„Die Sperre ist einfach viel zu kurz“ – Mark Webster kritisiert die Dopingsperre gegen Dom Taylor deutlich

PDC
Montag, 26 Januar 2026 um 7:30
Mark Webster
Mark Webster ist ein ehemaliger Profidartspieler, der heute als Kommentator und Experte arbeitet. In einem offenen Gespräch sprach der Waliser über das erweiterte WM-Format, die Dominanz von Luke Littler, Überraschungen wie Ryan Searle und Gian van Veen, mentalen Druck im Spitzensport und die Zukunft etablierter Namen, die unter Druck stehen. Eine Erkenntnis zog sich durch alles: Der Dartsport auf Weltniveau ist härter, schneller und kompromissloser denn je.

WM-Erweiterung: Risiko, das sich auszahlte

Die Erweiterung der Darts WM auf 128 Spieler war im Vorfeld umstritten, doch laut Webster hat sich das Format bewährt. „Es gab die Befürchtung, dass das Niveau verwässert, aber das ist absolut nicht passiert“, stellt er klar. Im Gegenteil: Gerade in den frühen Runden entstanden neue Geschichten. Siege unter anderem von David Munyua und Nitin Kumar unterstrichen den internationalen Charakter des Turniers.
Laut Webster war die WM insgesamt ein Erfolg und ein Schritt nach vorn für den Sport. „Wir haben viele gesetzte Spieler früh rausfliegen sehen, und das hält das Turnier lebendig.“

Luke Littler: jetzt schon bei den Großen

Die absolute Hauptrolle lag erneut bei Luke Littler, der seinen WM-Titel verteidigte und sich damit in den exklusiven Kreis der Mehrfach-Weltmeister einreihte. „Er musste kaum ins Schwitzen kommen“, sagt Webster, relativiert das aber sofort. „Das liegt daran, dass er so unfassbar gut spielt.“
Als Nummer eins der Welt hatte Littler eine relativ günstige Auslosung, aber er musste durchaus durch knifflige Partien, etwa gegen Darius Labanauskas und Rob Cross. „Aber er hat diese WM dominiert. Im Moment ist er der Mann, den es zu schlagen gilt.“
Die Frage, ob Littler bereits zu den Größten aller Zeiten zählt, beantwortet Webster ohne Zögern mit Ja. „Was er in so kurzer Zeit erreicht hat, ist unglaublich. Und sein Hunger ist ungebrochen. Ich liebe es, wie schlecht er verlieren kann – das gehört zu echten Champions.“

Wiedererstarkter Anderson, Durchbruch für Searle und hungriger Van Veen

Eine der positiven Überraschungen der WM war Gary Anderson, der phasenweise wieder das Niveau seiner Glanzjahre erreichte. Webster war nicht überrascht. „Er ist immer noch hungrig und findet neue Wege, sich zu motivieren.“ Der Schotte scheint seinen Fokus auf Ranglistenturniere verlagert zu haben, was sich mit einem Halbfinaleinzug auszahlte.
Auch Ryan Searle beeindruckte. Mit seiner besten WM überhaupt verdiente er nicht nur sein höchstes Preisgeld, sondern drang auch in die Top Ten der Welt vor. „Das muss lebensverändernd für ihn sein“, sagt Webster. „Jetzt beginnt die echte Herausforderung: dieses Niveau halten.“ Seiner Ansicht nach hat Searle alles, um dauerhaft um Titel mitzuspielen.
Vielleicht der meistdiskutierte Name der vergangenen zwölf Monate ist Gian van Veen. Der Niederländer erlebte eine Blitzkarriere und krönte sich zum Major-Sieger. „Ich kenne ihn schon aus seinen Anfängen“, erzählt Webster. „Selbst er wird finden, dass das schneller geht als erwartet.“
Van Veen qualifizierte sich für die Premier League Darts, die World Series of Darts und den World Cup of Darts. „Das ist alles neu für ihn, und das spielt ihm in die Karten. Er ist frisch, hungrig und will einfach nur spielen.“ Webster erwartet, dass Van Veen auch dieses Jahr mehrere Titel holt.

Druck, mentale Gesundheit und Grenzen

Die WM hatte auch unschöne Momente, in denen die Emotionen hochkochten. Laut Webster gehört Druck nun einmal zu einer individuellen Spitzensportart. „Das war früher auch so, aber die Preisgelder sind größer und die Scheinwerfer heller.“
Er betont, dass ausreichend Hilfe für Spieler verfügbar ist, die mental zu kämpfen haben. „Das Wohl der Spieler steht an erster Stelle. Niemand will sehen, dass jemand daran zerbricht.“ Gleichzeitig erkennt er an, wie schwer der Umgang mit Niederlagen sein kann. „Ich war selbst auch kein guter Verlierer.“
Zur sechsmonatigen Sperre für Dom Taylor nach einem zweiten Dopingverstoß bezieht Webster klar Stellung: „Viel zu kurz.“ Er weist darauf hin, dass der Fall außerhalb der PDC geregelt wurde, betont aber, dass Taylor vor allem Hilfe braucht. „Zwei positive Tests in kurzer Zeit deuten auf ein tieferliegendes Problem hin.“
Laut Webster sollte Taylor erst zurückkehren, wenn er wirklich bereit ist. „Nicht, weil es der Kalender sagt, sondern weil er mental und körperlich wieder stabil ist.“

Rangliste unter Druck durch WM-Preisgeld

Das explosive Wachstum des Preisgelds bei der WM hat großen Einfluss auf die Weltrangliste. „Ein guter Run kann deine Karriere komplett verändern“, stellt Webster fest, der Ryan Searle als Beispiel nennt. Obwohl das die Rangliste verzerrt, sieht er auch Vorteile. „Für Spieler mit Job neben dem Darts kann das genau der Anstoß sein, voll auf den Sport zu setzen.“

Premier League: die richtigen Entscheidungen?

Die Zusammensetzung der Premier League Darts sorgte für Diskussionen. Webster fühlte vor allem mit Danny Noppert, der außen vor blieb. „Das fühlte sich wie sein Moment an.“ Gleichzeitig freute er sich über die Rückkehr von Jonny Clayton, der seiner Meinung nach in diesem Format aufblüht.
Über Stephen Bunting ist er kritisch, aber hoffnungsvoll. „Letztes Jahr hat er enttäuscht, aber er hat daraus gelernt. Ich erwarte diese Saison mehr Gegenwehr von ihm.“
Webster freut sich auch auf seine Rolle in den erneuerten ITV-Dartsübertragungen. „Veränderung ruft immer Kritik hervor, aber es wirkt frisch.“ Für 2026 erwartet er weitere Dominanz von Littler, ein Comeback von Michael van Gerwen und Luke Humphries sowie Durchbrüche junger Spieler wie Charlie Manby.
Zum Schluss verweist er auf das Tabellenende der Rangliste, wo große Namen wie Peter Wright, Dimitri Van den Bergh, Dave Chisnall, Rob Cross und Raymond van Barneveld um ihre Zukunft kämpfen. „Das ist ein entscheidendes Jahr. Der Sport wartet auf niemanden.“
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