Luke Littler hebt den Dartsport auch abseits des Boards weiter auf ein höheres Niveau. Der amtierende Weltmeister wird später in diesem Jahr das Gesicht des neuen Live-
Netflix-Events Beat Luke Littler, bei dem zwanzig Amateurspieler die Chance erhalten, die größte Sensation der Dartswelt herauszufordern. Wer den neunzehnjährigen Engländer schlägt, geht mit einem Hauptpreis von stolzen 501.000 Pfund nach Hause.
Der ehemalige Schiedsrichter und ikonische Caller
Russ Bray ist vom Konzept begeistert und sieht es erneut als Beleg für das enorme Wachstum, das der Sport in den vergangenen Jahren erlebt hat. Im Gespräch mit
talkSPORT Darts sprach Bray voller Bewunderung über Littlers Einfluss, die Kritik, die der junge Engländer bisweilen einstecken muss, und die Frage, ob ein Amateur tatsächlich für eine Überraschung sorgen kann.
„Luke Littler hat Darts erneut auf ein höheres Niveau gehoben“
Laut Bray ist kaum zu fassen, wie rasant sich der Sport entwickelt hat. Wurde Darts in den achtziger Jahren durch Eric Bristow groß und anschließend über Jahre von Phil Taylor dominiert, so habe Littler nun abermals für eine gewaltige Revolution gesorgt.
„Absolut. Es begann zu Zeiten von Eric Bristow, danach übernahm Phil Taylor mehr als zwanzig Jahre lang. Aber Littler … mein Gott. Dieser Junge hat den Sport erneut auf ein anderes Niveau gebracht.“
Bray erinnert sich noch gut an das WM-Finale 2024 zwischen Luke Littler und Luke Humphries, das letzte Finale, bei dem er selbst als Caller aktiv war. „Ich sagte damals nach dem Finale: Schaut in zwei Jahren noch einmal, wie gut er dann ist. Erst dann könnt ihr wirklich beurteilen, wie groß sein Talent ist. Nun, er hat das mehr als bewiesen.“
Nach Brays Ansicht fehlt auf der beeindruckenden Erfolgsliste des jungen Engländers nur noch ein großer Titel. „Meiner Meinung braucht er nur noch die European Championship im Oktober zu gewinnen, dann hat er wirklich jeden großen Titel auf seinem Konto.“
Auch die Zahlen sprechen seiner Meinung nach Bände. „Ein Average von 111,53 in einem großen Finale … das sind unglaubliche Statistiken.“
Kritik an Littler kann Bray nicht nachvollziehen
Obwohl Littler inzwischen die klare Nummer eins der Welt ist, bekam er in den vergangenen Monaten bei verschiedenen Turnieren immer wieder Buhrufe oder negative Reaktionen aus dem Publikum zu hören. Bray kann das kaum verstehen.
„Andy hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Oft stellen wir Sportler erst auf ein Podest, und sobald sie erfolgreich sind, versuchen wir, sie wieder herunterzuholen.“
Er zieht dabei einen Vergleich mit dem ehemaligen Boxweltmeister Frank Bruno. „Schaut euch Frank Bruno an. Er verlor ein paar WM-Kämpfe und alle fühlten mit ihm. Sobald er Weltmeister wurde, suchten die Leute nach negativen Geschichten, um ihn wieder niederzumachen.“
Dasselbe passiere nun bei Littler, so Bray. „Ich lese heutzutage Leute sagen, es sei langweilig, weil er ständig gewinnt. Aber es ist überhaupt nicht langweilig. Es ist fantastisch anzuschauen.“
Er findet, die Leistungen des jungen Weltmeisters verdienten deutlich mehr Anerkennung. „Ehrt diesen Jungen für das, was er ist. Er ist ein absolut fantastisches Talent.“
Netflix-Event bietet Amateuren eine einzigartige Chance
Später in diesem Jahr erhalten zwanzig Amateurspieler die Chance, sich ihren Traum bei Beat Luke Littler zu erfüllen. Das Live-Event von Netflix lässt ausgewählte Amateure nacheinander gegen den amtierenden Weltmeister antreten. Der Einsatz ist gewaltig: Wer Littler schlägt, gewinnt 501.000 Pfund.
Auf dem Papier wirkt das nahezu unmöglich, doch Bray schließt eine Überraschung keineswegs aus. „Hundertprozentig. Ich sage nicht, dass Luke alle zwanzig Partien gewinnen wird.“
Seiner Meinung nach spielen die Gesetze der Wahrscheinlichkeit eine wichtige Rolle. „Heutzutage laufen Kinder von neun, zehn oder elf Jahren herum, die einfach einen Neundarter werfen. Wenn du so jemanden gegen Luke stellst, kann er wirklich in Schwierigkeiten geraten.“
Zudem weist Bray auf ein oft unterschätztes Detail hin. „Es kommt auch darauf an, wer anfangen darf. Das kann einen großen Unterschied machen.“
Bray betont jedoch, dass die Qualität am Board nur ein Teil der Geschichte ist. Genauso wichtig ist, wie die Amateure mit dem enormen Druck einer Live-Übertragung umgehen. „Das ist ein völlig anderer Aspekt des Spiels.“
Er verweist auf das Zusammenspiel von TV-Kameras, Scheinwerfern und großem Publikum. „Ihr wisst selbst, wie es ist, live aufzutreten. Der Druck ist enorm. Wenn man das nicht gewohnt ist, verändert das alles.“ Genau deshalb erwartet Bray, dass Littler letztlich weiterhin im Vorteil sein wird. „Ich bin sicher, dass Luke das sehr gut machen wird.“
Littler bleibt der große Motor hinter dem Darts-Boom
Dass Netflix ausgerechnet Luke Littler als Aushängeschild seiner ersten großen Darts-Produktion wählt, überrascht Bray daher keineswegs. Nach Ansicht des ehemaligen Top-Schiedsrichters ist der junge Engländer zum Gesicht einer neuen Generation geworden und zieht ein komplett neues Publikum zum Sport.
Seit seinem Durchbruch ist die Popularität von Darts explosionsartig gestiegen. Immer mehr Kinder fangen selbst mit dem Darten an und große Medienunternehmen investieren kräftig in neue Konzepte rund um den Sport. Das neue Netflix-Event ist dafür vielleicht das deutlichste Beispiel.