Luke Littler hat die Darts-Welt in den vergangenen zwei Jahren komplett auf den Kopf gestellt. Der erst 19-jährige Engländer hat bereits zehn große Titel gewonnen und führt inzwischen die Weltrangliste an. Dennoch erkennt Ex-Profi und Analyst
Paul Nicholson eine auffällige Schwachstelle beim Supertalent: Auftritte in Deutschland.
Laut
Nicholson, selbst ehemaliger Major-Sieger, tut sich Littler bei Turnieren auf deutschem Boden sichtbar schwerer, besonders in kürzeren Match-Formaten. Diese Einschätzung stützt er unter anderem auf Littlers Auftritte bei der EM, wo er in zwei Teilnahmen nicht über die zweite Runde hinauskam.
Nicholson sieht Littlers Achillesferse in Deutschland und kurzen Matches
„Die meisten Majors außerhalb der WM werden in relativ kurzen Formaten gespielt“, erklärt Nicholson. „Selbst für einen Spieler von Littlers Klasse kann ein schlechter Start dann fatal sein. In Matches bis sechs oder sieben Legs bleibt schlicht keine Zeit zur Erholung.“
Littler trifft in der ersten Runde des Winmau World Masters auf den Belgier Mike de Decker.
Als Beispiel nennt Nicholson das jüngste Duell bei den
Bahrain Darts Masters, wo Littler chancenlos gegen Gerwyn Price in einer Partie bis sechs Legs verlor. „Dieses Match zeigte genau, wo das Risiko liegt. Wenn er nicht sofort auf Betriebstemperatur ist, kann selbst Littler rausfliegen.“
Europameisterschaft bleibt Stolperstein
Besonders die EM scheint Littler nicht zu liegen. 2024 schied er bereits in Runde eins gegen Andrew Gilding aus, ein Jahr zuvor verlor er in Runde zwei gegen James Wade. „Über seine drei Partien auf dieser Bühne hat er noch kein einziges Mal einen Schnitt von über 100 gespielt“, so Nicholson. „Das ist extrem auffällig für jemanden mit seinem Talent. Derzeit ist seine einzige erkennbare Schwäche das Spielen in Deutschland.“
Diese Schlussfolgerung wird laut Nicholson durch den jüngsten World Cup of Darts untermauert, bei dem Littler und Luke Humphries früh ausschieden. „Was dort passiert ist, unterstreicht erneut, dass Deutschland für manche Spieler einfach eine schwierige Umgebung ist.“
Favorit auf den World-Masters-Titel
Trotz dieser Vorbehalte erwartet Nicholson, dass Littler in dieser Woche seinen ersten
Winmau World Masters-Titel holt. Die Nummer eins der Welt startet gegen Mike De Decker, einen Gegner, den er in allen sieben bisherigen Duellen besiegt hat. „Bei der vergangenen Ausgabe des World Masters spielte er in seinen ersten beiden Matches im Schnitt über 104, ohne auch nur einen Satz abzugeben“, erinnert sich Nicholson. „Diese überraschende 4:2-Niederlage gegen
Jonny Clayton war eine Ausnahme.“
Laut Nicholson sorgen die Best-of-3-Legs pro Satz zwar für mehr Überraschungen, dennoch bleibt Littler der klare Favorit. „Dieses Format kann für ein ausgeglichenes Feld sorgen, aber wenn Luke sein normales Niveau erreicht, braucht es etwas Überirdisches, um ihn zu stoppen.“
Jagd auf historische Averages
Nicholson glaubt, dass Littler seine Motivation künftig vor allem aus dem Brechen von Rekorden ziehen wird. Einer davon ist der legendäre TV-Average von
Michael van Gerwen: 123,4, gespielt in der
Premier League Darts 2016. „Es ist eigentlich absurd zu sagen, aber er ist fast mit Darts fertig, obwohl seine Karriere noch beginnen muss“, sagt Nicholson mit einem Lächeln. „Neben dem Gewinnen von Titeln wird er neue Ziele brauchen, um scharf zu bleiben.“
Zwar liegt Littlers höchster PDC-Average derzeit bei 115,96 – außerhalb der Top Ten der Premier-League-Historie –, doch Nicholson ist überzeugt, dass sich das bald ändert. „Er hat definitiv einen 120+ Average in sich. Ich bin überzeugt, dass wir das in dieser Saison oder spätestens 2027 im Fernsehen sehen werden.“