Justin Hood hatte für das Jahr 2026 ursprünglich kaum mehr als ein einzelnes Showmatch eingeplant. Doch sein überraschender und zugleich eindrucksvoller Vorstoß bis ins Viertelfinale der Darts-Weltmeisterschaft hat alles verändert. Unter seinem Spitznamen „Happy Feet“ ist der Engländer über Nacht zu einem gefragten Mann geworden. Anfragen für Exhibitions erreichen ihn inzwischen aus dem gesamten Vereinigten Königreich, aus Deutschland und sogar aus Australien.
Die neue Aufmerksamkeit trifft Hood und seine Partnerin unvorbereitet. „Es ist eine enorme Umstellung für mich und meine Partnerin“, erklärte der 32-Jährige im Gespräch mit dem
Weekly Dartscast. „Wir sind das alles überhaupt nicht gewohnt. Letztes Jahr hatte ich, glaube ich, eine einzige Exhibition.“
Vom ruhigen Touralltag zur vollen Terminliste
2026 entwickelte sich für Hood binnen weniger Wochen zu einem kompletten Gegensatz. „Dieses Jahr ist es völlig eskaliert, und wir werden es genießen, solange es anhält“, sagte er offen. Noch lässt er alles auf sich zukommen, ohne langfristige Verpflichtungen einzugehen. „Wir schauen, ob mir all diese Exhibitions weiterhin Spaß machen. Wenn nicht, fahren wir nächstes Jahr wieder einen Gang zurück. Aber im Moment gehe ich einfach mit dem Flow.“
Justin Hood erreichte bei der Darts WM Anfang Januar das Viertelfinale
Organisatorisch liegt der Fokus inzwischen klar auf seinem Management. „Mein Manager regelt alles rund um die Exhibitions. Er schickt mir Termine rüber, und der Kalender ist jetzt schon ziemlich voll – was natürlich schön ist. Ich habe ein paar Auftritte in Deutschland, und wir arbeiten an weiteren. Es sieht sehr gut aus.“
Der Auslöser für diesen Popularitätsschub liegt nur wenige Wochen zurück. Luke Littler verteidigte erst kürzlich die Sid Waddell Trophy und schrieb selbst Geschichte. Im Finale besiegte der damals 18-Jährige
Gian van Veen klar mit 7:1 und krönte sich zum zweifachen Weltmeister. Neben dem sportlichen Glanz brachte der Titel auch eine Rekordsumme von einer Million Pfund ein – das höchste Preisgeld, das jemals im Darts ausgeschüttet wurde.
Doch die Strahlkraft der lukrativsten WM aller Zeiten beschränkte sich nicht allein auf den Sieger. Der Rekord-Preisfonds von insgesamt fünf Millionen Pfund sorgte auch für nachhaltige Effekte bei anderen Spielern.
Justin Hood nahm bei seinem WM-Debüt dank des Viertelfinaleinzugs 100.000 Pfund mit nach Hause – mehr als das Fünfzehnfache seiner bislang höchsten Profi-Einnahmen.
Sportlich rechtfertigte Hood diese Prämie eindrucksvoll. Im Alexandra Palace begeisterte er mit Siegen über Nick Kenny,
Danny Noppert, Ryan Meikle und Josh Rock sowohl das Live-Publikum als auch die Zuschauer vor den Bildschirmen. Bereits gegen Kenny zeigte er mit einem Average von 99 seine Klasse und gewann souverän ohne Satzverlust. In Runde zwei folgte ein echter Ally-Pally-Thriller gegen den an Nummer sechs gesetzten Noppert.
Hood verspielte zwar eine 2:0-Satzführung, behielt im entscheidenden Durchgang jedoch die Nerven. Der Sudden-Death-Satz entwickelte sich zu einem der emotionalsten Momente des Turniers. Nicht ohne Grund wählten die Hörerinnen und Hörer des Weekly Dartscast dieses Match später zum Spiel des Jahres. Insgesamt räumte Hood bei den Awards gleich drei Auszeichnungen ab: Spiel des Jahres, Newcomer des Jahres und Leistung des Jahres. Letztere verdankte er seinem Auftritt gegen Josh Rock, als er zwischenzeitlich alle elf Darts auf die Doppel traf.
„Ich wusste gar nicht, dass ich bei hundert Prozent auf die Doppel lag“, erinnerte sich Hood. „Erst als ich auf den Bildschirm schaute und dort 10 von 10 sah, habe ich gemerkt, wie gut es läuft. Ich habe mir die Statistiken gar nicht angeschaut.“ Selbst Rock staunte nach dem Match: Erst im letzten Leg verfehlte Hood ein Doppel – und das, obwohl das Training zuvor alles andere als gut gelaufen war.
Nach dem Sieg über Rock erklärte Hood bei Sky Sports selbstbewusst: „Das ist kein Märchen. Ich weiß, was ich kann, und es ist schön, das hier zu zeigen.“ Endstation war schließlich das Viertelfinale, in dem er am Neujahrstag mit 2:5 dem zweifachen Weltmeister
Gary Anderson unterlag.
Inzwischen steht Hood auf
Rang 50 der Weltrangliste und befindet sich im zweiten Jahr seiner Tourkarte. Konkrete Saisonziele formuliert er bewusst nicht. Die vergangenen Wochen empfand er als intensiv. „Es war ehrlich gesagt ziemlich hektisch. Es ist schwieriger geworden, einfach trainieren zu gehen – aber auf eine gute Art. Die Leute wollen Fotos und ein bisschen plaudern. Das ist schön, aber ich muss weiter an meinem Spiel arbeiten.“
Auf der Bühne bleibt Hood dabei ganz er selbst. „Ich mache gern einen Spaß, wenn mich das entspannt. Ich werde mich nicht verändern.“ Auch kleinere Ermahnungen der PDC wegen seines Entertainments nimmt er gelassen. „So bin ich nun mal. Ich habe es genossen, und ich glaube, das Publikum auch.“ Sein Ansatz bleibt simpel: Partie für Partie denken, jedes Spiel ernst nehmen und alles aufsaugen, was diese neue Phase seiner Karriere mit sich bringt.