Peter Wright steht an einem entscheidenden Punkt seiner außergewöhnlichen Dart-Karriere. Der zweifache Weltmeister musste bei der vergangenen
Darts WM im Alexandra Palace erneut eine bittere Enttäuschung hinnehmen. Sein Status als Weltklasseakteur bröckelt weiter. Der Schotte, einst berühmt für seine flamboyante Ausstrahlung und sein scheinbar grenzenloses Selbstvertrauen, sieht sich inzwischen offen mit dem Rat konfrontiert, sein ikonisches „Snakebite“-Image hinter sich zu lassen und zu seinem wahren Ich zurückzufinden.
Wright ist mittlerweile auf Rang 31 der Weltrangliste abgerutscht und schied bei der diesjährigen Weltmeisterschaft bereits in der zweiten Runde aus. Gegen den Debütanten
Arno Merk unterlag er chancenlos mit 0:3. Sein Average von 79,20 verdeutlichte schmerzhaft, wie weit er aktuell von seinem einstigen Topniveau entfernt ist. Dieses Match stand sinnbildlich für ein Jahr, in dem für den Schotten nahezu nichts zusammenlief.
‚Snakebite‘-Charakter entwachsen
Die Saison 2025 lässt sich ohne Übertreibung als die schwerste in Peter Wrights Laufbahn bezeichnen. Er rutschte erstmals seit Jahren aus den Top-16 der Welt, gewann keinen einzigen Titel und erreichte bei keinem großen TV-Turnier das Halbfinale. Für einen Spieler, der über lange Zeit als feste Größe in der absoluten Weltspitze galt, ist diese Entwicklung äußerst besorgniserregend.
Peter Wright ist auf Platz 31 der Weltrangliste abgerutscht
Laut Ex-Profi und Analyst Matt Edgar liegt ein wesentlicher Teil des Problems nicht nur im sportlichen Bereich, sondern vor allem in der Person hinter dem Spieler. Im Mission Darts Podcast erklärte Edgar, Wright sei seinem berühmten „Snakebite“-Charakter möglicherweise entwachsen. „Peter hat selbst bereits gesagt, dass er eigentlich kein ‚Snakebite‘ mehr sein will“, so Edgar. „Das sagt viel. Es deutet darauf hin, dass sich die Figur, die er jahrelang auf der Bühne gespielt hat, nicht mehr richtig anfühlt.“
Edgar hebt zudem den deutlichen Unterschied zwischen dem
Peter Wright auf der Bühne und dem Menschen hinter den Kulissen hervor. „Der Peter Wright auf der Bühne ist flamboyant, farbenfroh und selbstbewusst. Backstage ist er hingegen ziemlich schüchtern und zurückhaltend. Dieser Kontrast wird immer schwieriger aufrechtzuerhalten“, erklärt der Analyst.
Entscheidend sei laut Edgar vor allem der Verlust an Überzeugung. „Snakebite funktionierte, weil Peter fest daran glaubte. Er sagte, dass er gewinnen werde, und er tat es auch. Wenn man diese absolute Überzeugung verliert, verliert die Figur ihre Kraft. Es ist wie ein Glücksritual: Wenn es nicht mehr wirkt, verschwindet die Magie.“
Diese Einschätzung deckt sich mit früheren Aussagen von Wright selbst. Der achtfache Major-Sieger gab bereits zu, dass er lieber als er selbst antreten würde – ohne den auffälligen Irokesenschnitt, grelle Outfits und die extravagante Erscheinung. Bei den Players Championship Finals erschien er sogar ohne seinen charakteristischen Punk-Look am Oche, ein seltenes Bild für Dartsfans weltweit.
„Angst, Fans zu enttäuschen“
Trotzdem ringt
Peter Wright weiterhin mit dieser Entscheidung. „Ich würde das gern tun“, sagte er zuvor. „Aber ich habe Angst, meine Fans zu enttäuschen. Vor allem die Kinder.“ Diese Worte zeigen seine tiefe Loyalität gegenüber seiner Anhängerschaft, aber auch den inneren Konflikt, in dem er sich befindet: an einem Image festhalten, das ihm einst große Erfolge bescherte, oder loslassen, um sich selbst neu zu finden.
Die kommenden Monate werden richtungsweisend für die Zukunft von
Peter Wright sein. Mit 55 Jahren ist Zeit kein selbstverständlicher Verbündeter mehr. Seine Erfahrung und sein Talent bleiben jedoch unbestritten. Die zentrale Frage lautet nicht, ob er noch gewinnen kann, sondern in welcher Form er künftig an die Dartscheibe treten muss.