Nach Jahren des Beinahe, Enttäuschungen und mentalen Kämpfen hat es
Niall Culleton endlich geschafft: Der Ire hat sich seine heiß ersehnte PDC Tour Card gesichert. Acht Anläufe brauchte er bei der
Q-School, doch der Januar 2026 wurde schließlich der Monat, in dem alles zusammenfiel. Für Culleton fühlt es sich nicht wie eine Überraschung an, eher wie das logische Ergebnis eines Prozesses, in dem er sich neu erfinden musste – als Spieler und als Mensch.
„Es war ein guter Januar“,
erzählt Culleton nüchtern. „Weihnachten war ruhig, viel Training, und ich hatte rund um diese Zeit die ADC Global Championships. Die Finals waren buchstäblich am Tag vor der
Q-School. Wenn du das dann mit einer
PDC Tour Card abschließt, kannst du dich nicht beschweren.“
Achte Q-School, aber erstmals wirklich bereit
Wer die
Q-School verfolgt, kennt den Namen Culleton schon länger. Der Ire stand mehrfach haarscharf vor dem Durchbruch. Ein Match, manchmal sogar ein Pfeil, trennten ihn zuvor von einer Tour Card. Dennoch fühlte sich diese Ausgabe anders an. „Ich wusste, dass ich bereit war“, sagt er. „In den Monaten davor spielte ich einfach gut genug. Es ging nur darum, ob ich es an den Tagen abrufen konnte. Ich hatte die Arbeit gemacht, ich hatte mein Vertrauen ins Spiel zurückgewonnen. Das gab Ruhe.“
Auffällig ist, dass Culleton in diesem Jahr nicht von früheren Misserfolgen verfolgt wurde. Während diese ihn in der Vergangenheit belasteten, gelang es ihm nun, diese Last abzustreifen. „Daran habe ich bewusst gearbeitet. Letztes Jahr war ein Tiefpunkt. Ich qualifizierte mich nicht einmal für die Endphase der
Q-School und spielte das ganze Jahr keine Challenge Tour. Das war ein Weckruf.“
Zurück zu den Grundlagen – und zum Spaß
Diese Enttäuschung entpuppte sich im Nachhinein als Wendepunkt. Culleton beschloss, Abstand zu gewinnen – mental wie praktisch. „Ich musste Dinge verändern: meine Denkweise, mein Material, mich selbst. Das Wichtigste war, den Spaß am Darts zurückzufinden. Irgendwann fuhr ich nach England und dachte nur an all das, was ich zuvor verpasst oder knapp verfehlt hatte. Das lähmt.“
Die Lösung war überraschend einfach: zurück zu den Grundlagen. Andere Darts, Standard-Flights, Standard-Spitzen. „Mein altes Set fühlte sich einfach nicht mehr gut an. Als ich das änderte und mental Ballast abwarf, begann alles wieder zu passen. Nach drei oder vier Monaten fühlte sich Darts wieder komfortabel an. Und das sieht man am Board.“
Bereit für die Pro Tour
Mit neuem Selbstvertrauen blickt Culleton nun seinem ersten kompletten Jahr auf der PDC Pro Tour entgegen. Angst hat er nicht. „Ich weiß, wie ich werfe. Und ich denke, mein Spiel wird besser, sobald ich häufiger gegen die absolute Spitze spiele. Es ist auch eine Frage der Gewöhnung an die Umgebung, an das Niveau. Aber ich glaube wirklich, dass ich dort mithalten kann.“
Große Ziele formuliert er bewusst noch nicht. Erst ankommen, dann aufbauen. „Erst einmal ein paar Matches auf der Pro Tour gewinnen und sehen, wo ich stehe. Das Bewusstsein, dass ich eine Tour Card habe, ist ehrlich gesagt noch nicht ganz da. Man fährt zur
Q-School, um eine Aufgabe zu erledigen. Das ist gelungen. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit.“
Balance zwischen Arbeit und Darts
Wie bei vielen neuen Tour Card-Inhabern ist auch für Culleton die finanzielle Realität ein Faktor. Vorerst arbeitet er neben dem Darts weiter. „Wenn ich keine Turniere habe, arbeite ich ganz normal Vollzeit. In Wochen mit Darts arbeite ich nur ein paar Tage. Man muss realistisch sein: Preisgeld ist nicht garantiert. Arbeiten hält mich auch auf dem Boden.“
Sein Arbeitgeber spielt dabei eine wichtige Rolle. „Mein Chef sagte wörtlich: ‚Das kannst du nicht halb machen. Zieh es durch, wir regeln das hier.‘ Das gibt enorme Ruhe.“
Als Zimmermann hat Culleton zudem Flexibilität. „Ich finde immer irgendwo Arbeit. Das hilft.“
Rückhalt aus Irland und verpasste Chancen
Die Unterstützung aus seinem Umfeld und aus der irischen Darts-Szene ist groß. Nach dem Gewinn seiner Tour Card stand sein Telefon nicht still. „Ich konnte meine Frau und meine Mutter erst zwei Stunden später anrufen. Mein Handy ist vor lauter Nachrichten hängen geblieben“, lacht er.
Culleton betont, wie wichtig Darts in Irland ist, setzt aber auch einen kritischen Akzent. Seiner Meinung nach vergibt das Land Chancen durch das Fehlen von PDC-Turnieren im eigenen Land. „Früher hatten wir Qualifier für den World Grand Prix. Das ist alles weggefallen. Es wäre großartig, wenn es wieder Euro Tour-Qualifikationen oder sogar ein Pro Tour-Wochenende in Irland gäbe. Es gibt so viel Talent hier.“
Laut Culleton würden solche Turniere einen enormen Schub geben. „Nicht jeder schnappt sich sofort eine Tour Card. Aber über Euro Tours oder Qualifier kann man Spieler an das Niveau heranführen. Diese Chance gibt es derzeit zu selten.“
Shane McGuirk eroberte ebenso wie Niall Culleton eine PDC Tour Card
Inspiration und irische Einheit auf der Tour
Auf der Tour fühlt sich Culleton nicht allein. Er ist viel mit Shane McGuirk unterwegs, mit dem er zusammen reist und Zimmer teilt. Zudem gibt es einen engen (Nord)irischen Kern mit unter anderem William O’Connor und Brendan Dolan.
Über O’Connor spricht er klar positiv. „William ist enorm wichtig für Darts in Irland. Er ist präsent, spielt viele Exhibitions, unterstützt junge Spieler. Er schickt Nachrichten, lädt dich zum Training ein. Solche Leute braucht man.“
Der Gedanke an einen möglichen Platz beim World Cup of Darts ist da, bleibt aber vorerst Zukunftsmusik. „Du hast William und Keane Barry bereits vor uns im Ranking. Dann kommen jetzt Shane, ich und Stephen Rosney dazu. Es hängt alles von den Leistungen ab. Aber allein, dass es ein realistischer Traum ist, sagt genug.“
Ein neues Kapitel
Für
Niall Culleton fühlt sich diese Tour Card wie mehr an als nur ein sportlicher Erfolg. Sie ist die Belohnung für Durchhaltevermögen, Selbstreflexion und den Mut zum Neustart.
„Ich will es genießen“, schließt er. „Wenn meine Darts da sind, weiß ich, dass ich performen kann. Jetzt gilt es, das abzurufen.“