„Sie melken das Publikum aus, weil ihr Niveau einfach etwas geringer ist.“ – Michael van Gerwen nennt Walk-On-Theatralik ein Schutzschild und rechnet mit Dimitri van den Bergh ab

PDC
Dienstag, 23 Dezember 2025 um 21:27
Michael van Gerwen (2)
Michael van Gerwen hat bei der Darts-WM 2026 nicht nur sportlich überzeugt, sondern auch abseits des Boards für Gesprächsstoff gesorgt. Mit einem 3:1-Erfolg gegen Mitsuhiko Tatsunami zog der Niederländer souverän in die nächste Runde ein, musste zwischendurch jedoch einen kurzen Moment der Unsicherheit überstehen. Für deutlich mehr Aufmerksamkeit sorgte anschließend jedoch nicht das Match selbst, sondern das Thema Walk-on – und van Gerwens ungewöhnlich klare Worte dazu.

Van Gerwen kritisiert Walk-on-Kultur und trifft klare Worte

Denn während Tatsunami das Publikum mit Show und Theatralik begeisterte, stellte der dreimalige Weltmeister unmissverständlich klar, was er davon hält.
Van Gerwen sieht eine Entwicklung im Darts, die ihm missfällt: Immer mehr Spieler versuchten, fehlende sportliche Klasse mit Inszenierung zu überdecken. Für den Niederländer zählt am Ende nur das Spiel am Board – nicht der Weg dorthin.
Ironischerweise gehört van Gerwen selbst zu den Spielern mit dem wohl bekanntesten Walk-on im Darts. „Seven Nation Army“ von den White Stripes hat sich längst zu einer inoffiziellen MVG-Hymne entwickelt, das Publikum singt regelmäßig lautstark mit. Für ihn ist das jedoch Begleitung, nicht Grundlage seines Erfolgs. Andere, so seine Kritik, nutzten den Walk-on als Schutzschild.
In Zeiten von Social Media und Viralität haben Walk-ons stark an Bedeutung gewonnen. Spieler wie Leonard Gates, Motomu Sakai oder Nitin Kumar erzielten damit große Reichweite. Van Gerwen machte jedoch klar, dass ihn dieser Trend skeptisch stimmt. „Manche Dartspieler glauben inzwischen, ihre Walk-on-Musik mache sie zu besseren Spielern“, sagte er gegenüber talkSPORT.
„Manche Menschen haben etwas zu sehr an sich selbst geglaubt“, sagte er. „Sie melken das Publikum aus, weil ihr Niveau einfach etwas geringer ist. Dann müssen sie eben versuchen, den Saal auf ihre Seite zu ziehen.“ Einige hätten begonnen, sich selbst zu überschätzen und versuchten, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen, weil die Qualität nicht ausreiche."
- Michael van Gerwen über Dimitri van den Bergh
Besonders deutlich wurde van Gerwen mit Blick auf Dimitri van den Bergh. Der Belgier hatte jahrelang mit „Happy“ von Pharrell Williams polarisiert und dafür viel Kritik einstecken müssen. Auch nach der Änderung seiner Musik blieb van Gerwen bei seiner harten Bewertung. Für ihn war dieser Walk-on schlicht „grauenhaft“ – der schlechteste überhaupt.
Dass van den Bergh bereits in der ersten Runde gegen Darren „Ice Cold“ Beveridge ausschied, kommentierte MVG mit beißendem Spott. „Deshalb ist er jetzt zu Hause und ich bin hier“, sagte er trocken und ließ keinen Zweifel an seiner Haltung.

GOAT-Diskussion im Darts

Abseits der Walk-on-Debatte äußerte sich van Gerwen auch zur immer wieder aufflammenden GOAT-Diskussion im Darts. Vergleiche zwischen Generationen hält er für wenig sinnvoll, ähnlich wie im Fußball oder Tennis. Unterschiedliche Epochen ließen sich nicht objektiv bewerten.
Sein eigenes Selbstverständnis formulierte er dennoch klar: Er wolle nicht sagen, er sei der Größte aller Zeiten – aber der Beste. Auf die Frage, ob er der beste Spieler der vergangenen 20 Jahre sei, antwortete er ohne Zögern: „Zu 100 Prozent.“ Als Phil Taylor ins Spiel kam, setzte van Gerwen noch einen drauf und scherzte, er sei schließlich derjenige gewesen, der „The Power“ zum Rücktritt bewegt habe.
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