Dom Taylor hat offen über eine besonders schwierige Phase in seinem Leben gesprochen. Der 28-jährige Engländer, der bei der WM Darts 2026 positiv auf Kokain und Cannabis getestet wurde, erhielt eine Sperre von sechs Monaten. Inzwischen versucht Taylor, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Eine jüngst gestellte ADHS-Diagnose hat ihm zudem geholfen, sich selbst und seine Suchtproblematik besser zu verstehen.
Taylor schien bei der WM zunächst auf dem Weg zu einem starken Turnier. „The Tower“ besiegte Oskar Lukasiak in der ersten Runde, wurde danach aber wegen eines positiven Tests auf verbotene Substanzen disqualifiziert. Außerdem musste er sein erspieltes Preisgeld von 25.000 Pfund zurückgeben.
Die Folgen blieben nicht auf die Sperre beschränkt. Taylor fiel aus den Top 64 der Weltrangliste und verlor damit auch seine PDC Tour Card. In einem ausführlichen Gespräch mit
MODUS berichtet er nun über die Hintergründe seiner Probleme und die Schritte, die er seitdem gegangen ist.
Taylor räumt ein, dass er lange Zeit nicht vollständig anerkennen wollte, dass er mit einer Sucht zu kämpfen hatte. „Als Süchtiger lebst du in Verleugnung und glaubst, du kommst damit durch“, sagt er. Auffällig ist, dass Taylor nach eigener Aussage nie konsumierte, wenn er mit Darts beschäftigt war. Gerade in den Momenten zu Hause, mit weniger Ablenkung, entstanden die Probleme.
„Das Einzige ist: Ich habe es nie getan, wenn ich Dart gespielt habe. Es passierte, wenn ich zu Hause saß, allein mit meinen Gedanken. Als ich ständig spielte, war ich die ganze Zeit beschäftigt und brauchte nichts anderes.“
Inzwischen wurde bei Taylor ADHS festgestellt. Diese Diagnose hat ihm nach eigener Aussage mehr Einblick gegeben, wie sein Kopf arbeitet. „Ich habe mittlerweile auch die Diagnose ADHS erhalten. Mein Gehirn braucht es, ständig beschäftigt zu sein. Ich denke, Darts ist deshalb für mich eine Art Ventil, ein Ort, an dem ich mich befreien kann.“
Intensives Entzugsprogramm
Nach seiner Sperre suchte Taylor professionelle Hilfe. Über Sporting Chance, eine Organisation, die Sportler unter anderem bei Sucht- und mentalen Problemen begleitet, absolvierte er ein 28-tägiges Behandlungsprogramm. Dorthin kam er über die Professional Darts Players Association (PDPA).
„Emotional war es hart. Es hat mich ausgelaugt“, blickt Taylor zurück. „Aber ich habe unglaublich viel gelernt. Nicht nur über mich selbst, sondern auch über Sucht und die Krankheit dahinter.“
Taylor sagt, dass er dadurch anders auf seine Problematik blickt. Wo er früher dachte, er möge gewisse Substanzen einfach, versteht er heute besser, wie seine Sucht funktionierte. „Es gibt sehr viel Hilfe für Menschen, die damit kämpfen. Über die PDPA kam ich zu Sporting Chance. Das richtet sich speziell an Sportler. Ich saß dort zum Beispiel mit ein paar Fußballern und einem Jockey.“
Die Probleme der anwesenden Sportler waren unterschiedlich. „Sie waren wegen Alkoholismus und Kokain dort. Es ist ein Mix aus allerlei Problemen, und man macht vieles, um zu lernen, wie man damit umgeht.“
Seine tägliche Routine änderte sich drastisch. „Wir standen um 6:30 Uhr auf, um ins Fitnessstudio zu gehen. Allein das ist schon eine enorme Veränderung im Leben. Jeden Tag waren wir körperlich mit einem Personal Trainer aktiv. Danach folgten über den Tag verteilt verschiedene Workshops.“
Auch Meditation und Achtsamkeit gehörten zum Programm. „Man lernt unglaublich viel über sich selbst und vor allem, wie man das Leben ohne diese Sucht bewältigen kann.“
Taylor wurde bei der WM Darts 2026 nach einem positiven Dopingtest disqualifiziert.
Tränen bei der Ankunft
Für Taylor war vor allem der erste Tag in der Klinik besonders konfrontierend. Sein Vater brachte ihn dorthin, doch erst im Moment des tatsächlichen Abschieds wurde ihm das Ausmaß der Situation voll bewusst.
„Es war sehr schwer, hineinzugehen. Mein Vater hat mich gefahren. Unterwegs ging es eigentlich noch“, erzählt er. „Aber als ich meinen Koffer aus dem Auto holte und hineintrug, traf es mich.“
Taylor ging anschließend noch einmal vor die Tür und rief seine Mutter an. „Ich zündete mir eine Zigarette an und rief meine Mutter an. Dann öffneten sich die Schleusen und die Tränen kamen. Ich dachte: Ich bin jetzt hier, aber das wird unglaublich hart werden.“
Am Ende fand er viel Unterstützung bei den anderen Teilnehmern desselben Programms. „Ich bin da durchgekommen. Die Jungs dort haben es mir deutlich leichter gemacht.“
Nach seinem Aufenthalt in der Klinik endete Taylors Genesungsprozess nicht. Er besucht weiterhin Treffen und nutzt dankbar die heute verfügbaren Online-Möglichkeiten. „Ich nehme immer noch an Meetings teil. Das Schöne an der heutigen Technologie ist, dass es eine App gibt. Wenn ich jetzt an einem Treffen teilnehmen möchte, geht das sofort.“
Laut Taylor ist diese Unterstützung jederzeit verfügbar. „Es gibt rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, Online-Meetings. Außerdem gibt es weltweit unglaublich viele Präsenztreffen, zu denen man gehen kann.“
Für den ehemaligen Tour-Card-Inhaber geht es nun vor allem um Struktur, die richtigen Menschen um sich zu scharen und seine Genesung nicht zu weit vorauszuplanen. „Es geht um die Schritte, die du gehst, dich mit den richtigen Leuten zu umgeben und die Kontrolle zurückzuholen. Ich habe eine Liste mit Dingen, auf die ich mich konzentrieren muss. Ich nehme es einfach Tag für Tag.“