Nur noch wenige Ranglistenturniere stehen im Kalender, und für einige bekannte Namen im Profi-Darts wird die Zeit knapp. Im
Podcast „Darts Draait Door" sprachen
Vincent van der Voort und Damian Vlottes über die brenzlige Lage von drei früheren WM-Helden:
Raymond van Barneveld,
Dimitri Van den Bergh und
Scott Williams. Alle drei stehen derzeit außerhalb der Plätze, die für die Teilnahme an der PDC Darts WM berechtigen. Van der Voort macht den beiden Spielern wenig Hoffnung, dass sie diese Situation noch rechtzeitig korrigieren können.
Niemand bezweifelt die Klasse dieser drei Spieler. Van Barneveld gewann die WM bereits einmal, und sowohl Van den Bergh als auch Williams erreichten in den vergangenen Jahren das Halbfinale der Weltmeisterschaft. Frühere Erfolge garantieren jedoch keine sichere Zukunft. „Van den Bergh ist natürlich auch ein Halbfinalist. Scott Williams ist ein Halbfinalist. Alles noch nicht sehr lange her", erklärt Van der Voort. „Und ja, die haben es im Moment richtig schwer."
Van den Bergh kämpft gegen großen Rückstand
Unter den drei Spielern steckt Dimitri Van den Bergh laut dem ehemaligen Profi in der schwierigsten Lage. Der Belgier besitzt nach wie vor das Talent, große Matches zu gewinnen, zeigt diese Form aber schon seit längerer Zeit nicht mehr konstant bei den Floor-Turnieren. Genau dort warten jedoch die entscheidenden Ranglistenpunkte. „Die Chance, dass Dimitri es schafft, muss man auch ganz ehrlich sagen: die ist nicht supergroß", stellt Van der Voort fest.
So wie es aktuell aussieht, sehen wir Raymond van Barneveld im Dezember nicht bei der Darts WM 2027.
Van der Voort sieht das Problem weniger im fehlenden Talent des früheren UK-Open-Siegers. Stattdessen macht er fehlendes Vertrauen und mangelnde Konstanz für die Krise verantwortlich. „Wir haben es beim World Cup gesehen. Da steckt durchaus noch was drin. Nur ist das Vertrauen sehr brüchig. Es kann also jederzeit wieder zusammenklappen. Es kann aber auch jederzeit sein, dass man denkt: vielleicht geht es wieder in die richtige Richtung."
Van der Voort erkennt zudem ein strukturelles Problem, das sich über Jahre aufgebaut hat. „Es hat sich über die Jahre gezeigt, dass er ProTours einfach sehr schwierig findet. Und genau da muss es jetzt passieren." Diese Einschätzung trifft den Kern der Schwierigkeit: Die meisten Ranglistenpunkte vergeben die Players Championships und Qualifikationsturniere in den kommenden Monaten. Bei diesen Events rief Van den Bergh in den vergangenen Saisons selten sein bestes Niveau ab.
Damian Vlottes lenkt den Blick zudem auf den Rückstand, den der Belgier auf der ProTour Order of Merit angesammelt hat. Van den Bergh belegt dort aktuell Rang 56, während er für eine WM-Teilnahme über diesen Weg einen Platz in den Top 40 benötigt. „Das ist einfach wirklich viel", kommentiert Vlottes den Rückstand. Van der Voort stimmt zu: „Für ihn muss man natürlich noch mehr bangen."
Auch Van Barneveld steht vor einer harten Aufgabe
Während Van den Bergh vor allem mit Form und Selbstvertrauen ringt, wirken die Probleme von Raymond van Barneveld inzwischen tiefer verwurzelt. Der fünffache Weltmeister bewies in den vergangenen Jahren immer wieder, dass er an guten Tagen selbst Topspieler bezwingen kann. Die für ein
WM-Ticket nötige Konstanz fehlt ihm aber weiterhin.
Van der Voort erkennt kaum Anzeichen für eine kurzfristige Wende. „Ich weiß nicht, wie weit er genau zurückliegt. Aber es ist nun auch nicht so, dass man irgendwo einen Anhaltspunkt hat, dass es vorher viel besser läuft." Van Barneveld scheint sich derzeit außerdem bewusst etwas zurückzunehmen, was die Lage zusätzlich erschwert. „Raymond nimmt jetzt mal etwas Ruhe. Ich weiß nicht, ob er bei den letzten beiden Turnieren mitgemacht hat. Das weiß man bei ihm mal nicht. Aber es muss natürlich etwas passieren."
Van der Voort sieht die größte Schwierigkeit in den schrumpfenden Möglichkeiten, genügend Preisgeld einzusammeln. „Es hat jetzt schon mehr als zwanzig ProTours gegeben. Es stehen nur noch so zehn, zwölf aus. Noch ein paar Euro Tours. Darin muss alles passieren." Hinzu kommt, dass die Veranstalter Van Barneveld für viele große TV-Turniere nicht setzen. Gerade an diesen Events lassen sich normalerweise die größten Preisgelder verdienen. „Im Herbst gibt es nicht mehr so viele Turniere, bei denen du es richten kannst. Es gibt viele TV-Turniere, aber da bist du nicht gesetzt. Also wo willst du es noch schaffen?"
Scott Williams kämpft mit den Nachwirkungen von Darteritus
Auch Scott Williams befindet sich laut den beiden Podcast-Machern in einer prekären Lage. Der Engländer begeisterte vor einigen Jahren mit seiner unbekümmerten Spielweise und erreichte sogar das WM-Halbfinale. Seine Situation hat sich seitdem allerdings grundlegend verändert.
Van der Voort vermutet, dass Williams unter Darteritus leidet oder gelitten hat – jener Störung, bei der Spieler Schwierigkeiten beim Loslassen des Darts entwickeln. „Der hat doch ein bisschen unter Darteritus gelitten. Oder immer noch." Gerade bei Williams überrascht diese Entwicklung viele Beobachter. „Man würde sagen: Der bekommt das sicher nicht", merkt Vlottes an. Van der Voort liefert eine Erklärung: „Oft ist es so, dass Leute, die mehr mit ihrem Dart machen, drehen oder komische Bewegungen haben, das dann bekommen. Aber er hatte wirklich einen herrlichen Wurf."
Van der Voort glaubt, dass Williams sein bestes Darts in der Phase ohne Tour Card zeigte. „Ich fand ihn am besten, als er in dem Jahr keine Tour Card hatte. Da gewann er auch eine ProTour. Da war er echt so gut." Das freie Gefühl aus jener Zeit scheint inzwischen verschwunden zu sein. „Da konnte er alles spielen. Das schien ihm besser zu liegen als das hier." Van der Voort registriert zudem einen klaren Unterschied zwischen Bühnen- und Floor-Performance. „Ich finde ihn auch auf der Bühne besser als auf dem Floor."
Klare Prognose: Keiner der drei schafft die WM über die Rangliste
Zum Abschluss stellt Vlottes die Frage, die viele Dartsfans bewegt: Wer von den drei Spielern qualifiziert sich letztlich für die WM? Van der Voort braucht nicht lange zum Nachdenken und liefert eine eindeutige Prognose. „Ich denke, dass alle drei die WM nicht erreichen. Jedenfalls nicht über die Rangliste."
Damit schließt er alternative Qualifikationswege keineswegs aus. Spieler können sich später im Jahr noch über den PDPA Qualifier einen Platz am Alexandra Palace sichern. „Wir haben damals auch über diesen PDPA Qualifier gesprochen. Da sind an einem Tag drei Matches zu gewinnen. Das können sie alle drei." Seine grundsätzliche Einschätzung bleibt trotzdem klar: Der reguläre Weg zur WM entfe