Der zweimalige Weltmeister
Peter Wright hat auf der European Tour die nächste bittere Niederlage kassiert. In Antwerpen musste sich der Schotte mit 1:6 gegen
Luke Woodhouse geschlagen geben – ein Ergebnis, das die Darts-Experten
Glen Durrant und
Dan Dawson dazu veranlasste, öffentlich die Frage zu stellen: Wie geht es mit „Snakebite“ weiter?
Von Beginn an wirkte Wright gehetzt und suchte vergeblich nach Sicherheit in seinem Wurf. Woodhouse übernahm sofort die Kontrolle, schnappte sich zwei Breaks und lag schnell mit 3:0 vorne. Der Engländer spielte konzentriert weiter und baute den Vorsprung auf 5:0 aus. Nur ein knapp verpasstes Bullseye verhinderte den Whitewash. Wright durfte zwar noch ein Leg für sich verbuchen, doch Woodhouse ließ nichts mehr anbrennen und machte den Sieg souverän klar.
Zahlen, die Bände sprechen
Die Statistiken unterstrichen den Klassenunterschied deutlich. Wright brachte lediglich einen schwachen Average von 74,62 Punkten auf die Bühne – Woodhouse dagegen spielte stabile 94,11 Punkte im Average. Während „Snakebite“ nur ein Maximum verbuchte und seine Doppelquote bei mageren 14,3 Prozent (1/7) lag, nutzte Woodhouse mehr als jeden zweiten Versuch auf Doppel (54,5 Prozent) eiskalt aus.
Für Glen Durrant war das Gesamtbild entscheidender als das reine Ergebnis. „Ich glaube, Peter Wright weiß, dass sein Spiel im Moment nicht so gut ist“, analysierte der frühere Premier-League-Sieger. „Wir haben uns seine ProTour-Ergebnisse angesehen und gehofft, dass ihn die große Bühne wieder antreibt. Aber das war enttäuschend. Er erzielt nicht die Scores, die wir von ihm kennen – das ist nicht der Peter Wright, den wir gewohnt sind.“
Der Engländer erinnerte sich an die Zeit, als Wright noch voller Überzeugung auftrat: „Ich habe ihn oft dafür bewundert, dass er einfach sagte: ‚Ich werde dieses Jahr ein Turnier gewinnen.‘ Aber mittlerweile frage ich mich: Glaubt er das noch selbst?“
Dawson: „Es läuft in die falsche Richtung“
Auch PDC-Kommentator Dan Dawson zeichnete ein kritisches Bild. Für ihn begann Wrights Abwärtstrend, als der Schotte anfing, Turniere auszulassen. „Er hat gesagt: ‚Ich spiele nicht mehr so regelmäßig, ich bin nicht mehr so fit.‘ Dann hat er wieder mehr gespielt, konnte die Konstanz aber nicht zurückgewinnen“, erklärte Dawson.
Mittlerweile stehe Wright an einem gefährlichen Punkt: „Es besteht nicht nur das Risiko, dass er sich für bestimmte Turniere gar nicht mehr qualifiziert. Selbst wenn er teilnimmt, kommt er selten über ein oder zwei Spiele hinaus. Er verliert an Matchpraxis, und das läuft komplett in die falsche Richtung. Es sieht schwer aus, das zu stoppen.“
Noch vor wenigen Jahren lieferte sich Wright packende Duelle mit Michael van Gerwen und Gerwyn Price um die Spitzenplätze im Darts. Heute wirken diese Zeiten weit entfernt. Seine Ergebnisse und Werte zeigen klar: Der Schotte ist derzeit weit davon entfernt, auf dem Niveau mitzuhalten, das auf dem PDC-Circuit notwendig ist.
Woodhouse abgeklärt – Wright ratlos
Während Wright weiter nach seiner Form sucht, präsentierte sich Luke Woodhouse von seiner besten Seite. Der Engländer spielte ohne Nerven, nutzte seine Chancen und zeigte einmal mehr, dass er auch große Namen auseinandernehmen kann. Seine ruhige Effizienz am Oche dürfte ihm für die kommenden Aufgaben Selbstvertrauen geben.
Für Wright hingegen wird die Lage immer ernster. Zwar wirkt er körperlich schlanker, doch diese Veränderung überträgt sich nicht auf sein Spiel. Es fehlt an Schärfe, Präzision und Konstanz. Die drängende Frage lautet: Wie lange hält er an alten Routinen fest, und ist er bereit, radikal neue Wege einzuschlagen?
Durrant und Dawson sind sich einig: Eine einfache Rückkehr zu mehr Spielpraxis wird nicht genügen. Wright braucht mehr als nur Zeit auf der Bühne – möglicherweise einen kompletten Neustart. Ob der zweifache Weltmeister diesen Schritt wagt, bleibt offen. Sicher ist nur: Der „Snakebite“, der einst mit grenzenlosem Selbstvertrauen auf die Bühne marschierte, ist aktuell kaum wiederzuerkennen.