„Das ist das Einzige, womit ich wirklich hadere“ – Paul Nicholson sieht Verbesserungsbedarf bei der Punkteanzeige in Darts-Übertragungen

PDC
Samstag, 28 März 2026 um 17:00
Lewis Jones
Die erneuerte Darts-Produktion der Turniere beim britischen Sender ITV hat in den ersten Monaten der Saison gemischte Reaktionen hervorgerufen. Laut Paul Nicholson ist das jedoch eine logische Folge der tiefgreifenden Änderungen hinter den Kulissen.
„Als Matchroom beschloss, die Produktion selbst zu übernehmen, war klar, dass sich Dinge ändern würden“, erklärt Nicholson in seiner Kolumne bei SportingLife. „Personal, Produktion, Infrastruktur – im Grunde wurde alles angepackt.“
Diese Entscheidung ging mit einer nahezu vollständigen Erneuerung des Teams vor und hinter der Kamera einher. Das bringt laut Nicholson automatisch Risiken mit sich.
„Viele Menschen verstehen nicht, wie viel Arbeit darin steckt. Wenn du so viel veränderst, bekommst du immer Kinderkrankheiten. Gerade bei einem Event wie Minehead, wo mit mehreren Sälen und Bühnen gearbeitet wird, ist das logistisch einfach komplex.“

Kritik in sozialen Medien: zu schnell geurteilt

Die Kritik in sozialen Medien war heftig, doch Nicholson setzt klare Fragezeichen dahinter. Seiner Ansicht nach wird ein neues Produkt zu schnell bewertet.
„Ich habe viele negative Reaktionen gesehen, aber für ein erstes Event finde ich, dass sie es einfach gut gemacht haben“, sagt er. „War es perfekt? Nein. Aber welche Produktion ist das schon?“
Er stellt fest, dass Zuschauer heutzutage dazu neigen, vor allem nach Schwachstellen zu suchen. „Es wirkt, als würden die Leute sofort denken: Was ist hier schlecht, was kann ich in sozialen Medien posten? Dabei ist es frei empfangbar. Das wird oft vergessen.“

Vergleiche mit Sky Sports

Ein oft geäußerter Kritikpunkt ist, dass die neuen ITV-Übertragungen zunehmend jenen von Sky Sports ähneln. Nicholson versteht, woher dieses Gefühl kommt. „Es gibt jetzt mehr Überschneidungen bei Gesichtern und Stimmen“, erläutert er. „Leute wie Wayne Mardle und Glen Durrant sind dazugekommen, während Mark Webster und Dan Dawson bereits für beide Sender arbeiten.“
Dadurch entstehe seiner Meinung nach ein vertrauter, aber auch uniformer Klang. „Ich kann nachvollziehen, dass die Leute denken, sie hören dieselben Meinungen. Aber es gibt noch immer typische ITV-Gesichter wie Chris Mason und neue Namen, die ihren eigenen Stempel setzen wollen.“
Besonders Moderator Pete Graves steht unter besonderer Beobachtung. Nicholson hält diese Kritik für verfrüht. „Pete Graves ist ein hervorragender Journalist“, betont er. „Er kommt aus der Fußballwelt und wird nun plötzlich in eine andere Sportart versetzt. Da muss man ihm Zeit geben.“
Er zieht den Vergleich zu früheren Wechseln in der Dartsszene. „Als Dave Clark übernahm, gab es auch Kritik. Am Ende wurde er enorm geschätzt. Und schaut auf Emma Paton, das war vielleicht der beste Übergang überhaupt. Aber das braucht Zeit.“
Laut Nicholson ist es unrealistisch, jemanden auf Basis eines einzigen Turniers zu bewerten. „Man beurteilt niemanden nach einer Sendung. Gebt ihm eine Saison, um hineinzuwachsen. Die Zusammenarbeit mit dem restlichen Team wird von selbst besser.“
Eine weitere Neuerung ist die Rolle von Reportern näher am Publikum, wie Alexa Rendall. Nicholson zufolge ist das eine bewusste Entscheidung. „Sie versuchen, mehr Verbindung zu den Fans herzustellen“, sagt er. „In Minehead gab es früher wirklich Distanz zwischen Bühne und Publikum. Das wollen sie aufbrechen.“
Dennoch ist diese Rolle seiner Meinung nach besonders anspruchsvoll. „Alexa hat vielleicht die schwierigste Aufgabe. Du stehst zwischen Tausenden feiernden Menschen und weißt nicht, wer sich mit Darts auskennt und wer nicht. Das ist kein leichtes Umfeld.“

Kritik an den Grafiken

Nicht alles stößt jedoch auf Verständnis. Nicholson zeigt sich kritisch gegenüber den neuen Grafiken, insbesondere der Anzeigetafel. „Das ist das Einzige, womit ich wirklich hadere“, gibt er zu. „Viele in der Produktion finden auch, dass die alten Grafiken völlig in Ordnung waren.“
Dennoch versteht er, dass Veränderungen bisweilen notwendig sind. „Wenn du eine neue Infrastruktur hast, musst du manchmal auch neue Systeme verwenden. Dann bekommst du neue Grafiken. Die fallen sofort auf und ziehen Kritik auf sich.“
Er erwartet jedoch, dass dies bald verbessert wird. „Sie sind nicht perfekt, das weiß jeder. Aber wenn es zur Jahresmitte noch nicht besser ist, dann hast du ein Problem. Ich denke, bis dahin ist das einfach gelöst.“

Lewis Jones unter Druck

Auch der neue Master of Ceremonies Lewis Jones sah sich deutlicher Kritik ausgesetzt. Laut Nicholson war das unvermeidlich. „Er folgt jemandem wie John McDonald. Das ist fast unmöglich“, sagt er. „Seit 1993 hatten wir im Grunde nur zwei MCs. Dann ist Veränderung immer schwierig.“
Nicholson kennt Jones persönlich und sieht, dass er seine Rolle ernst nimmt. „Er arbeitet daran, er will besser werden. Er sucht Hilfe bei Stimmcoaches und versucht, sich weiterzuentwickeln. Er steht da nicht einfach und liest einen Text herunter.“
Seiner Ansicht nach ist der Vergleich mit seinem Vorgänger unvermeidlich, aber nicht immer fair. „John McDonald war am Anfang auch nervös und musste in diese Rolle hineinwachsen. Das vergessen die Leute. Diesen Prozess siehst du jetzt auch bei Lewis.“
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