„Ich dachte wirklich: Was geht hier vor?“ – Nick Kenny blickte fassungslos auf Claytons Lehrstunde gegen die Vereinigten Staaten

PDC
durch Nic Gayer
Samstag, 13 Juni 2026 um 20:01
2026WorldCupR2_Wales V Usa-11
Wales hat das Viertelfinale des World Cup of Darts erreicht. Jonny Clayton und Nick Kenny setzten sich in Frankfurt mit 8:5 gegen das US-Duo Stowe Buntz und Adam Sevada durch und machten damit einen weiteren Schritt in Richtung eines möglichen neuen Titels für die Dartsnation.
Auch wenn das Endergebnis vielleicht etwas anderes vermuten lässt, verlief die Partie nicht ohne Hürden. Vor allem Kenny brauchte Zeit, um in seinen Rhythmus zu finden, sah aber, wie sein erfahrener Partner Clayton in den wichtigen Momenten voranging.
Nach dem Spiel gab Kenny im Gespräch mit Dartsnews.de offen zu, dass er persönlich schwer in die Partie gekommen war. Der Waliser fühlte sich jedoch von seinem Teamkollegen getragen, der ihn mit einigen entscheidenden Finishes aus der Bredouille holte.
„Ehrlich gesagt bin ich überglücklich“, sagte Kenny. „Für mich persönlich lief es anfangs nicht gut. Aber Jonny warf zweimal ein 141-Finish. Nach dem ersten sagte ich zu ihm: ‚Mach das noch mal, Kumpel.‘ Und das hat er einfach getan. Ich dachte wirklich: Was geht hier ab?“
Laut Kenny kam sein eigenes Spiel erst zur Mitte der Anfangsphase in Fahrt. „Da fühlte ich mich etwas wohler. Danach verpassten wir noch ein paar Doppel, wodurch sie zurück ins Match kamen, aber am Ende haben wir es über die Linie gebracht. Wir sind völlig aus dem Häuschen.“

Clayton: „Wir sind hier, um Matches zu gewinnen“

Für Clayton war es erneut eine Partie, in der das Resultat im Vordergrund stand. Der frühere World Cup-Sieger sah, wie Wales im Verlauf des Spiels verschiedene Phasen durchlief, zeigte sich aber vor allem mit dem Endergebnis zufrieden.
„Wir waren beide ein wenig nervös am Anfang“, erklärte Clayton. „Danach klickte alles, dann ließ es wieder etwas nach und anschließend kamen wir erneut zurück. Das ist Darts. Doppel ist ein kniffliges Format.“
Der Waliser relativierte die Schwankungen mit einem Lächeln. „Wenn immer alles glatt liefe, wäre es ein langweiliges Spiel. Wir halten es gern spannend. Hauptsache, wir stehen im Viertelfinale.“
Während der Partie zeigte Clayton zudem erneut seine Emotionen nach einem wichtigen Finish. Der Routinier übernimmt im Team immer mehr Verantwortung, zumal Gerwyn Price in diesem Jahr fehlt.
Trotzdem wollte Clayton wenig von einer Führungsdiskussion wissen. „Wir sind hier, um Matches zu gewinnen. Es ist egal, wie wir das schaffen.“
Wales gehörte nicht zu den gesetzten Nationen und musste daher bereits in der Gruppenphase ran. So standen Clayton und Kenny schon mehrfach auf der Bühne, bevor die K.o.-Runde begann.
Es wurde die Frage gestellt, ob das ein Vorteil gegenüber Ländern sein kann, die erst später einsteigen. „Vielleicht hilft das ein bisschen“, räumte Clayton ein. „Heute war es auf der Bühne jedenfalls wärmer als in den vergangenen Tagen. Aber glaub mir, das kommt nicht mal annähernd an letztes Jahr oder das Jahr davor heran.“
Der Waliser versuchte sich sogar gezielt auf die Bedingungen vorzubereiten. „Ich dachte, ich hätte etwas Arbeit investiert, um mich darauf einzustellen“, lachte er. „Aber das hat nicht wirklich funktioniert.“ Dennoch überwiegt die Zufriedenheit. „Wir stehen im Viertelfinale. Am Ende zählt nur das.“
Nick Kenny und Jonny Clayton umarmen sich auf der Bühne.
Kann Wales ohne Gerwyn Price einen dritten World-Cup-Titel gewinnen?

„Wir haben unser Maximum noch nicht erreicht“

Das vielleicht deutlichste Signal an die Konkurrenz kam von Kenny. Trotz des Sieges hat er das Gefühl, dass Wales noch längst nicht sein bestes Niveau gezeigt hat. „Ich habe es in einem anderen Interview auch gesagt: Wir haben unser Potenzial noch nicht ausgeschöpft“, stellte er klar. „Wir haben unser Maximum noch nicht erreicht. Wenn ich mein A-Game abrufen kann, können wir sehr weit kommen.“
Diese Aussage wird die übrigen Nationen kaum beruhigen. Wales gilt seit Jahren als eine der stärksten Nationen im Welt-Darts und verfügt mit Clayton über einen Spieler, der dieses Turnier bereits gewonnen hat.
Nach dem Sieg drehte sich das Gespräch schnell um ein mögliches Duell mit England, das mit Luke Humphries und Luke Littler vielleicht über das stärkste Doppel des Turniers verfügt.
Kenny freut sich auf eine solche Begegnung, warnte zugleich aber, dass noch nichts entschieden sei. „Sie sind beide brillant“, sagte er über das englische Duo. „Humphries ist für mich eine Maschine. Sie sind so außergewöhnlich. Viele von uns haben ihnen auch viel zu verdanken für das, was sie für den Sport bedeuten.“
Trotzdem wollte der Waliser nicht zu weit vorausblicken. „Unterschätzt Spanien nicht. Das ist auch ein starkes Team. Wir werden sehen, welches England heute Abend auf der Bühne erscheint.“
Egal, wer der Gegner wird, am Anspruch von Wales liegt es jedenfalls nicht. „Wen wir auch treffen, wir fokussieren uns auf Team Wales. Wir wollen gewinnen. Wir treten morgen nicht an, um danach gleich wieder nach Hause zu fahren. Wir wollen diesen World Cup gewinnen. Wir sind bereit.“

Wertschätzung für Clayton

Auf der Pressekonferenz brachte Kenny zudem ausführlich seine Wertschätzung für seinen Partner zum Ausdruck. Der 32-jährige Waliser genießt sichtbar das Spiel an der Seite eines der größten Namen des modernen Darts. „Es ist großartig“, sagte Kenny. „Er steht nicht umsonst an der Weltspitze. Diese beiden 141-Finishes haben mich wirklich aus der Klemme geholt.“
Kenny war zudem mit seinem eigenen Beitrag zum Sieg zufrieden. „Es war ein langes Match. Phasenweise war das wohl einer meiner besseren Auftritte. Ich warf ein paar 180er und traf wichtige Doppel in der ersten Hälfte des Spiels.“
Am Ende zeigte er jedoch auf Clayton als entscheidenden Faktor. „Er ist der große Mann. Deshalb steht er da, wo er auf der Weltrangliste steht. Absolut großartig. Eine Legende.“
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