Mal, dass ich dachte: Jesus, das ist harte Arbeit.“
„Du bist platt, obwohl du drei Stunden lang nichts gemacht hast“
Auffällig ist, dass laut Manby nicht einmal die Matches selbst das Anstrengendste sind. Vor allem das ständige Unterwegssein fordert mit der Zeit seinen Tribut.
„Das lag rein daran, dass du ständig von einem Ort zum nächsten reisen musstest. Du hattest dauernd das Gefühl, in einem Auto, Flugzeug oder an einem Bahnhof zu sitzen.“
Selbst stundenlanges Stillsitzen im Zug kann sich laut dem jungen Engländer ermüdend anfühlen, wenn es Teil eines übervollen Kalenders ist.
„Wenn du im Zug sitzt, arbeitest du natürlich nicht wirklich hart, aber am Ende fühlt es sich so an. Du bist völlig platt und denkst: Ich bin so weit gereist. Dabei hast du eigentlich nur drei Stunden in einem Zug gesessen und gar nichts gemacht.“