Wesley Plaisier hält seit eineinhalb Jahren seine Tour Card in den Händen. Sein ganzes Leben lang hat der Niederländer auf diesen Moment hingearbeitet. Inzwischen spürt er jedoch auch den Druck, der mit dem Startrecht auf der PDC-Tour einhergeht. Eine kürzlich gestellte Diabetes-Diagnose erschwert ihm zusätzlich, seine Position zu verteidigen.
„Ich wollte immer eine Tour Card holen, und das gefällt mir auch weiterhin. Schade finde ich nur, dass ich nicht mehr alles spielen darf und kann“, erklärt Plaisier in der neuesten Folge des
Podcasts Darts Draait Door. Die PDC untersagt Tour-Card-Inhabern die Teilnahme an Turnieren, die der Verband nicht selbst ausrichtet. Darunter fallen WDF-Turniere und die Modus Super Series – Wettbewerbe, bei denen der 36-Jährige früher regelmäßig antrat. Als Dartsliebhaber vermisst er diese Auftritte deutlich.
Weniger Antritte, mehr Rückschläge
„Jetzt begnüge ich mich mit kleineren lokalen Turnieren, der niederländischen Liga und der Super League. Das bleibt schön, aber Niederlagen schmerzen dabei umso mehr. Früher habe ich viel geworfen und auch viel gewonnen. Inzwischen verliere ich relativ oft, und das nagt am Selbstvertrauen. Zwischen April und Mai dieses Jahres etwa habe ich kein einziges Spiel gewonnen. Das frustriert mich, denn ich will einfach gewinnen.“
Plaisier gewann 2024 sein erstes und einziges Players Championship-Turnier.
Sollte Plaisier Ende 2026 nicht unter den Top 64 der
PDC Order of Merit stehen, muss er zurück zur Q-School. Auch wenn er dann erneut auf viele seiner früheren Turniere verzichten müsste, würde er ohne Zögern wieder um seine Tour Card kämpfen. „Ich habe es immer gewollt, jetzt habe ich es erreicht, und ich hoffe, es länger zu halten.“
Die Beschränkung auf PDC-Turniere hat ihm aber auch mehr Ruhe gebracht. „Früher wollte ich sieben Tage die Woche darten. Jetzt reichen mir fünf Tage völlig aus – ich werde eben auch älter“, lacht er. „Das Zurückschalten fiel mir nicht schwer, denn mit einer Tour Card weiß man, dass man nur bei der PDC antreten darf.“
Aktuell steht Plaisier auf Platz 70 der Weltrangliste. Im letzten Halbjahr muss er also noch genügend Preisgeld sammeln, um in die Top 64 vorzustoßen und sein Startrecht zu sichern. Zu allem Überfluss erhielt er kürzlich die Diagnose Diabetes – ein Umstand, der sein Ziel gewiss nicht erleichtert. Schon vor der Diagnose bemerkte er an langen Turniertagen einen spürbaren Energiemangel. Die Diagnose erklärt nun, woher dieser Mangel stammte und warum seine Form zuletzt schwankte.
Rat von einer Darts-Legende
„Ein paar Euro Tours habe ich zudem verpasst, weil ich in den Qualifikationsfinals verloren habe. Auch das frustriert mich. Den Druck, meine Tour Card zu verlieren, spüre ich aktuell noch nicht – der wird wohl erst gegen Jahresende kommen.“
Die notwendige Umstellung seines Lebensstils kostete Plaisier auch einige Kilogramm Körpergewicht. „Das war vermutlich mit ein Grund, warum ich zuletzt schwächer wirkte“, vermutet er selbst. Vincent van der Voort betont im Podcast, dass niemand Diabetes unterschätzen sollte. „Colin Lloyd hat die Krankheit die Karriere gekostet. Manche Spieler leiden wirklich stark darunter“, sagt der ehemalige Profi.
Auch Raymond van Barneveld kämpft seit Jahren mit Diabetes. Der fünffache Weltmeister spürt die Auswirkungen regelmäßig während seiner Auftritte am Oche. Nach seiner eigenen Diagnose wandte sich Plaisier deshalb an ihn. „Vor allem am Anfang habe ich viel mit ihm gesprochen“, berichtet er. „Er gab mir Tipps, was ich essen kann und worauf ich besser verzichten sollte – zum Beispiel auf Zucker und normale Cola. Ich muss gesündere Entscheidungen treffen und mein Leben anpassen. Am Anfang fiel mir das schwer und ich musste mich erst daran gewöhnen.“
Nach einigen Monaten des Ausprobierens hat Plaisier inzwischen eine gute Balance gefunden. „Ich habe mein Essverhalten umgestellt und gehe nun zweimal pro Woche spazieren. Mein Blutzuckerspiegel hat sich seitdem wieder normalisiert.“ Van der Voort weist jedoch darauf hin, wie schwer es Dartsspielern grundsätzlich fällt, auf ihre Gesundheit zu achten: „In den Hallen riecht es überall nach Frittierfett. Herz-Kreislauf-Erkrankungen lauern an jeder Ecke. Das ist eigentlich nicht normal.“
Plaisier will jedenfalls nicht mehr zu seinem früheren Zustand zurückkehren. „Große Probleme hatte ich mit der Umstellung eigentlich nicht. Natürlich musste ich mich daran gewöhnen, aber jetzt verstehe ich, warum ich an manchen Tagen weniger Energie hatte. Das erklärt einiges. Inzwischen nehme ich Medikamente, und es läuft gut.“