„Ich bin im Schatten von Michael van Gerwen und Luke Littler“ – Gian van Veen zeigt nach seinem WM-Drittrundensieg über Madars Razma, wie stark ihn diese Rolle beflügelt
PDC
Gian van Veen steht verdient in der vierten Runde der Darts WM 2026. Der 23-Jährige setzte sich mit 4:1 gegen Madars Razma durch und überzeugte einmal mehr mit seiner Ruhe und Effizienz auf der großen Bühne. Und das, obwohl sich der Erfolg für ihn selbst gar nicht nach seiner besten Leistung anfühlte.
„Wenn es sich nicht gut anfühlt und du trotzdem 98 im Schnitt spielst bei 57 Prozent auf die Doppel, sagt das viel darüber aus, wo du stehst“, erklärte Van Veen nüchtern nach dem Spiel. Er wirkte zufrieden – und zugleich erstaunlich analytisch. „Man hat gesehen, dass ich mich weniger wohlgefühlt habe als in den ersten beiden Runden“, gab er zu. „Meine Darts landeten nicht im gewünschten Winkel. Das war frustrierend.“ Trotzdem brachte der Niederländer das Match souverän über die Ziellinie. „Ich schaute nach drei Sätzen kurz auf den Bildschirm und sah 98, 102 und 103 im Schnitt – und konnte es kaum glauben. So hat es sich nicht angefühlt.“
Siegen, auch wenn das Gefühl fehlt
Genau dieses Phänomen betrachtet Van Veen als entscheidenden Fortschritt in seiner Entwicklung. „Wenn du dich nicht großartig fühlst, aber trotzdem souverän gewinnst, ist das ein großer Vorteil“, betonte er. Es ist eine Qualität, die er sich über Monate erarbeitet hat – und die ihn längst zu einem der spannendsten Spieler im Circuit gemacht hat. Sein Triumph bei der European Championship im Herbst markierte den bisherigen Höhepunkt einer rasant verlaufenden Saison.
Gian van Veen trifft in der vierten Runde auf Ricky Evans oder Charlie Manby
Seit diesem Titel wirkt der junge Niederländer gefestigt wie nie. „Mein Selbstvertrauen ist seither durch die Decke gegangen“, sagte er offen. „Auch wenn ich beim Grand Slam die Gruppenphase verpasst habe, war mein Spiel absolut stark. Ich gewann zwei von drei Partien, schlug bei den Players Championship Finals Luke Humphries und verlor nur knapp gegen Krzysztof Ratajski. Diese Ergebnisse waren vielleicht nicht perfekt, aber mein Spiel war es.“
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Diese Überzeugung trägt Van Veen auch auf die WM-Bühne. In den zweiten Runden spielte der Niederländer im Duell mit Alan Soutar den bisher höchsten Average des Turniers von über 108 Punkten. „Ich freue mich auf die letzten Sechzehn. Ich fühle mich gut – und wer weiß, was möglich ist.“
„Ich schaue nur auf das nächste Match“
Angesichts seines rasanten Aufstiegs bleibt Van Veen bemerkenswert gelassen. Mit einem weiteren Sieg könnte er sich in der Weltrangliste bereits unter die Top 4 schieben – eine Aussicht, die er mit einem Lächeln kommentierte. „Wenn das passiert, zwicke ich mich kurz. Vor einem Jahr war ich Nummer 27 oder 28 der Welt. Dieses Jahr ist so schnell vergangen.“
Dennoch will er den Blick nicht auf Rankings richten. „Ich weiß, wen ich überholt habe, aber ich beschäftige mich nicht damit. Die WM ist wichtiger als Punkte und Platzierungen. Ich nehme es Match für Match.“
Nach seiner klaren 3:0-Führung gegen Razma schlich sich kurzzeitig Nachlässigkeit ein – ein Moment, den Van Veen selbstkritisch ansprach. „Ja, ich wurde ein bisschen zu locker. In meinem Kopf war ich schon durch. Ich dachte zu viel über meinen Wurf nach und darüber, wie die Darts im Board standen. Dadurch ging der Satz verloren.“
Doch sein Mentaltraining zeigte Wirkung. „Als ich von der Bühne ging, sagte ich mir: Nicht überdenken. Keine 180? Dann eben 174 oder 171 – Hauptsache, du triffst Triples. Genau das habe ich im letzten Satz getan, und dann war mein Spiel wieder da.“
Noch keine Elite? „Ich muss erst lernen, es zu glauben“
Trotz aktueller Ranglistenposition Nummer sechs zählt sich Van Veen selbst noch nicht zur absoluten Weltspitze. „Nein, so fühle ich mich nicht“, meinte er ehrlich. „Die Buchmacher sehen mich vielleicht als dritten oder vierten Favoriten, aber ich hatte hier vor diesem Jahr noch nie ein WM-Match gewonnen. Das relativiert einiges.“
Er weiß, dass er sich selbst noch stärker vertrauen muss. „Ich kneife mich manchmal, wenn ich lese, dass ich Nummer sechs der Welt bin. Ich muss lernen, daran zu glauben. Wenn ich weiter so spiele wie im letzten Jahr, gehöre ich bald zu dieser Gruppe – aber im Moment fühlt es sich noch surreal an.“
Leben im Schatten von Michael van Gerwen und Luke Littler
In den Niederlanden gilt Van Veen zunehmend als klare Nummer zwei hinter Michael van Gerwen – eine Rolle, die er mit erstaunlicher Reife annimmt. „In den Niederlanden schauen alle auf Michael. Er ist der Mann. Aber weil es ihn gibt, liegt nicht der ganze Druck auf mir. Das hilft mir sehr.“
Auch auf internationaler Bühne kennt Van Veen dieses Gefühl. „Als junger Spieler stehe ich auch im Schatten von Luke Littler“, erklärte er. „Das ist sogar hilfreich.“ Ob er diesen Schatten eines Tages verlassen möchte? Van Veen lachte. „Natürlich. Jeder Mensch will irgendwann die Nummer eins der Welt sein – die Nummer eins der Niederlande, Weltmeister. Aber im Moment bin ich glücklich in diesem Schatten. Wenn ich dieses Turnier gewinne, trete ich automatisch heraus – und ich würde mich sicher nicht beschweren.“
Er zieht den Vergleich zu Deutschland: „Dort lastet der ganze Fokus meist auf einem Spieler. Das stelle ich mir extrem schwierig vor. Für mich ist es angenehm, im Schatten von Michael zu stehen. Alle achten auf ihn – und ich kann in Ruhe meinen Weg gehen.“
Und trotzdem: Der Wunsch, diesen Schatten irgendwann zu verlassen, ist da. Van Veen lacht. „Klar will jeder Weltmeister werden – die Nummer eins der Niederlande und der Welt. Aber gerade ist das völlig okay. Wenn ich dieses Turnier gewinne, trete ich automatisch aus diesem Schatten heraus. Und darüber würde ich sicher nicht klagen.“
Mentale Stärke als Schlüssel
Ein zentraler Faktor für seinen Aufstieg ist die Arbeit mit einem Mentalcoach, mit der Van Veen Ende 2023 begann. „Nicht, weil ich plötzlich so hoch in der Rangliste stand, sondern um besser mit Druck umzugehen“, erklärte er. Diese Entscheidung zahlt sich nun sichtbar aus. „Mein Coach kommt aus dem Profifußball und weiß genau, was Druck bedeutet. Das hilft unglaublich.“
Trotz seines beeindruckenden Laufs bleibt Van Veen bescheiden. „Vier Siege fehlen zum Titel – das klingt nah, ist aber noch sehr weit weg. Vier schwere, lange Matches. Ich habe drei gewonnen, damit bin ich zufrieden. Mehr nicht.“
Sein sportliches Vorbild? Nicht etwa Van Gerwen, sondern Gary Anderson. „Er war der Grund, warum ich mich in Darts verliebt habe.“ Und der gefährlichste Gegner in diesem Turnier? „Luke Littler. Jeder, der etwas anderes sagt, lügt. Zum Glück kann ich ihn erst im Finale treffen.“
Was er aus dem Match gegen Razma mitnimmt, bringt Van Veen auf den Punkt: „Das Beste ist, dass ich mich nicht wohlgefühlt habe und trotzdem stark gespielt habe. Das gibt mir Selbstvertrauen. Mein Lernpunkt: Ich will meine Darts besser landen lassen. Wenn mir das gelingt, kann ich noch besser werden.“
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Theo StodiekRedakteur
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Dartsnews.de und berichtet dort über den professionellen Dartsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Erstellung von Liveblogs zu großen Turnieren und wichtigen Ereignissen, darunter die European Tour und die PDC World Darts Championship (WM). Dabei begleitet er das Geschehen in Echtzeit und ordnet Ergebnisse, Spielverläufe und Entwicklungen fortlaufend ein. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um die internationale Darts-Szene.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit Nicolas Gayer und Oliver Ried vernetzt. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026











